Mylife setzt auf natürliche Beiträge

13.8.2015 (€) – Im Wettbewerb um den Kunden in der Berufsunfähigkeits-Versicherung stellt die Mylife Lebensversicherung AG die Faktoren Preis und Transparenz in den Vordergrund. Für manchen Kunden kann auch die mit den Beitragszahlungen verbundene Flexibilität von Vorteil sein, meint Versicherungsmakler Philip Wenzel in einem Gastbeitrag.

Produkte zur Absicherung der Arbeitskraft haben im Premium-Segment mittlerweile einen Standard erreicht, der sinnvoll kaum noch zu erweitern ist. So findet der Wettbewerb wieder über den Preis statt. Allerdings beschränkt sich dieser auf die Berufsgruppen, die dem Versicherer als risikoarm erscheinen (VersicherungsJournal 16.7.2015).

Philip Wenzel (Bild: Wenzel)
Philip Wenzel (Bild: Wenzel)

Angesichts dieser Entwicklung kann sich ein neuer Anbieter über zwei Wege positiv vom Markt abheben. Entweder bietet er bedarfsgerechten und preiswerten Schutz für jene Berufe an, die sich das Top-Segment der Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung finanziell nicht mehr leisten können.

Oder er gestaltet seine Bedingungen derart transparent, dass der Kunde in die Lage versetzt wird, mehr als nur den Preis zu vergleichen.

Mylife setzt an preislichen Vorteilen an

Die Mylife Lebensversicherung AG versucht sich an beiden Alternativen. Um einen preislichen Vorteil für den Kunden zu gestalten, bietet das Unternehmen seine BU-Tarife als Nettotarife an.

Somit sind sie provisionsfrei und werden deutlich günstiger, unabhängig davon, welcher Berufsgruppe der Kunde angehört. Allerdings wird sich der Vermittler seine Bemühungen auf die eine oder andere Weise vergüten lassen wollen, was diesen Vorteil wieder schmälert.

Ein weiterer preislicher Vorteil lässt sich durch die sogenannten natürlichen Beiträge erzielen. Damit ist eine risikoadäquate Prämie gemeint, die mit dem pro Jahr steigenden Risiko einer Berufsunfähigkeit jährlich angepasst wird. Somit ist die Versicherung für junge Kunden günstig einzukaufen, wird aber mit dem wachsenden Risiko im Alter um einiges teurer als die durchgehend kalkulierten Prämien.

Dennoch kann diese Variante für einige Kunden interessant sein, weil sie flexibler ist als durchgehend kalkulierte Tarife. Bei konstanter Zahlungsweise hat jeder Kunde, der seinen Vertrag vorzeitig beendet, umdeckt oder auch derjenige, der eine Rente wegen Berufsunfähigkeit bezieht, einiges an Risikobeiträgen zu viel geleistet.

Hohe Flexibilität

In der Konsequenz werden bei natürlichen Prämien zwangsläufig die verrechneten Überschüsse zur Beitragssenkung im Kollektiv abnehmen. Denn diese speisen sich zu einem großen Teil aus genau diesen Fällen von vorzeitiger Kündigung oder eines Leistungsfalles. Mylife rechnet wohl dennoch mit hohen Überschüssen, die Spanne zwischen Brutto- und Netto-Beiträgen liegt um die 100 Prozent, bei kaufmännischen Berufen etwas mehr, bei körperlichen etwas weniger.

Ein weiterer Nachteil für den Kunden ist, dass er diszipliniert genug sein muss, einen Teil der Beitragsersparnis zurückzulegen, um die gestiegenen Beiträge im Alter zu finanzieren.

Dennoch ist die Art der natürlichen Prämiengestaltung interessant. Zum einen wegen der schon genannten Flexibilität in der Beitragszahlen, zum anderen aber, weil die Produkte in dieser Kalkulation noch deutlich flexibler gestaltet werden könnten.

So wäre es kalkulatorisch möglich, zu Beginn der Versicherung eine Gesundheitsprüfung auf eine Rente von beispielsweise 5.000 Euro durchzuführen, um dann die Höhe der Rente jährlich festzulegen bis zu der maximal geprüften Höhe von 5.000 Euro. Damit gäbe es keine Notwendigkeit mehr, Nachversicherungs-Garantien zu gewähren, und Kunden könnten flexibel auf Elternzeiten, Halbtagsarbeit oder Ähnliches reagieren. Aber noch ist hier der Wunsch Vater des Gedanken.

Drei Tarif-Varianten

Des Weiteren bietet Mylife ihre BU-Versicherung in drei Varianten, Komplett, Komfort und Komfort-Plus, an. Jede verzichtet auf abstrakte Verweisung. Der wesentliche Unterschied zwischen ihnen liegt darin, dass der sogenannte Komplett-Tarif eine Karenzzeit von sechs Monaten festgeschrieben hat und erst bei einer dauerhaften Berufsunfähigkeit leistet.

