18.5.2015 (€) – Es gibt nach wie vor deutlich weniger „Mergers and Acquisitions“ in der Versicherungsbranche als vor der Finanzkrise, die Zahl der bekanntgegebenen Fusionen und Übernahmen steigt aber wieder. Sowohl bei Versicherern als auch Vermittlern gibt es entsprechende Entwicklungen, besagt eine neue Studie der Swiss Re. Treibende Überlegungen sind nicht zuletzt Wettbewerbsdruck und Größenvorteile.

- Bild: Swiss Re
In die Aktivitäten rund um Fusionen und Übernahmen, die sogenannten „Mergers and Acquisitions“ (M&A), kommt in der Versicherungsbranche neue Bewegung.
Zu diesem Befund gelangt die neue internationale „Sigma“-Studie „Fusionen und Übernahmen im Versicherungswesen: Beginn einer neuen Welle?“ des Rückversicherers Swiss Re AG.
Im Jahr 2009, so Swiss Re, war es zu einem Einbruch der M&A-Aktivitäten gekommen, in den Folgejahren seien sie weiterhin eher verhalten geblieben. In den letzten Monaten habe sich aber wieder mehr getan, die Liste der angekündigten Transaktionen wachse.
Mehr Fusionen und Übernahmen bekanntgegeben
Insgesamt stieg die Zahl der Bekanntgaben von Fusionen und Übernahmen laut Swiss Re im Lauf des Jahres 2014 deutlich an:
Nachdem sie in der ersten Jahreshälfte noch bei 295 lag, kletterte sie in der zweiten auf 359. Diese Entwicklung zeichne sich auf für 2015 ab.
Umfragen deuteten außerdem darauf hin, dass sich die „M&A-Stimmung“ drehe. Grund sei eine allmählich steigende allgemeine Zuversicht in die wirtschaftlichen Aussichten.
Zudem sähen Marktteilnehmer in Fusionen und Übernahmen eine Möglichkeit, die Rentabilität zu steigern und Bilanzen zu verbessern.
Veräußerung geschlossener Bestände, Run-off
Wichtige Aspekte bei M&A-Transaktionen in der Versicherungsbranche seien Veräußerungen von geschlossenen Beständen und Run-off-Geschäftsbereichen, also Geschäftsfeldern, die ein Versicherer „auslaufen“ lässt. „Solche Veräußerungen stellen eine effektive Möglichkeit dar, sich frühzeitig aus Geschäftsbereichen im Run-off zurückzuziehen, um das Kapital in neue oder erweiterte Geschäftssparten investieren zu können“, heißt es in der Studie.
Auch die Aktivitäten unter den spezialisierten (Rück-)Versicherern seien im Zunehmen begriffen, „da etablierte Unternehmen auf den steigenden Wettbewerbsdruck reagieren müssen“.
Gegenwärtig findet eine Verdrängung der mittelständischen spezialisierten (Rück-) Versicherer statt.
Kurt Karl, Chefökonom Swiss Re
„Gegenwärtig findet eine Verdrängung der mittelständischen spezialisierten (Rück-)Versicherer statt“, kommentiert Kurt Karl, Chefökonom der Swiss Re. „Einige Unternehmen verfügen nicht über die Größe oder das Leistungsspektrum, sich mit ihrem Angebot von der breiteren Risikotragfähigkeit anderer Rückversicherer abzuheben“.
Für die Zukunft würden aufgrund dessen weiterhin gewisse Marktveränderungen zu beobachten sein, „da sich Unternehmen in ihrem Bemühen um Umsatzwachstum und Kostensynergien zusammenschließen“.
Zahl der durchgeführten Transaktionen weit unter Vorkrisenniveau
Trotz des Aufschwungs bei den M&A-Aktivitäten in der Versicherungsbranche bleibe die Gesamtzahl der Transaktionen „noch immer deutlich“ hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Für 2014 weist die Swiss-Re-Analyse weltweit 489 Transaktionen aus. 2007 waren es noch 674 Transaktionen gewesen.
Die Zuversicht im Hinblick auf die konjunkturellen Rahmenbedingungen scheint denn auch ihre Grenzen zu kennen. Denn nach wie vor gebe es „erhebliche Unsicherheiten im Hinblick auf die weltweiten makroökonomischen und regulatorischen Aussichten“.
Dadurch werde die Auswahl wertsteigernder Transaktionen erschwert. Dies wiederum dämpfe das Interesse der Firmen an Fusionen und Übernahmen.
Verstärkte Aktivitäten kein branchenweites Phänomen
Die M&A-Aktivität erhöhe sich überdies nicht branchenweit, und es sei unwahrscheinlich, dass sie dies in naher Zukunft tun werde. „Stattdessen dürfte sich der aktuelle Trend zunehmender M&A-Aktivitäten in bestimmten Bereichen in der Branche fortsetzen, da Firmen auf konjunkturelle und strukturelle Veränderungen reagieren.“
Durch die Einführung von Richtlinien wie Solvency II werden einige Versicherer Umstrukturierungen zur Erzielung von Effizienzsteigerungen und/oder Größen- beziehungsweise Verbundvorteilen in Betracht ziehen, erwarten die Experten.
Der Zugang zu digitalen Vertriebstechnologien sei eine weitere treibende Kraft hinter M&A-Transaktionen, „die in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen dürfte“.
Zunehmende M&A-Aktivitäten auch unter Vermittlern
Unter den Vermittlern nehmen die M&A-Aktivitäten laut Swiss Re ebenfalls zu. Makler im Großkundensegment verfolgten derzeit aktiv internationale Expansionen als Reaktion auf steigende Anforderungen großer Unternehmen, mit international tätigen Partnern zusammenzuarbeiten.
„Auch in den heimischen Märkten nimmt die Konsolidierung weiter zu. Vermittler und Makler begründen dies mit möglichen Größenvorteilen und der Fähigkeit, ihren Kunden ein volles Spektrum analytischer Leistungen bieten zu können.“
Fusionen und Übernahmen unterschiedlich erfolgreich
Der Erfolg von Fusionen und Übernahmen falle in der Versicherungsbranche, wie auch in anderen Branchen, sehr unterschiedlich aus, stellt die Studie fest.
Empirische Analysen der Aktienkursentwicklungen von Versicherern, die in den letzten zehn Jahren an einer Fusion oder Übernahme beteiligt waren, würden langfristig auf positive Renditen für Käufer hindeuten, es gebe dabei jedoch große Unterschiede.
Studien-Co-Autor Darren Pain: „Die Transaktionen mit dem scheinbar größten und konstantesten Wertschöpfungspotenzial sind solche, bei denen die Unternehmer im gleichen Land ansässig sind, aber auch Transaktionen mit vertikaler Integration von Firmen in verschiedenen Phasen der Wertschöpfungskette im Versicherungsgeschäft.“




