26.3.2024 (€) – Nach den jüngsten Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen in 2023 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Fünftel an. Elf von 19 Branchen lagen darüber. Finanz- und Versicherungsdienstleister mit 5,2 Prozent deutlich darunter.
Laut den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden letztes Jahr 17.814 Unternehmensinsolvenzen beantragt. Das waren knapp 22,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor – und damit der zweite Anstieg in Folge. 2022 wurden nach Angaben der Behörde 14.590 Firmen zahlungsunfähig – plus 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Zuvor waren die Zahlen seit 2010 rückläufig. Seit der Wiedervereinigung war der relative Anstieg der Firmenpleiten nur in den Jahren 1992 mit 23,6 Prozent, 1993 mit 38,7 Prozent und 1994 mit 24,4 Prozent noch höher als 2023.
2023 gab es vergleichsweise wenig Pleiten
In absoluten Zahlen zeigt sich ein anderes Bild: So gab es nur direkt nach der Wiedervereinigung sowie während und direkt nach der Coronapandemie noch weniger Fälle als 2023. In allen anderen Jahren seit der Wiedervereinigung war die Anzahl der Firmenpleiten nämlich höher – in den Jahren von 2002 bis 2005 sogar mehr als doppelt so hoch.
Die wenigsten Unternehmensinsolvenzen seit der Wiedervereinigung gab es 1990 mit 8.730 Fällen, die meisten im Jahr 2003 mit 39.320.
52,5 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen
Je 10.000 Unternehmen wurden letztes Jahr laut Destatis 52,5 Unternehmen zahlungsunfähig. Die höchste Quote hatte der Wirtschaftszweig Verkehr und Lagerei mit 106,5.
„Danach folgten die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (zum Beispiel Zeitarbeitsfirmen) mit 84,9 Fällen, das Baugewerbe mit 79,9 Fällen, das Gastgewerbe mit 72,3 Fällen sowie das Verarbeitende Gewerbe mit 63,5 Fällen je 10.000 Unternehmen.“
Deutliche Zunahme der Pleiten bei elf Wirtschaftszweigen
Betrachtet man die Zunahme der Insolvenzen gegenüber dem Vorjahr innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige zeigt sich, dass im Jahr 2023 in elf von 19 Branchen der Anstieg über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 22,1 Prozent lag.
In drei Wirtschaftszweigen lag der Zuwachs der Pleiten um das Zwei- bis Vierfache über dem Durchschnitt, nämlich im Gesundheits- und Sozialwesen mit 86,7 Prozent, im Grundstücks- und Wohnungswesen mit 51,9 Prozent und im Bereich Information und Kommunikation mit 46,5 Prozent.
Summenmäßig die meisten Firmeninsolvenzen verzeichnet die Baubranche mit 3.080 betroffenen Unternehmen. Danach folgen die Wirtschaftszweige Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz mit 2.810, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen mit 1.894, Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen mit 1.806 sowie das Gastgewerbe mit 1.643 Firmenpleiten.
Die Finanz- und Versicherungsdienstleister rangieren mit 382 betroffenen Unternehmen auf Rang zwölf, der Zuwachs zum Vorjahr betrug weit unterdurchschnittliche 5,2 Prozent.