Der fingierte Prognosezeitraum, also der Zeitraum, in dem der Versicherte tatsächlich berufsunfähig gewesen sein muss, damit der Versicherer eine dauerhafte BU annimmt, ist in den Bedingungen zu allen drei Varianten etwas misslich formuliert. Unter § 3, Absatz 2b) des Bedingungswerks heißt es, Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person „tatsächlich sechs Monate außerstande war und auch weiterhin außerstande sein wird“, ihren zuletzt ausgeübten Beruf auszuüben.

Das scheint mit Blick auf den Komfort-Plus-Tarif widersprüchlich zu sein, da hier eine Prognose einer sechsmonatigen BU ausreicht, um die Leistung auszulösen, dem zitierten Wortlaut nach aber eine bereits sechs Monate andauernde BU nur dann eine Leistung auslöst, wenn sie auch noch weiterhin besteht.

Die Relevanz in der Praxis ist schwer einzuschätzen. Um mehr Sicherheit für den Kunden zu erreichen, sollte diese Formulierung jedoch wenigstens in der Plus-Variante geändert werden.

Unterschiede in den Varianten

Die Komfort-Variante beinhaltet ebenfalls eine Karenzzeit, die mit sechs, zwölf oder 24 Monaten wählbar ist. Ebenso wie beim Komplett-Tarif kann hier nur innerhalb eines Jahres rückwirkend die BU-Rente beantragt werden. Allerdings sind im Komfort-Tarif eine garantierte Dynamik und auch eine Anfangshilfe, also ein Einmalbeitrag bei Beginn der Rentenzahlung, vereinbar.

Die Komfort-Plus-Variante unterscheidet sich von den anderen hauptsächlich durch den kürzeren Prognosezeitraum und die unbegrenzte Meldefrist für die Beantragung der Rente. Inhaltlich gleichen die Bedingungen denen aus dem Top-Segment. Eine Leistung bei Arbeitsunfähigkeit ist nicht enthalten.

In beiden Komfort-Varianten ist ein Wechsel von natürlichen zu konstanten Beiträgen bis elf Jahre vor Ablauf der Versicherung möglich.

Wille zur Transparenz erkennbar

In den Produktinformationen wird der Wille des Anbieters erkennbar, dem Kunden möglichst transparent die Bedingungen darzulegen. Hierzu werden die Erklärungen zu den Bedingungen gestalterisch auf zwei Spalten aufgeteilt. Die linke fasst kurz die wichtigsten Punkte in einfacher Sprache zusammen, die rechte führt die verbindlichen Bedingungen auf.

Es mag fraglich sein, ob ein Kunde, der kein Interesse daran hat, sich mit Versicherungs-Bedingungen zu beschäftigen, stattdessen eine Kurzfassung lesen würde. Der damit verbundene Ansatz führt aber in die richtige Richtung. Der Kunde erhält zumindest die Möglichkeit, die Bedingungen verknappt und vereinfacht dargestellt zu bekommen – was für gewöhnlich die Aufgabe des Vermittlers ist.

Alles in allem wartet Mylife mit einer Reihe von nachahmenswerten Ideen auf, auch wenn sie im Einzelnen nicht alle neu sind. Allerdings müssen sich auch gute Ideen erst einmal durchsetzen.

Im Sinne von mehr Transparenz könnten im Bedingungswerk Formulierungen, die für den durchschnittlichen Versicherungsnehmer intransparent wirken, durch verständlichere ersetzt werden. Dies wäre für das allgemeine Verständnis in vielen Fällen hilfreicher, als es eine erklärende Glosse, neben die eigentlichen Bedingungen gesetzt, ist.

Beispielsfälle

Der 35-jährige Mechatroniker zahlt bei konstanter Zahlweise für 1.000 Euro Rente bis Endalter 67 und einer Leistungsdynamik von zwei Prozent 82,59 Euro (brutto 137,44 Euro) beziehungsweise 35,54 Euro (brutto 55,98 Euro) bei natürlicher Zahlweise. Für den Tarif Komplett sind eine konstante Zahlweise und eine Leistungsdynamik nicht möglich. Der natürliche Zahlbeitrag läge bei 20,53 Euro (brutto 32,78 Euro) monatlich.

Der Bürokaufmann zahlt zwischen 13,43 Euro (brutto 25,90 Euro) für den Komplett-Tarif und 22,83 Euro (brutto 45,06 Euro) für den Komfort Plus. In der konstanten Zahlweise kostet der Komfort Plus 52,33 Euro (brutto 109,93 Euro) und der Komfort-Tarif mit einer Karenzzeit von sechs Monaten 45,43 Euro (brutto 93,42 Euro).

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