Privat Versicherte schätzen ihre Vorteile

21.9.2018 – Eine aktuelle Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zeigt, dass die Mehrheit der privat Versicherten die Vorteile ihrer Krankenversicherung zu schätzen weiß. Das betrifft insbesondere Kosten und Leistungen im Vergleich zur GKV. Bei den Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkasse liegen die Meinungen dagegen weit auseinander.

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Insgesamt sind die gesetzlich Versicherten mit der Versorgung im Gesundheitswesen in Deutschland zufrieden. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse einer Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Die Befragung für die KBV führt fast jährlich die Forschungsgruppe Wahlen e.V. durch. Im Zeitraum vom 9. April bis zum 4. Juni interviewten die Meinungsforscher telefonisch über 6.000 privat und gesetzlich Versicherte zu ihrer Einschätzung der Versorgungssituation in Deutschland.

„Das Vertrauensverhältnis der Patienten zu ihren Ärzten ist hoch – und diese positive Feststellung ist kein Trend, sondern eine solide und feststehende Realität seit Beginn der Befragungen vor zwölf Jahren. Den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen bringen 91 Prozent der Befragten ein hohes oder sehr hohes Vertrauen entgegen“, kommentierte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV die Auswertung.

Gesundheitssystem und Versorgungssituation

Die Mehrheit der gesetzlich Versicherten akzeptiert mittlerweile auch die elektronische Patientenakte (ePA). Nur eine Minderheit befürchtet hier Datenmissbrauch (VersicherungsJournal 20.9.2018).

Gesundheitspolitische Veränderungen erzielen nach Einschätzung der Befragten oft keine nachhaltigen Effekte. Die Mehrheit von 56 Prozent meint, dass sich trotz politisch motivierter Änderungen im Gesundheitssystem „nicht viel geändert“ habe.

Insgesamt zwölf Prozent fühlen sich wegen gesundheitspolitischer Entscheidungen „sehr viel besser“ oder „etwas besser“ abgesichert. 24 Prozent kritisieren, dass ihre Absicherung im Krankheitsfall jetzt „etwas schlechter“ oder „sehr viel schlechter“ sei. Die Konsequenzen der Gesundheitspolitik wollen acht Prozent nicht bewerten.

Negative Einschätzungen gehen zurück

Privat Versicherte sagten „überproportional häufig“, dass sich für sie bei der Versorgung „nicht viel geändert habe“, schreiben die Autoren der Studie in ihrer Auswertung.

Sehr bemerkenswert finden die Meinungsforscher dagegen die Veränderungen im Zeitvergleich. Hier sprächen die wenigsten privat und gesetzlich Versicherten von konkreten Verbesserungen. „Gleichzeitig hat sich der Anteil derjenigen Befragten, für die die gesundheitspolitischen Veränderungen nach eigenen Angaben negative Folgen haben, seit 2009 ganz erheblich reduziert.“

KBV Versichertenbefragung 2018 (Bild: KBV)

PKV-Versicherte sehen Vorteile gegenüber GKV

Unter den privat versicherten Befragten meint 57 Prozent der Teilnehmer, dass „ihre private Krankenversicherung im Vergleich zur GKV bei Kosten und Leistungen Vorteile hätte“, unterstreicht die Auswertung der KBV.

Für zehn Prozent der Befragten überwiegen die Nachteile der PKV, 19 Prozent stellen keinen großen Unterschied fest und 14 Prozent wollen keine Bewertung abgeben.

Differenziertere Bewertung der PKV-Versicherten

Unterschiedliche Meinungen der PKV-Befragten ergeben sich beim Faktor Alter: Zwar gebe es in allen Altersgruppen Mehrheiten, die sich, was Kosten und Leistungen angeht, im Vorteil gegenüber GKV-Versicherten sehen. Allerdings sinke dieser Anteil der Befragten „parallel zum Alter stark ab“, stellen die Autoren der Studie fest.

Bei den ab 60-Jährigen sagt rund die Hälfte der Befragten, dass die eigene private Krankenversicherung im Vergleich zur GKV „überwiegend Vorteile“ bietet.

In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen beurteilen fast drei Viertel (74 Prozent) ihre private Absicherung als durchweg positiv. Auch bei den Befragten, die zwischen 30 und 39 Jahre alt sind, sieht die Mehrheit mit 67 Prozent Vorteile gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse.

Bei den GKV-Versicherten gehen die Meinungen dagegen weit auseinander: 22 Prozent der Mitglieder sehen in ihrer Krankenversicherung „eher Vorteile“ gegenüber der PKV. 23 Prozent nennen „eher Nachteile“. Und 24 Prozent bemerken, wenn es um Leistungen und Kosten geht, „keinen großen Unterschied“. Weitere 31 Prozent wollen hier keinen Vergleich anstellen.

Perspektiven der Versorgung

Kaum unterschiedlich schätzen laut den Studienautoren die Versicherten der GKV und der PKV die Gesundheits-Versorgung in den nächsten fünf Jahren ein. 34 Prozent erwarten keine großen Änderungen. Zum Vergleich: 2013 waren es 29 Prozent.

15 (2013: zehn) Prozent rechnen eher mit Verbesserungen. Fünf (2013: sechs) Prozent trauen sich hier keine Prognose zu.

Die Teilnehmer sind für digitale Versorgungsangebote aufgeschlossen. Voraussetzung ist aber die weitere persönliche Betreuung durch ihren Hausarzt.

Die KBV zu Aspekten der Digitalisierung im Gesundheitswesen nach Auswertung von Patienten-Fokusgruppen.

Digitalisierung im Gesundheitswesen nur mit Einschränkungen

Zusätzlich zur Befragung der Forschungsgruppe Wahlen führte die Patientenprojekte GmbH eine qualitative Untersuchung mit Fokusgruppen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen aus Sicht von Patienten durch.

Grundsätzlich zeigten sich die Teilnehmer der Fokusgruppen aufgeschlossen gegenüber digitalen Versorgungsangeboten und würden diese auch nutzen. Voraussetzung für die Befragten sei aber „die weitere persönliche Betreuung durch ihren Hausarzt“, erklärt der KBV dazu.

Der persönliche Kontakt werde von den Patienten gegenüber Video-Sprechstunden weiter bevorzugt. Es herrsche große Skepsis gegenüber der ausschließlichen Fernbehandlung durch Ärzte, mit denen man vorher keinen Kontakt hatte.

Diese Ergebnisse der Patienten-Fokusgruppen teilen die niedergelassenen Ärzte, ergab eine Forsa-Umfrage. Nur sechs Prozent der Mediziner können sich ein solches Angebot vorstellen, für 89 Prozent kommen Onlinesprechstunden dagegen grundsätzlich nicht infrage (VersicherungsJournal 30.8.2018).

Die Ergebnisse der KBV-Studie 2018 stehen hier zum kostenlosen Download bereit (PDF, 728 KB).

 
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