13.7.2021 (€) – Die Nürnberger hat ihre Berufsunfähigkeits-Versicherung überarbeitet und setzt dabei verstärkt auf Prävention sowie Hilfe im Leistungsfall, meint der Biometrie-Experte Philip Wenzel. Die Teilzeitklausel bietet eine pauschale Lösung für die ersten zehn Jahre. Deutlich verbessert wurden die Nachversicherungs-Garantien. Verschiedene Bausteine sollen den Erkrankten bei der Gesundung unterstützen. Der Anbieter integriert zudem Ansätze, um nachhaltig und klimaneutral zu versichern.
Gehen wir zu Beginn einfach mal davon aus, dass sich der Leistungsauslöser der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung kaum noch sinnvoll verbessern lässt. Deshalb wenden sich die meisten Neuerungen auch an einzelne Zielgruppen, wie zum Beispiel beim Verzicht auf Umorganisation. Oder es wird im Leistungsfall ein medizinischer Auslöser wie eine Krankschreibung oder Krebserkrankung akzeptiert, um nicht die 50-Prozent-Berufsunfähigkeit nachweisen zu müssen.
Das ist dann entweder nur im Einzelfall hilfreich oder eben nur eine Erleichterung im Leistungsfall. Es stellt aber keine wirkliche Verbesserung dar.
Neuer Nürnberger-Tarif mit verschiedenen Bausteinen und Tarifvarianten
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- Philip Wenzel (Bild: Doris Köhler)
Wenn mit der Nürnberger Lebensversicherung AG einer der größten Versicherer im BU-Geschäft seinen Tarif nachschärft, dann darf man zunächst davon ausgehen, dass die Grundlagen auf gehobenem Marktstandard erfüllt sind.
Ich werde hier aber zunächst etwas kleinlich und würde mir wünschen, dass die nächsten Allgemeinen Versicherungs-Bedingungen nicht mehr in zwei Spalten verfasst werden. Denn: Das als PDF zu lesen, ist auf Dauer etwas ermüdend.
Die neuen Tarife stehen innerhalb der Klammer „BU4Future“, einem Nachhaltigkeitskonzept. Aber dazu später mehr.
Inhaltlich gefällt, dass der Vermittler zukünftig keine Angst haben muss, den falschen Tarif der Nürnberger vermittelt zu haben. Durch die verschiedenen Bausteine und Tarifvarianten könnte durchaus Unsicherheit darüber entstehen, was der Kunde jetzt braucht und was nicht. Über eine Upgrade-Option können aber in den ersten fünf Jahren Vertragsdauer Bausteine angewählt oder es kann in den „Premium“-Tarif gewechselt werden.
Pauschale Lösung bei der Teilzeitthematik
Was mittlerweile zum gehobenen Marktstandard gehört, ist nun auch in dem überarbeiteten Tarif drin. Man kann beliebig oft der Dynamik widersprechen, es gibt eine Günstigerprüfung bei Berufswechsel, der Pflegestatus lässt sich auch über die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) nachweisen, die Infektionsklausel leistet bei teilweisem Tätigkeitsverbot und es gibt eine Teilzeitklausel.
Persönlich messe ich der Teilzeitklausel nicht allzu hohen Wert bei. Denn im Leistungsfall muss es sich immer um eine Einzelfallentscheidung handeln, die berücksichtigt, ob die Teilzeit freiwillig gewählt wurde, auf Dauer ausgelegt ist und ob sie den Lebensstandard prägt.
Die Nürnberger sagt einfach: Wenn der Versicherte während der Laufzeit die Arbeitszeit reduziert, dann wird das in den ersten zehn Jahren der Teilzeit nicht berücksichtigt. Das sollte die Problematik im Kern treffen. Dennoch wird es so sein, dass eine pauschale Lösung den Anforderungen an eine normale Leistungsfall-Bearbeitung nicht immer gerecht wird.
Aber der Wille ist anzuerkennen, die Teilzeitthematik im Sinne der Kunden zu lösen. Und darum geht es am Ende ja.
Verbesserte Nachversicherungs-Garantien
Die Nachversicherungs-Garantien wurden deutlich verbessert. Zum einen verzichtet die Nürnberger jetzt auf die Risikoprüfung, statt wie bisher nur auf die Gesundheitsprüfung. Außerdem liegt die Erhöhungsgrenze pauschal bei 3.000 Euro. Über die Karrieregarantie kann der Versicherte aber sogar auf 6.000 Euro monatliche Rente erhöhen. Und zwar immer dann, wenn er eine Gehaltssteigerung von mindestens fünf Prozent erhält.