| Wirtschaftszweig | Anzahl der Unternehmens-Insolvenzen | Veränderung zum Vorjahr in Prozent |
|---|---|---|
| *Statistik über beantragte Insolvenzverfahren in Deutschland, Datenquelle: Statistisches Bundesamt | ||
| Insgesamt / alle Branchen | 17.814 | 22,1 |
| Baugewerbe | 3.080 | 14,2 |
| Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz | 2.810 | 25,5 |
| Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen | 1.894 | 17,9 |
| Freiberufliche, wiss. u. techn. Dienstleistungen | 1.806 | 23,9 |
| Gastgewerbe | 1.643 | 33,0 |
| Verarbeitendes Gewerbe | 1.378 | 23,9 |
| Verkehr und Lagerei | 1.129 | 2,4 |
| Erbringung von sonstigen Dienstleistungen | 836 | 1,1 |
| Information und Kommunikation | 722 | 46,5 |
| Grundstücks- und Wohnungswesen | 685 | 51,9 |
| Gesundheits- und Sozialwesen | 673 | 86,9 |
| Erbringung von Finanz- und Versicherungsleistungen | 382 | 5,2 |
| Kunst, Unterhaltung und Erholung | 355 | 25,0 |
| Erziehung und Unterricht | 217 | 24,0 |
| Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | 120 | 36,4 |
| Energieversorgung | 45 | -29,7 |
| Wasserversorgung, Entsorgung, Beseitigung von Umweltverschmutzungen | 32 | 23,1 |
| Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden | 7 | 0,0 |
| Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung | 0 | 0,0 |
Forderungsausfall durch Insolvenzen: rund 26,6 Milliarden Euro
„Die Forderungen der Gläubiger aus den im Jahr 2023 gemeldeten Unternehmensinsolvenzen bezifferten die Amtsgerichte auf rund 26,6 Milliarden Euro. Im Jahr 2022 hatten die Forderungen bei rund 14,8 Milliarden Euro gelegen“, so die Destatis.
Bei 11.929 Unternehmenspleiten betrug die voraussichtliche Forderungshöhe der Gläubiger jeweils bis 250.000 Euro. In 3.763 Insolvenzen hofften die Gläubiger pro Fall zwischen 250.000 Euro und eine Million Euro und bei 1.984 Pleiten war die Forderungshöhe je Fall zwischen einer Million Euro und 25 Millionen Euro.
„Mit Forderungen von 25 Millionen Euro und mehr wurden im Jahr 2023 mit 138 Fällen 38,0 Prozent mehr ‚Großinsolvenzen‘ registriert als im Jahr 2022“, wie Destatis betont.
Auch in 2024 wird mit einem Insolvenzanstieg gerechnet
Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) verzeichneten die deutschen Kreditversicherer letztes Jahr in einem von Wachstumsschwäche, hoher Inflation und schwer kalkulierbaren Energiepreisen geprägten Umfeld einen massiven Anstieg der Zahlungsausfälle bei Unternehmen.
„Nach Jahren sinkender Insolvenzzahlen hat sich der Trend gedreht“, betonte bereits Ende letzten Jahres Thomas Langen, Vorsitzender der GDV-Kommission Kreditversicherung. Er verdeutlichte zudem: „Für viele Betriebe werden die großzügig verteilten Staatsgelder der Vergangenheit jetzt zum Bumerang. Die Rückzahlungen der Hilfen und teils verschleppte Anpassungen des Geschäftsmodells führen bei dauerhaft steigenden Zinsen in die finanzielle und wirtschaftliche Sackgasse.“
„Aktuell gehen wir für das Gesamtjahr 2023 von Leistungen der Kreditversicherer von über 1,2 Milliarden Euro aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um rund 44 Prozent“, wie Langen weiter ausführte. Bereits 2022 seien die Zahlungsfälle um rund 50 Prozent gestiegen, so der GDV.
Nicht zuletzt aufgrund der „anhaltend hohen Energie- und Materialpreise erwarten die Kreditversicherer für 2024 einen Anstieg der Insolvenzen um rund zehn Prozent“, wie der GDV berichtet.
Auch die D&O-Versicherung ist betroffen
Aufgrund steigender Unternehmensinsolvenzen und stetig wachsender Compliance-Anforderungen gehen die D&O-Versicherer von künftig wieder mehr Managerhaftpflicht-Fällen aus. Der Schadendurchschnitt hat in den vergangenen fünf Jahren erheblich zugenommen.
„Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt. Das zieht in der Regel hohe Schadenersatz-Forderungen von Insolvenzverwaltern gegen Manager nach sich“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen im letzten Oktober (VersicherungsJournal 23.10.2023).





