„Neue Klassik“-Produkte: Stolperfalle für den Vertrieb

2.2.2017 (€) – Auch in diesem Jahr gilt unverändert: Bei der „Neue Klassik“ sinkt die laufende Verzinsung stärker als bei Lebensversicherungen mit klassischer Garantie, gleichwohl fällt die effektive Verzinsung besser aus. Für die „Neue Klassik“ bilden sich (noch) keine Marktstandards, die den Vertrieb erleichtern.

Die Vermittlung von Tarifen der „Neuen Klassik“ bleibt angesichts der hohen Komplexität der Produkte und ihrer Unterschiede ambitioniert. „Es gibt ein ziemliches Durcheinander und keine klare Linie“, sagte Lars Heermann von der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH bei der Vorstellung der aktuellen Marktstudie.

In dieser wurden auch die Überschussbeteiligungen bei traditionellen Lebensversicherungs-Produkten (VersicherungsJournal 1.2.2017) und das Problemfeld Zinszusatzreserve (VersicherungsJournal 1.2.2017) analysiert.

Oft ohne Beitragsgarantie

Die Studie untersucht bei der „Neuen Klassik“ die Tarife von 25 (Vorjahr: 20) Anbietern. Die Continentale Lebensversicherung AG, die Hansemerkur Lebensversicherung AG und die Sparkassen-Versicherung Sachsen Lebensversicherung AG wollen 2017 in dieses Segment einsteigen, die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. hat jetzt ihr neues Produkt vorgestellt (VersicherungsJournal 2.2.2017).

Als „Neue Klassik“ definiert die Assekurata Tarife, bei denen die Kundengelder an sich im Sicherungsvermögen des Versicherers investiert werden, die Garantieelemente aber neu ausgestaltet sind. Nur bei den Garantieelementen „Rückkaufswerte“ und „Garantierter Rentenfaktor“ erkennt Assekurata inzwischen Gemeinsamkeiten.

Vereinzelt werde eine Bruttobeitragsgarantie ohne Einschränkung gewährt, üblicher sei jedoch, diese Garantie an individuelle Vertragsparameter wie beispielsweise eine Mindestvertragslaufzeit zu knüpfen. Mehr als ein Drittel verzichtet inzwischen auf dieses Merkmal.

Bild: Assekurata
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Die Angebote unterscheiden sich aber nicht nur hinsichtlich der Garantiemerkmale, sondern auch der Kapitalmodelle. So investieren einige Gesellschaften die Überschüsse ganz oder optional in Investment- oder Indexfonds.

Nicht unbedingt mehr

Trotz geringerer Garantie gewährt der Marktschnitt keine höhere Überschussbeteiligung; unternehmensindividuell sieht dies jedoch anders aus. „Wer Klassik schreibt, gewährt da tendenziell mehr“, erläuterte Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will.

Werden nur diejenigen Anbieter betrachtet, die sowohl Klassik als auch Neue Klassik anbieten, beträgt die deklarierte laufende Verzinsung der Klassiker 2,52 Prozent und die der Neuen Klassiker 2,58 Prozent. Die deklarierte Gesamtverzinsung liegt bei diesen Anbietern mit 3,44 Prozent für die Neue Klassik um 0,04 Prozentpunkte Punkte höher.

Bei den garantierten Beitragsrenditen schneidet die Neue Klassik wegen der höheren Kostenbelastung schlechter, sprich negativ, ab. Die höchste Kostenbelastung liegt bei 1,58 Prozent, die niedrigste bei 0,56 Prozent.

Eine Frage der Prognose

Die illustrierte Beitragsrendite wird üblicherweise von den Garantien und den Kosten bestimmt. Da einige Anbieter jedoch die deklarierten Überschüsse in spezielle Investment- oder Indexfonds investieren, hängt diese Größe nun auch von den Ergebnissen dieser Kapitalanlagen ab.

Je optimistischer die Annahmen für diese Anlagen sind, desto günstiger die Darstellung der illustrierten Beitragsrendite – und damit das Risiko für den Kunden, dass das Ergebnis verfehlt wird, heißt es in der Studie.

Darin wird auch festgestellt, dass es für die getroffenen Wertentwicklungs-Annahmen bei einer index- beziehungsweise fondsgebundenen Überschussbeteiligung im Markt regelmäßig große Spannbreiten gibt. Bei Hochrechnungen von sechs Prozent und mehr seien Zweifel angebracht und sollte mit Vorsicht agiert werden.

Mit Vorbehalt

Angesichts dieses Elementes ist die Spannweite der illustrierten Beitragsrendite von 4,95 (Vorjahr: 3,91) Prozent bis nur 1,41 (1,76) Prozent recht weit. Der Studie zufolge kommen die DEVK-Gesellschaften, die Iduna Vereinigte Lebensversicherung a.G. und die SV Sparkassenversicherung Lebensversicherung AG auf Werte von unter zwei Prozent.

Auf über drei Prozent kommen bei dieser Renditegröße der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G., die Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig und die Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG. Für die SV Sachsen wird gar ein Wert von fast fünf Prozent errechnet.

Die „Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2017: ‚Wenn Du eine Garantie haben willst, dann kauf Dir eine Lebensversicherung!?‘“ kann unter diesem Link bei Assekurata ab netto 689 Euro bestellt werden.

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