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Riester-Vorsorge im freien Fall

19.6.2020 – Der Bestand an staatlich geförderten privaten Altersvorsorge-Verträgen ist zwischen Januar und März netto um mehr als 50.000 auf unter 16,50 Millionen gesunken. Dabei mussten erstmals alle Varianten Federn lassen. Dies zeigen jetzt veröffentlichte Zahlen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

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Die Zahl der staatlich geförderten privaten Altersvorsorgeverträge ist zwischen Januar und März netto – also unter Einberechnung der Kündigungen und Vertragsabgänge – um 52.000 auf 16,478 Millionen gesunken. Das zeigt die am Donnerstag vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlichte amtliche Statistik (Stand: 18. Juni 2020).

Ruhend gestellte Kontrakte werden vom Ministerium nicht zahlenmäßig ausgewiesen, sondern unverändert auf einen Anteil von „gut einem Fünftel“ geschätzt.

Erstmals alle Riester-Varianten im Minus

Damit hat sich die negative Entwicklung der Auftaktquartale der vergangenen vier Jahre (VersicherungsJournal 7.6.2016, 8.6.2017, 3.7.2018, 11.7.2019) nicht nur fortgesetzt. Vielmehr fiel die Verminderung sogar so hoch aus wie noch nie in einer Dreimonatsperiode. Darüber hinaus war nun erstmals bei allen vier Riester-Varianten ein Rückgang zu verzeichnen.

Dabei ging es bei der versicherungsförmigen Variante erneut am stärksten bergab – und zwar aktuell um 28.000 auf 10,74 Millionen Kontrakte. Banksparpläne schrumpften um 10.000 auf 617.000 Stück und Wohn-Riester-Verträge um 8.000 auf 1,81 Millionen. Investmentfonds-Sparpläne fielen um 6.000 auf nur noch hauchdünn über 3,3 Millionen.

Riester-Nettoneuzugang (Bild: Wichert)

Stand 31. März 2020 kommt die Wohn-Riester-Variante auf annähernd 11,0 Prozent Anteil (Ende 2018: rund 10,9; Ende 2017: knapp 10,7; Ende 2016: 10,2). Bei den Investmentsparplänen sind es den aktuellen Ministeriumsdaten zufolge knapp 20,1 (19,8; 19,5; 19,2) Prozent, bei den Banksparkonten nur noch gut 3,7 (4,1; 4,4; 4,7) Prozent.

Der Anteil der Rentenversicherungen, der Ende 2016 noch bei annähernd 66 Prozent lag, ist zum Ende des Startquartals 2020 auf 65,2 Prozent gesunken. Zum Vergleich: Ende 2015 bewegte sich der Anteil letztmals über der Marke von zwei Dritteln. Ende 2011 waren es noch über 70 Prozent und Ende 2006 sogar noch über 80 Prozent.

Rückzüge sind keine Werbung für Riester-Verträge

Gründe für die größtenteils rückläufigen Tendenzen sind aus der offiziellen Statistik nicht abzuleiten. Kaum absatzförderlich dürften dabei Rückzüge aus diesem Geschäftsfeld wie jüngst der des Marktschwergewichts Debeka Lebensversicherungs-Vereins a.G. sein (4.3.2020).

Ebenfalls keine positive Werbewirkung dürfte entstehen, wenn ein Anbieter von Riester-Fondssparplänen komplett aus Aktienfonds aussteigt, wie jüngst von der Privatbank Max Heinr. Sutor oHG bei den von der Fairr.de GmbH vermittelten Konten praktiziert (24.3.2020).

Eine Trendumkehr ist vor dem Hintergrund der Coronakrise nicht zu erwarten. Ganz im Gegenteil: Da nur die ersten beiden Wochen des deutschlandweiten Shutdowns in den März fielen, dürfte die Bilanz für das zweite Quartal noch wesentlich schlechter ausfallen. Auch der Versicherungsvertrieb bekommt eine deutliche Kaufzurückhaltung zu spüren (1.4.2020, 28.4.2020, 18.5.2020, 4.6.2020, 5.6.2020).

Zahlreiche Reformvorschläge liegen vor

Der GDV hat für die Schwierigkeiten in diesem Geschäftsbereich bereits mehrfach die „große Komplexität und Unübersichtlichkeit“ insbesondere bei der Förderung verantwortlich gemacht (30.1.2020, 10.4.2018).

Erst im vergangenen November haben die Versicherer, die Fondsbranche und die Bausparkassen einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt. In diesem fordern sie, die Unterstützung der privaten Altersvorsorge beizubehalten, aber stark zu vereinfachen und die Garantien zu reduzieren (19.11.2019). Dies gewinnt vor dem Hintergrund einer eventuellen Absenkung des Höchstrechnungszinses (11.12.2019, 30.4.2020) noch stärker an Bedeutung.

In eine ähnliche Richtung geht der Vorschlag der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV). Die Aktuare plädieren für ein „modernes, einfaches und damit kostengünstiges“ Standard-Riester-Produkt, das „praktisch keine Beratungsbedarf“ nach sich zieht (5.5.2020).

Über die Zukunft des geförderten Vorsorgeprodukts wurde Ende Mai auch auf einer Fachveranstaltung diskutiert (27.5.2020). Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) hatte das Thema ebenfalls auf die Agenda ihres diesjährigen Fachpresseseminars gesetzt (17.6.2020).

Rentenkommission greift Ideen der Versicherungswirtschaft auf

Auch die Regierungsparteien machen sich Gedanken um das Thema Riester sowie mögliche Alternativen (25.11.2019). Zudem hat die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ (4.5.2018, 16.5.2018) Ende März nach rund zweijährigen Beratungen fristgerecht ihren Abschlussbericht vorgelegt.

In diesem werden auch Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Förderung gemacht, die sich meist auf Linie der Versicherungswirtschaft befinden. Bundesarbeits- und -sozialminister Hubertus Heil (SPD) will die Überlegungen prüfen und dann bis zum Herbst konkrete Vorschläge vorlegen (30.3.2020).

Leserbriefe zum Artikel:

+Volker Fleischhauer - Unwissenheit der Menschen wird von Verkäufern gnadenlos ausgenutzt. mehr ...

Nils Fischer - Anstatt endlich mit Hochdruck die Riester-Rente zu verbessern . mehr ...

 
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