Riester-Vorsorge: Versicherern geht immer mehr die Puste aus

18.12.2019 (€) – Zwischen Juli und September hat sich der Bestand an Riester-Verträgen netto zum dritten Mal in Folge vermindert. Nach der aktuellen Statistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales betrug das Minus rund 23.000 Kontrakte. Zuwächse verzeichneten allein die Fondsgesellschaften. In den ersten neun Monaten ging die staatlich geförderte private Altersvorsorge um 84.000 Verträge zurück. Klar rückläufig waren Rentenversicherungen sowie Banksparpläne.

Die Zahl der Riester-Verträge ist im dritten Quartal netto – also unter Einberechnung der Kündigungen und Vertragsabgänge – um etwa 23.000 auf 16,5 Millionen gesunken.

Das zeigt die am Dienstag vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichte, amtliche Statistik (Stand: 17. Dezember 2019). Ruhend gestellte Kontrakte werden vom Ministerium nicht zahlenmäßig ausgewiesen, sondern unverändert auf einen Anteil von „gut einem Fünftel“ geschätzt.

Damit hat sich der negative Trend aus den beiden Vorquartalen (VersicherungsJournal 16.10.2019, 11.7.2019) wie auch aus dem Gesamtjahr 2018 fortgesetzt. Dieses war das erste in der fast 20-jährigen Geschichte dieser staatlich geförderten Vorsorge, in dem der Bestand zurückgegangen ist (23.4.2019).

Bestandsentwicklung Riester (Bild: BMAS)

Versicherungen verlieren am meisten

Wie die aktuellen Ministeriumsdaten zeigen, stand für die Versicherungen zwischen Juli und September 2019 ein Minus von netto etwa 15.000 Policen zu Buche. Damit fällt die Verminderung leicht höher aus als im dritten Quartal des Vorjahres (17.12.2018), aber nur halb so hoch wie in der Dreimonatsperiode zuvor (15.12.2017).

Bei den Banksparplänen hat sich die negative Entwicklung weiter fortgesetzt. Der Vertragsbestand verminderte sich zwischen Juli und September um rund 10.000. Dieser Wert ist zwar etwas kleiner als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, dafür aber fünf Mal so hoch wie vor fünf Jahren (21.11.2014).

Deutlich nach unten zeigt auch die Kurve bei den Eigenheimrenten. Nachdem der Zuwachs sich in den zurückliegenden dritten Quartalen immer weiter abgeschwächt hatte, drehte die Entwicklung zwischen Juli und September 2019 ins Minus. Im Vergleichszeitraum von 2014 waren noch fast 50.000 Kontrakte hinzugekommen.

Wachsen konnten zuletzt einzig die Investmentsparpläne. Hier errechnet sich für das dritte Quartal 2019 ein Plus von circa 7.000 Konten. Im Vergleichszeitraum des Vorvorjahres war die Steigerung allerdings noch mehr als sieben Mal so groß ausgefallen.

Netto-Neuzugang Riester (Bild. Wichert)

Minus 84.000 Verträge zwischen Januar und September

Auf Neunmonatssicht ging der Gesamtbestand um rund 84.000 Kontrakte zurück. Größter Verlierer war die versicherungsförmige Variante mit etwa 55.000 Policen. Fast genauso strak schrumpfte die Zahl der Banksparpläne (minus circa 46.000).

Die Eigenheimrenten wuchsen um 2.000, Fondssparpläne um 14.000 Konten.

Wohn-Riester und Fondssparpläne gewinnen Marktanteile

Durch die unterschiedliche Entwicklung beim Nettoneuzugang haben sich die Anteile der einzelnen Varianten im Gesamtbestand weiter verschoben. Der Wohn-Riester konnte seinen Anteil leicht auf fast elf Prozent weiter ausbauen.

Auch die Investmentsparpläne legten zu – von 19,5 Prozent Anfang Januar auf über 20 Prozent. Der Anteil der Banksparpläne gab auf Neunmonatssicht um rund 0,3 Prozentpunkte auf 3,8 Prozent nach.

Die Versicherungen kommen aktuell noch auf einen Marktanteil von 65,2 Prozent. Zum Vergleich: Ende 2015 waren es letztmals über zwei Drittel, Ende 2011 noch über 70 Prozent und Ende 2006 sogar noch über 80 Prozent.

Zahlreiche Reform-Vorschläge

Gründe für die größtenteils rückläufigen Tendenzen sind aus der offiziellen Statistik nicht abzuleiten. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) hat hierfür bereits mehrfach die „große Komplexität und Unübersichtlichkeit“ verantwortlich gemacht (10.4.2018).

Erst vor wenigen Wochen haben die Versicherer, die Fondsbranche und die Bausparkassen einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt. In diesem fordern sie, die Riester-Förderung beizubehalten, aber stark zu vereinfachen und die Garantien zu reduzieren (19.11.2019). Dies gewinnt vor dem Hintergrund einer eventuellen Absenkung des Höchstrechnungszinses (11.12.2019) noch stärker an Bedeutung.

Für einen Verzicht auf die Beitragsgarantie hat sich vergangene Woche auch die INSM Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH auf einer selbst ausgerichteten Diskussions-Veranstaltung ausgesprochen. Dabei machte die Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags, Bettina Stark-Watzinger (FDP), allerdings wenig Hoffnung auf eine schnelle politische Entscheidung (11.12.2019).

Kaum Einigkeit in Sachen Riester-Zukunft besteht auch bei den beiden Koalitionsparteien. Während die SPD nach Angaben des Handelsblatts ein Ende der Steuerförderung erwägt, will die CDU die private Vorsorge beibehalten und effizienter machen. Zunächst soll die Privatwirtschaft die Chance bekommen, ein reformiertes Riester-Produkt stärker zu verbreiten (25.11.2019).

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