11.8.2026 – Die Hansemerkur hat zwei neue Angebote auf den Markt gebracht. Der „Be Fit Best“ ist ein guter Tarif im oberen Leistungsdrittel, aber kein absoluter Premiumtarif, schreibt Versicherungsmakler Dirk Gärtner in seinem Gastbeitrag. Der neue Tarif der LKH setzt auf maximale Leistung und kalkuliert dafür einen entsprechend hohen Beitrag. Beide Tarife sind für Makler relevant, lautet das Fazit des Gastautors. Sie sprechen aber nicht dieselben Kunden an.
Als wir uns bei der Beamtencircle Versicherungsmakler GmbH vor rund 15 Jahren auf Versicherungen für Beamte spezialisiert haben, war der Markt noch überschaubar. Es gab vielleicht zwei oder drei wirklich relevante private Krankenversicherer (PKV) für diese Zielgruppe und nur sehr wenige spezialisierte Makler. Das meiste Geschäft lief über Ausschließlichkeitsvertreter einzelner Gesellschaften.

- Dirk Gärtner (Bild: privat)
Heute sieht das anders aus. Immer mehr Makler beschäftigen sich mit Beamten, und auch die Versicherer haben den Markt für sich entdeckt. Beamtencircle sieht sich hier durchaus als Vorreiter. Wir haben früh erkannt, dass Beamte eine eigene Zielgruppe mit ganz besonderen Anforderungen sind.
Beihilfetarife von Hansemerkur und LKH
In den vergangenen Jahren kamen unter anderem neue Tarife der Arag Krankenversicherungs-AG und der Barmenia Krankenversicherung AG auf den Markt. Die Allianz Krankenversicherungs-AG und DBV Deutsche Beamtenversicherung Krankenversicherung, Zweigniederlassung der Axa Krankenversicherung AG, haben ihre Tarifwelten überarbeitet.
Die neuesten Beihilfetarife stammen nun von der Hansemerkur Krankenversicherung AG und der Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH).
Grundsätzlich ist diese Entwicklung gut. Wettbewerb sorgt dafür, dass sich die Bedingungen verbessern. Leistungen, die vor einigen Jahren noch selten waren, finden sich heute in fast jedem neuen hochwertigen Tarif.
Dazu gehören Erstattungen über den 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung, offene Hilfsmittelkataloge, hohe Leistungen für Psychotherapie, starke Beihilfeergänzungstarife sowie bessere Regelungen für Kur und Rehabilitation.
Neue Anbieter erhöhen den Druck
Für Gesellschaften, die bisher kaum im Beamtenmarkt vertreten waren, sind neue Restkostentarife eine logische Chance. Sie können in einem neuen Geschäftsfeld zunächst fast nur wachsen. Natürlich nehmen sie damit auch etablierten Versicherern Neugeschäft ab. Aber genau das ist Wettbewerb.
Die guten „alten Hasen“ werden weiterhin Kunden gewinnen. Schwieriger wird es für Anbieter, deren Bedingungen nicht mehr zeitgemäß sind. Ein bekannter Name allein reicht nicht, wenn neue Tarife an vielen Stellen deutlich mehr leisten.
Kritisch wird es allerdings, wenn der Wettbewerb hauptsächlich über den Preis geführt wird. Zwei Tarife können auf den ersten Blick ähnliche Leistungen haben, aber preislich weit auseinanderliegen. Dann sollte man genauer hinschauen.
Ein günstiger Tarif wird bei vergleichbaren Leistungen langfristig auch ähnliche Leistungsausgaben haben. Deshalb stellt sich immer die Frage, ob Beitrag, Leistung und Kalkulation wirklich zusammenpassen. Ein niedriger Einstiegsbeitrag darf nie das wichtigste Argument für eine private Krankenversicherung sein.
Wechselgeschäft bleibt riskant
Noch kritischer sehen wir aggressives Wechselgeschäft mit bereits privat versicherten Beamten. Bei einem Wechsel zu einer anderen Gesellschaft gibt es eine neue Gesundheitsprüfung. Gleichzeitig beginnen die Fristen rund um die vorvertragliche Anzeigepflicht beim neuen Vertrag erneut.
Wer Behandlungen oder Erkrankungen nicht vollständig angibt, kann später ein erhebliches Problem bekommen. Je nach Einzelfall drohen Vertragsänderungen, Rücktritt, Kündigung oder Streit über die Leistungspflicht.
Hinzu kommt: Bei einem Versichererwechsel wird nur ein Teil der Alterungsrückstellungen übertragen. Kommt es beim neuen Versicherer anschließend zu einer Vertragsbeendigung wegen einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht, kann auch dieser übertragene Anteil wirtschaftlich verloren sein. Dann wird aus dem vermeintlich cleveren Wechsel in einen günstigeren Tarif eine Katastrophe.
Und eine provokante Frage muss erlaubt sein: Wenn ein Versicherer gezielt mit sehr günstigen Tarifen um Bestandskunden anderer Gesellschaften wirbt, welche späteren Storno- und Vertragsbeendigungsquoten wurden in der Kalkulation bereits berücksichtigt?
Hansemerkur: gute Leistung mit cleverem Preismodell …
Die Hansemerkur hat zwei neue Beihilfetarife auf den Markt gebracht. Für einen qualitätsorientierten Makler ist aus unserer Sicht vor allem der höherwertige Tarif „Be Fit Best“ interessant.
