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So hoch ist das relative Armutsrisiko in Deutschland

5.8.2022

Der Anteil der armutsgefährdeten Personen an der Bevölkerung hat sich im zweiten Pandemiejahr kaum verändert. Dies berichtet Destatis unter Berufung auf die europäische Gemeinschaftsstatistik.

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Im Jahr 2021 waren in Deutschland rund 13,0 Millionen (2020: 13,2 Millionen) Menschen armutsgefährdet. Das entspricht 15,8 Prozent (16,1 Prozent) der Bevölkerung.

Damit lag der Anteil der armutsgefährdeten Personen in der Bevölkerung im Vergleich zum Vorjahr auf einem vergleichbaren Niveau. Dies teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit.

Daten stammen aus der europäischen Gemeinschaftsstatistik

Die Angaben basieren auf Erstergebnissen der europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). Die Erhebung ist in Deutschland seit 2020 als Unterstichprobe in den Mikrozensus integriert. Es werden jeweils zunächst Erstergebnisse und mit zeitlichem Abstand Endergebnisse vorgelegt.

Die Messung erfasst die Lebensbedingungen und das verfügbare Haushaltsnettoeinkommen (nach Steuern und Sozialabgaben) des Vorjahres. Im Jahr 2021 wurden 34.387 Haushalte und 59.646 Personen ab 16 Jahren befragt.

Nach der EU-Definition für EU-SILC gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2021 lag dieser Schwellenwert für einen Single in Deutschland bei 15.009 Euro netto im Jahr oder 1.251 Euro im Monat, für zwei Personen mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 31.520 Euro netto im Jahr oder 2.627 Euro im Monat.

Besonders ältere Frauen sind gefährdet

Die Erstergebnisse für das Jahr 2021 weisen eine Armutsgefährdungsquote in Höhe von 16,5 Prozent für Frauen und von 15,1 Prozent für Männern aus.

In der Altersklasse ab 65 Jahren wurde die größte Differenz zwischen den Geschlechtern festgestellt. Hier kamen die Frauen auf ein Risiko von 20,1 Prozent, die Männer auf 17,4 Prozent.

Zudem waren insgesamt 16,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren im vergangenen Jahr in Deutschland von Armut bedroht.

Kinderreichtum erhöht das Armutsrisiko

Beim Blick auf die verschiedenen Haushaltstypen wird deutlich, dass Alleinerziehende (26,6 Prozent) und Alleinlebende (26,8 Prozent) ein größeres Risiko tragen.

Unter dem Bundesdurchschnitt lagen Haushalte mit zwei Erwachsenen und einem Kind (9,0 Prozent) beziehungsweise mit zwei Kindern (11,4 Prozent) sowie Haushalte mit zwei Erwachsenen ohne Kind (11,5 Prozent). Darüber Haushalte von zwei Erwachsenen mit drei und mehr Kindern (23,6 Prozent).

Aufgegliedert nach Jobstatus zeigt sich, dass in der Gruppe der Arbeitslosen fast jede zweite Person (47 Prozent) armutsgefährdet war. Bei den überwiegend Erwerbstätigen betrug der Anteil nur 8,6 Prozent. Für Personen im Ruhestand lag die Armutsgefährdungsquote bei 19,3 Prozent.

Paritätischer Wohlfahrtsverband veröffentlichte höhere Zahlen

Kürzlich hat der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V. (Paritätischer Wohlfahrtsverband) den Armutsbericht 2022 veröffentlicht. Der Report beruht auf dem Mikrozensus.

Darin kommt der Verband zu dem Schluss, dass im vergangenen Jahr 16,6 Prozent der Bevölkerung, das sind rund 13,8 Millionen Einwohner, von Armut betroffen waren – ein neuer Rekordwert (VersicherungsJournal 2.8.2022).

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