25.5.2022 (€) – Ein Allianz-Bericht prognostiziert für 2022 ein globales Prämienwachstum um 4,8 Prozent, für die kommenden zehn Jahre ein ebenso hohes durchschnittliches Plus pro Jahr. Auch der deutsche Markt soll nach nur +0,3 Prozent 2021 mit +2,0 Prozent 2022 wieder stärker zulegen. Sowohl 2022 als auch in der Langerfristvorschau liege die Bundesrepublik aber unter dem Europa-Schnitt.
Die globalen Prämieneinnahmen der Branche sind im vergangenen Jahr um 4,4 Prozent in der Lebensversicherung und um 6,3 Prozent im Sachsegment (Schaden/Unfall) gestiegen.
Daraus ergaben sich insgesamt – die Krankenversicherung ist nicht inkludiert – ein Plus von 5,1 Prozent und ein Prämienvolumen von 4,2 Billionen Euro. Davon entfielen 2,5 Billionen auf Leben, 1,7 Billionen auf Sach. Das zeigt der am Dienstag veröffentlichte „Allianz Global Insurance Report 2022“.
Wachstum hat sich regional verlagert
Der Zuwachs erfolgte aufgrund „kräftigen wirtschaftlichen Rückenwinds, gestiegener Risikowahrnehmung und rekordhoher Ersparnisse vor dem Hintergrund boomender Aktienmärkte“, heißt es von der Allianz SE.
„Wirklich außergewöhnlich“ sei 2021 die Zusammensetzung des Prämienwachstums gewesen: Mehr als zwei Drittel entfielen auf Westeuropa und Nordamerika; allein der US-Markt sei für die Hälfte des Anstiegs verantwortlich gewesen.
Im Gegensatz dazu sei das Wachstum in der Zeitspanne 2011 bis 2021 hauptsächlich in Asien generiert worden und mit durchschnittlich 3,6 Prozent pro Jahr auch deutlich niedriger gewesen.
Prognose für 2022: plus 4,8 Prozent
Die Hoffnung, dass 2022 „ein weiteres erfolgreiches Jahr“ für die Versicherungsindustrie wird, habe der Überfall Russlands auf die Ukraine zunichte gemacht.
„Die Prämieneinnahmen dürften etwa einen Prozentpunkt geringer als ursprünglich erwartet ausfallen“, schätzt der Versicherungskonzern. Dies sei eine „Folge der geringeren wirtschaftlichen Aktivität und des Vertrauensverlusts, auch wenn die Inflation zumindest die Bruttoumsätze stützt.“
Insgesamt prognostiziert die Gruppe für 2022 jetzt ein Wachstum von 4,8 Prozent. Lebens- und Sachversicherung sollten sich der Vorhersage zufolge mit +4,9 beziehungsweise +4,6 Prozent in ähnlichem Ausmaß entwickeln.
„Diese Wachstumszahl muss vor dem Hintergrund einer weltweiten Inflation von 6,2 Prozent in diesem Jahr gesehen werden“, fügt die Allianz hinzu.
Deutscher Markt soll 2022 wieder stärker wachsen
Der deutsche Versicherungsmarkt entwickelte sich zuletzt zurückhaltender: Er wuchs 2021 nur um 0,3 Prozent. Treiber war das Sachsegment mit +2,4 Prozent, die Lebensversicherung schrumpfte dagegen um 1,4 Prozent.
Für 2022 erwarten die Allianz-Experten aber in beiden Segmenten einen Zuwachs: um 1,8 Prozent in der Lebens-, um 2,3 Prozent in der Sachversicherung, insgesamt um 2,0 Prozent.
| Region/Land | Prämien 2020* | Prämien 2021* | Prämien-prognose 2022* | Durchschn. Wachstum pro Jahr 2022–32** |
|---|---|---|---|---|
| * in Mrd. Euro. ** Prognose. Ohne Krankenversicherung. Quelle: Allianz. | ||||
| Westeuropa | 1.107 | 1.146 | 1.180 | +3,3 % |
| Deutschland
| 175
| 176
| 179
| +2,5 %
|
| Nordamerika | 1.355 | 1.477 | 1.542 | +3,7 % |
| China | 512 | 503 | 534 | +6,9 % |
| Welt
| 3.991
| 4.196
| 4.397
| +4,8 %
|
„Nicht allzu pessimistische für die weitere Zukunft“
Trotz derzeit großer Unsicherheiten „sind wir nicht allzu pessimistisch für die weitere Zukunft gestimmt“, hält das Unternehmen fest. Die Verunsicherung erhöhe letztlich auch die Risikowahrnehmung.
Pandemie und Ukraine-Krieg seien „Weckrufe für ein besseres Risikomanagement, für ein Mehr an Absicherung“, sagt Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran.
„Im Lebensgeschäft sollten die erhöhte Risikowahrnehmung im Nachgang von Covid-19 sowie das inflationsbedingte Ende der Nullzinsen Spar- und Absicherungsprodukte wieder attraktiver machen“, meint Patricia Pelayo Romero.
Im Sachgeschäft stünden Bemühungen zur Eindämmung der Klimakrise im Vordergrund, so die Co-Autorin des Berichts. Das Streben nach Unabhängigkeit in Energiefragen mache dies jetzt noch dringlicher. „Große Investitionen, sowohl von privater als auch öffentlicher Seite, sind dazu erforderlich.“ Dadurch entstehe hoher Bedarf an Risikoschutz.
Langfristprognose
Für die kommenden zehn Jahre prognostiziert der Bericht ein durchschnittliches jährliches Wachstum in Höhe von 4,8 Prozent, wobei mit 4,9 Prozent Plus in Leben und 4,6 Prozent in Sach gerechnet wird.
Dies bedeute +67 Prozent oder +2,8 Billionen Euro bis 2032, davon 1,8 Billionen in der Lebens- (+69 Prozent) und gut eine Billion in der Sachversicherung (+63 Prozent).
Für Deutschland lautet die Vorhersage auf durchschnittlich +2,5 Prozent pro Jahr, wobei Leben und Sach „im Gleichschritt“ zulegen. „Dies wäre eine leichte Beschleunigung gegenüber der vorangegangenen Dekade (1,9 Prozent), da sich vor allem das Lebensgeschäft wieder stärker entwickeln sollte“.
Deutschland, merkt die Allianz an, bliebe aber immer noch beinahe einen Prozentpunkt unter dem Wachstum im übrigen Europa.
| Segment | Durchschn. Wachstum pro Jahr 2011–21 | Durchschn. Wachstum pro Jahr 2022–32 | Prämien-volumen 2032 in Mrd. Euro |
|---|---|---|---|
| Ohne Krankenversicherung. Quelle: Allianz. | |||
| Sachversicherung | 3,1 % | 2,5 % | 102,6 |
| Lebensversicherung | 1,0 % | 2,6 % | 128,8 |




