15.5.2026 – Erstmals haben die Analysten im Rating zur gewerblichen Cyberversicherung die Höchstnote „FFF+“ vergeben. Und zwar an ein Produkt, das von der Provinzial Nord und der Provinzial Versicherung angeboten wird. Untersucht wurden 201 Angebote von 27 Versicherern. Im Vergleich zur Erstauflage aus dem Jahr 2018 ist eine steigende Tarifqualität zu beobachten. Dennoch wiesen auch heute noch viele Testkandidaten strukturelle Schwächen auf.
Die Franke und Bornberg GmbH (FuB) hat die Bedingungsqualität von gewerblichen Cyberversicherungspolicen unter die Lupe genommen und Mitte Mai die Ratingergebnisse veröffentlicht.
So wurden die Cyberversicherungen bewertet
Der von FuB konzipierte Bewertungskatalog besteht aus 106 unterschiedlich gewichteten Prüfkriterien. Diese sind thematisch 27 Hauptpunkten zugeordnet und reichen von „A“ wie Ausschlüsse über „D“ wie Drittschäden und „I“ wie IT-Forensik und -Beratung bis „W“ wie Wiederherstellung der IT-Systeme.
Als Quellen für das Rating werden nach Unternehmensangaben ausschließlich die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, Versicherungsscheine, Geschäftsberichte und per Stichprobe verifizierte Daten genutzt.
Zunächst wurden die Produkte in einem Benchmarkingverfahren dahingehend überprüft, in welcher Ausprägung oder Qualität welche Detailleistungen und Einzelregelungen angeboten werden. Dies wird zur methodischen Vorgehensweise erläutert.
Von null bis 100 und Mindeststandards
Die Qualität der jeweiligen Regelungen wurde in einem nächsten Schritt auf einer Skala von null für die schlechteste Ausprägung bis 100 für die beste Ausprägung eingeordnet. Danach wurden die einzelnen Leistungskriterien entsprechend ihrer Bedeutung aus Kundensicht gewichtet.
Um die Gesamtqualität der Tarife zu messen, hat das Analysehaus auf sein siebenstufiges Bewertungsschema von „FFF+“ („hervorragend“) über „FFF“ („sehr gut“) bis „F-“ („ungenügend“) zurückgegriffen. Die Klassen sind nach eigenen Angaben so bemessen, dass geringfügige, für die Praxis unerhebliche Punktunterschiede nicht zur Einstufung in eine andere Klasse führen.
Innerhalb der Ratingklassen sorgen zusätzliche Schulnoten für weitere Differenzierung. Zudem müssen für eine Einordnung in bestimmte Ratingklassen zusätzliche Mindeststandards erfüllt werden. Weitere Details hierzu sowie zum Ratingverfahren allgemein sind in der Bewertungsrichtlinie Cyber Gewerbe (PDF, 250 KB) nachzulesen.
Nur drei Cyberpolicen mit der Höchstnote
Von den untersuchten 201 Tarifkombinationen in diesem Segment schnitten nur drei mit der Höchstnote „FFF+“ („hervorragend“) ab. Dies waren
- „Cyberschutz + Ertragsausfallversicherung + Haftpflichtversicherung + Vertrauensschadenversicherung“ der Provinzial Nord Brandkasse AG,
- „Cyberschutz + Haftpflichtversicherung + Vertrauensschadenversicherung + Ertragsausfallversicherung“ der Provinzial Versicherung AG (ehemals Provinzial Rheinland) und
- „Cyberschutz + Vertrauensschadenversicherung + Ertragsausfallversicherung + Haftpflichtversicherung“ der Provinzial Versicherung AG (ehemals Westfälische Provinzial)
31 weitere Offerten bekamen mit „FFF“ („sehr gut“) die zweitbeste Note. Dazu gehören neben den vorgenannten Produkten (jeweils ohne den Baustein „Haftpflichtversicherung“ auch Lösungen
- der Alten Leipziger Versicherung AG,
- der Baloise Sachversicherung AG Deutschland,
- der Gothaer Allgemeinen Versicherung AG,
- der HDI Versicherung AG und
- der VHV Versicherungen
An 97 weitere Tarifkonfigurationen wurde die Note „FF+“ („gut“) vergeben, Ein „befriedigend“ („FF“) bekamen 57 Testkandidaten, immerhin noch ein „ausreichend“ (F+“) zehn Angebote. Drei Lösungen kamen über ein „mangelhaft“ („F“) nicht hinaus.
