IVFP: Jetzt endlich Riester II anstoßen

24.4.2018 – Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung hat am Montag Vorschläge unterbreitet, wie man Riester schlanker, einfacher und renditestärker machen könnte. Die Riester-Rente sei im gegenwärtigen Marktumfeld nicht mehr zeitgemäß, so das Fazit einer Studie, an der auch die DWS mitgewirkt hat. Es sei jetzt dringend geboten, „Riester II“ auf den Weg zu bringen, sagte Institutsleiter Professor Michael Hauer vor der Presse in Berlin.

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Die staatlich geförderte zusätzliche private Altersvorsorge stagniert, wie die jüngsten Zahlen zur Riester-Rente belegen (VersicherungsJournal 10.4.2018). Die neue Bundesregierung strebt nach den im Rahmen des Betriebsrenten-Stärkungsgesetzes bei Riester gemachten Verbesserungen (VersicherungsJournal 22.12.2017) an, ein standardisiertes, kostengünstiges Riester-Produkt anzubieten.

Michael Hauer (Bild: Brüss)
Michael Hauer (Bild: Brüss)

Wie dies aussehen könnte, zeigt die Studie „Die Renditechancen der (fondsgebundenen) Riester-Rente im aktuellen Marktumfeld“ (PDF-Datei, 1,8 MB).

Diese hat die Institut für Vorsorge und Finanzplanung GmbH (IVFP) in Zusammenarbeit mit der zur Deutschen Bank Gruppe gehörenden DWS Group GmbH & Co. KGaA erstellt.

In Auftrag gegeben hatte sie die Deutsche Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA), die auf Initiative der Deutschen Bank AG, der Deutschen Bank Bauspar AG, der DWS Investment GmbH und der Deutscher Herold AG entstanden war.

Beitragsgarantie abschaffen oder flexibilisieren

Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld verhindere die verpflichtende Beitragsgarantie bei den Riester-Produkten, dass der Riester-Sparer in renditestärkere Anlagen wie etwa in Aktien investieren könne. Der Sparer müsse sich de facto für die Aktie oder die Riester-Förderung entscheiden, sagte Professor Michael Hauer, Geschäftsführer des IVFP, bei der Präsentation der Studienergebnisse am Montag vor der Presse in Berlin.

Es sei jetzt dringend geboten, „Riester II“ anzustoßen. Die Kernforderung, die Hauer aus der Untersuchung ableitet, läuft darauf hinaus, dass die Beitragsgarantie bei Riester-Produkten ganz abgeschafft oder zumindest flexibilisiert wird. Der Gesetzgeber habe ja beim BRSG bewiesen, dass es auch ohne Garantien gehen könne, sekundierte hier Frank Breiting, Leiter Vertrieb private Altersvorsorge & Versicherungen Deutschland in der DWS-Gruppe.

Riester für alle öffnen und zentrale Zulagenstelle auflösen

Die Riester-Rente sollte nach Einschätzung der Wissenschaftler für alle zugänglich sein. Gerade auch für Solo-Selbstständige würde sich die Chance ergeben, eine zusätzliche Altersvorsorge aufzubauen, die sich dank der staatlichen Zulage auch lohne, erklärten Hauer und Breiting.

Statt der zentralen Zulagenstelle sollten die Finanzämter künftig für die Berechnung und Gewährung der Zulagen zuständig sein. Die Finanzämter verfügten im Gegensatz zu der Zulagenstelle zudem über alle notwendigen Daten.

Riester-Sparer soll über Risikobereitschaft selbst entscheiden

Viel zu kompliziert sei auch die Regel, dass nur derjenige die volle Riester-Förderung erhält, der vier Prozent seines Einkommens (maximal 2.100 Euro im Jahr) anspart. Nach jeder Gehaltsanhebung müsse sich der Riester-Sparer fragen, wie hoch denn jetzt sein Beitrag sein müsse. Die Kosten für Riester-Produkte seien zwar gesunken, „für einen großen Wurf muss Riester jedoch drastisch vereinfacht werden“, so eine der weiteren Kernaussagen der Studie.

Auch wenn im derzeitigen Umfeld Aktien eine deutlich höhere Rendite versprechen als etwa deutsche Staatsanleihen, sollen die Riester-Sparer nicht ins Risiko gedrängt werden. Lediglich die Option zu einer renditestärkeren Anlage sollte ihnen eröffnet werden – insbesondere dann, wenn sich die Laufzeit über 30 Jahre und mehr erstrecken sollte. Die Neuerungen bei Riester sollten auch für den Bestand zugänglich sein.

Weiterentwicklung geplant

Im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wird festgehalten, dass die private Altersvorsorge weiterentwickelt und gerechter gestaltet werden soll. Ziel sei eine zügige Entwicklung eines „attraktiven standardisierten Riester-Produkts“ (VersicherungsJournal 16.3.2018, 5.2.2018).

Die hessische schwarz-grüne Landesregierung wirbt mit der Idee der Deutschlandrente, indem ein staatlicher Fonds ein kostengünstiges Altersvorsorgeprodukt anbietet (VersicherungsJournal 21.3.2018). Ob es der entsprechende Entschließungsantrag noch auf die Tagesordnung der Länderkammer am Freitag schafft, ist derzeit noch offen. Die zuständigen Ausschüsse haben sich jedenfalls mit der Deutschlandrente bereits befasst.

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Altersvorsorge · Bausparen · Betriebliche Altersversorgung · BRSG · Deutschlandrente · Rente · Riester
 
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