Die Nürnberger hat hier sicherlich genügend Erfahrung, um das zu kalkulieren. Zu bedenken ist jedoch, dass hohe Renten des Öfteren vielleicht nicht das Einkommen übersteigen, aber doch immer wieder mal die tatsächlichen Ausgaben. Und wenn der Betroffene gut von einer BU-Rente leben kann, sinkt die Reaktivierungs-Wahrscheinlichkeit überproportional.
Leistungen, die dem Erkrankten bei der Gesundung helfen
Die Antragsfragen sind bei Kunden unter 30 Jahren bis zu 1.500 Euro monatlicher Rente im Abfragezeitraum verkürzt. Das ist immer wieder mal hilfreich.
Mehr überzeugen tun aber Leistungen wie die Gewährung von 1.000 Euro bei Reha-Maßnahmen. Denn hier geht es darum, Lösungen anzubieten, die dem Erkrankten helfen. Und das gilt auch für das optionale Konzept „BetterDoc“ mit dem Gesundheits-Dienstleister Better Doc GmbH. Damit können Versicherte bei einem Spezialisten eine Zweitmeinung einholen und/oder bei einem Spezialisten einen Termin vereinbaren.
Hier mag der kritische Geist einwenden, dass diese Leistungen dazu geeignet sind, dem Versicherer die BU-Rente zu ersparen. Das ist richtig. Aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet sind diese Leistungen auch dazu geeignet, dass der Kunde gesund bleibt oder wird. Und wie jeder weiß, hat der Gesunde viele, aber der Kranke nur einen Wunsch. Wer würde die Gesundheit nicht in jedem Fall der Rentenzahlung vorziehen?
Fitness-App und GKV-Check
Eine andere spannende Lösung ist die App „Coach:N“ – eine Fitness-App mit Livetraining und Übungen, auch zu Themen wie Achtsamkeit. Hier gilt ebenfalls: Die App hilft, gesund zu bleiben und den Leistungsfall zu vermeiden. Das kann man von zwei Seiten aus betrachten.
Nicht zu vergessen ist der sogenannte GKV-Check. Hier muss der Kunde nur die Gesundheitsfragen der letzten zwölf Monate beantworten, die Nürnberger holt die Gesundheitsdaten der letzten fünf Jahre bei dem gesetzlichen Krankenversicherer (GKV) ein. Eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht ist hier unbeabsichtigt kaum möglich. Es empfiehlt sich dennoch, die Akte vorher mal auf Gefälligkeitsdiagnosen hin zu untersuchen.
Der Vermittler sollte sich übrigens über derlei Angebote freuen. Denn es sind bisher ziemlich einzigartige Lösungen und sie bringen ihn beim Kunden auch während der Laufzeit immer wieder ins Gedächtnis.
Nachhaltig und klimaneutral versichern
„BU4Future“ ist dann auch ein Gesprächsanlass für alle, die sich dem Trendthema Nachhaltigkeit widmen möchten. Die Kapitalanlage in der BU-Versicherung erfolgt in nachhaltige Fonds und – kein Witz – die Nürnberger pflanzt für jeden Vertrag einen Baum. Auch die Vertragsunterlagen werden klimaneutral versandt.
Das Thema wird momentan sehr populär bespielt, weshalb auch schon wieder ein gewisser Ermüdungseffekt einzusetzen droht. Dennoch ist der Gedanke, nachhaltig und klimaneutral zu versichern, wichtig und richtig.
Unterm Strich betrachtet gefällt besonders die Hinwendung zum Kunden bereits vor dem Leistungsfall. Eine Versicherung muss in Zukunft mehr leisten als nur Geld zu zahlen. Prävention ist hier unbedingt ein Zukunftsthema. Ebenso ist Nachhaltigkeit wichtig. Wenn das Baum-pflanzen kein Marketinggag bleibt und sich nicht nur bei der Nürnberger etabliert, dann haben wir alle etwas gewonnen.
Der 30-Jährige Bürokaufmann zahlt bis zum Endalter 67 bei einem Prozent Leistungsdynamik für den „Komfort“-Schutz inklusive Arbeitsunfähigkeits-Klausel und „BetterDoc“ 43,11 Euro netto (67,37 Euro brutto) im Monat. Der Mechatroniker zahlt 77,84 Euro (121,63 Euro).