Steigende Tarifqualität
Anders als bei der Erstauflage des Ratings vor acht Jahren schnitt kein Produkt mit „ungenügend“ ab, heben die Analysten hervor. Seinerzeit traf dies noch auf fünf Angebote zu (VersicherungsJournal 22.10.2018).
Dafür hatten die Testsieger nur ein „gut“ („FF+“) bekommen. die allerdings nur auf einen Anteil von einem Neuntel kamen. In der aktuellen Auflage trifft dies auf fast jeden zweiten Testkandidaten zu. Bessere Noten wurden 2018 nicht vergeben. Aktuell bekamen 1,5 Prozent der Prüflinge ein „FFF+“ und fast jeder sechste ein „FFF“.
Auch die Anteile bei den übrigen Notenklassen haben sich kräftig verschoben. So schnitten aktuell etwa zwei Drittel mehr Angebote mit „FF“ ab (Anteil 2026: 47,1 Prozent; Anteil 2018: 28,4 Prozent). Dafür erhielten mit 23,5 Prozent fast fünfmal so viele Lösungen als 2018 (5,0 Prozent) ein „F+“.
Deutliche Qualitätsverschiebung nach oben
Die damalige Analyse hatte unter anderem „babylonische Begriffsverwirrung, unklare Cloud-Deckungen und weitreichende Deckungslücken bei Drittschäden“ offenbart, wird mitgetitelt.
Heute zeige das Marktbild eine deutliche Verschiebung nach oben. So habe die Formulierungspräzision zugenommen und Kernbereiche wie Rückwärtsdeckung und Betriebsunterbrechung seien deutlich häufiger geregelt als noch vor acht Jahren.
Fazit der Analysten
Die Analysten stellen heraus, dass trotz des insgesamt positiven Trends viele Tarife nach wie vor strukturelle Schwächen aufwiesen, die für Vermittler und Versicherungsnehmer erhebliche Konsequenzen haben könnten. Als Beispiele werden genannt:
- „Betriebsunterbrechung: Fehlende oder zu eng gefasste Deckung von Ertragsausfällen – insbesondere bei Cloud-bedingten Ausfällen,
- Drittschäden: Lücken bei immateriellen Schäden, also Schäden, die keine direkten Vermögensschäden sind,
- Technische Störungen: Unzureichende Abgrenzung zum Eigenschaden,
- Sachschäden an versicherten IT-Systemen: Unklare oder zu enge Definitionen,
- Obliegenheiten: Unverhältnismäßig strenge Anforderungen, die im Schadenfall zur Leistungsfreiheit führen können [und]
- Anzeigepflicht bei Gefahrerhöhung: Intransparente Regelungen zulasten der Versicherten.“
Als besonders kritisch heben die Analysten hervor, dass oft erst im Schadenfall bemerkt werde, dass man einen schwachen Tarif gewählt hat. Und zwar dann, „wenn Deckungslücken sichtbar werden, auf die weder Vermittler noch Kunde hingewiesen wurden.“
Eine der wichtigsten Gewerbeversicherungen überhaupt
Laut Christian Monke, Leiter Ratings Gewerbliche Risiken bei Franke und Bornberg, ist Cyber „heute keine Nische mehr – es ist eine der wichtigsten Gewerbeversicherungen überhaupt.
Dass ausgerechnet ein öffentlicher Versicherer die Spitzenposition hält, zeigt: Es braucht keine angloamerikanische Prägung, um ein hervorragendes Cyber-Produkt zu entwickeln. Entscheidend ist der Wille, Deckungslücken konsequent zu schließen – und das lässt sich messen.“