Der günstigere Tarif dürfte besonders in preisgetriebenen Vertriebswegen und auf Vergleichsportalen Aufmerksamkeit bekommen. Dort muss häufig schnell ein günstiges Ergebnis erscheinen. Das Problem dabei: Viele Kunden erkennen gar nicht, welche Leistungen ihnen gegenüber dem besseren Tarif fehlen.
Der „Be Fit Best“ ist ein guter Tarif im oberen Leistungsdrittel, aber kein absoluter Premiumtarif. Das ist auch völlig in Ordnung. Nicht jeder Kunde benötigt in jedem Bereich die maximal mögliche Absicherung.
… aber einer strengen Gesundheitsprüfung
Spannend wird der Tarif durch das Preis- und Bonussystem. Über Pauschalleistungen und Beitragsrückerstattungen kann der Effektivbeitrag deutlich sinken. Unter diesem Gesichtspunkt bietet die Hansemerkur ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Dieses Modell hat die Gesellschaft aus ihrem Geschäft mit Angestellten und Selbstständigen übernommen. Dort funktioniert es sehr gut. Ob Beamte genauso darauf reagieren, muss sich noch zeigen. Denn Beamte ticken bekanntlich etwas anders. Einen Markt für den Tarif sehen wir bei Beamtencircle aber auf jeden Fall.
Die praktische Relevanz wird allerdings durch die strenge Gesundheitsprüfung eingeschränkt. Schon kleinere Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen führen. Teilweise werden Kunden abgelehnt, die bei anderen Versicherern noch mit einem Zuschlag angenommen würden.
Gerade bei Beamten wird das den möglichen Kundenkreis deutlich verkleinern. Ein guter Tarif hilft eben nur dann, wenn der Kunde dort auch versichert werden kann.
LKH: neuer Beihilfetarif mit Premiumleistung …
Die LKH geht einen komplett anderen Weg. Hier war das Ziel offensichtlich, einen der besten Beihilfetarife am gesamten Markt zu entwickeln. Die Gesellschaft will klar zu den Top-Anbietern gehören. Aus meiner Sicht ist ihr das gelungen. Im neuen Tarif fehlen nur Kleinigkeiten. Eine Versicherung, die wirklich alles zu 100 Prozent abdeckt, gibt es ohnehin nicht.
Besonders stark sind die Leistungen bei Psychotherapie, Heilmitteln, Osteopathie, Hilfsmitteln sowie Kur und Rehabilitation. Auch der Beihilfeergänzungstarif gehört zu den besten Lösungen am Markt. Er übernimmt in vielen Bereichen Kosten, die von der Beihilfe nicht oder nicht vollständig getragen werden. Dazu können sogar beihilfeseitige Zuzahlungen gehören.
Sehr gut geregelt sind außerdem Mutter-, Vater- und Kindkuren sowie Haushaltshilfen. Hinzu kommen einzelne Leistungen, die man in anderen Beihilfetarifen kaum ausdrücklich findet.
… zum ehrlichen Preis
Natürlich gibt es auch Schwächen. Die Lasik-Leistung ist begrenzt, bei teureren Hilfsmitteln verlangt die LKH eine vorherige Abstimmung und bei langfristigen Auslandsaufenthalten muss man genauer hinschauen. Trotzdem gehört der Tarif leistungsmäßig ganz klar in die Spitzengruppe.
Ein weiterer Pluspunkt sind die Versicherungsbedingungen. Sie sind ungewöhnlich verständlich und an vielen Stellen sehr eindeutig formuliert. Das hilft nicht nur Maklern, sondern auch Kunden. Klare Bedingungen reduzieren Auslegungsspielräume und schaffen Sicherheit darüber, welche Leistungen tatsächlich versichert sind.
Ein solches Leistungsniveau kann nicht zum Niedrigpreis angeboten werden. Folgerichtig positioniert die LKH den Tarif im oberen Beitragssegment. Das spricht aus meiner Sicht für die Gesellschaft. Die LKH verspricht sehr viel und verlangt dafür einen ehrlichen Premiumpreis. Das ist das Gegenteil von einem Tarif, der mit hohen Leistungen und einer kaum nachvollziehbar niedrigen Prämie in den Markt gedrückt wird.
Zwei Tarife für unterschiedliche Kunden
Hansemerkur und LKH verfolgen zwei unterschiedliche, aber nachvollziehbare Strategien. Die Hansemerkur bietet gute Leistungen im oberen Drittel und kombiniert diese mit einem cleveren System aus Pauschalleistung und Beitragsrückerstattung. Der Tarif kann dadurch für gesunde und preisbewusste Beamte ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.
Die LKH setzt dagegen auf maximale Leistung und kalkuliert dafür einen entsprechend hohen Beitrag. Sie richtet sich vor allem an Kunden, die eine der stärksten Absicherungen am Markt möchten und bereit sind, dafür mehr zu zahlen.
Beide Tarife sind für Makler relevant. Sie sprechen aber nicht dieselben Kunden an.
Genau deshalb wird Beratung durch neue Tarife nicht einfacher, sondern anspruchsvoller. Entscheidend sind weiterhin die Wünsche des Kunden, seine Vorerkrankungen, seine Beihilfesituation und die langfristige Tragfähigkeit des Beitrags. Mehr Wettbewerb erweitert die Auswahl. Gute Beratung sorgt dafür, dass daraus auch die richtige Entscheidung wird.
Der Autor ist Geschäftsführer der Beamtencircle Versicherungsmakler GmbH.




