29.5.2017 (€) – Die Stiftung Warentest hat einen Vergleich von Risiko-Lebensversicherungen veröffentlicht. Dabei stehen die Nettobeiträge im Vordergrund. In den verschiedenen Modellrechnungen waren die Lebensversicherer Hannoversche, Credit Life und WGV am häufigsten am billigsten. Als Leistungskriterium wird das Vorhandensein einer Nachversicherungs-Garantie herangezogen. Andere Leistungsunterschiede blieben unberücksichtigt. Darin unterscheiden sich die Warentester deutlich von anderen Marktbeobachtern.
In ihrer Zeitschrift Finanztest 6/2017 und auf ihrer Internetseite hat die Stiftung Warentest einen Vergleich von Risiko-Lebensversicherungen veröffentlicht. Untersucht wurden die Angebote von 40 Versicherungsunternehmen; nicht berücksichtigt wurden Anbieter, „die nicht der deutschen Insolvenzaufsicht unterliegen oder die keine Nachversicherungs-Garantien bieten“.
Als einzige Tarifvarianten wurden die Versicherung auf ein Leben und die verbundene Leben für zwei Personen, jeweils mit gleichbleibender Summe und fester Laufzeit, verglichen. Dass es zum Beispiel auch Tarife mit technisch einjähriger Kalkulation gibt, die für die Modellfamilie der Stiftung eine Option sind, erfährt der Leser von Finanztest nicht.
Zwei Eintrittsalter, zwei Laufzeiten, zwei Summen
Schwerpunkt der Untersuchung ist der Beitragsvergleich. Dazu wurden drei Modellfälle untersucht:
- Einzelversicherung über 250.000, Eintrittsalter 35, Laufzeit 30 Jahre,
- Einzelversicherung über 200.000 Euro, Eintrittsalter 55, Laufzeit 10 Jahre, Verwaltungs-Fachangestellte und alternativ Industriemechaniker,
- Versicherung auf zwei Leben über 250.000, Eintrittsalter 35, Laufzeit 30 Jahre, Verwaltungs-Fachangestellte und alternativ Industriemechaniker.
Für alle Fälle wurden die Beiträge für Raucher und für Nichtraucher ausgewiesen. Für das erste Modell wurden 37 beziehungsweise 38 Tarife im Heft aufgeführt, für die beiden anderen jeweils die fünf mit den niedrigsten Nettobeiträgen.
Unter den jeweils fünf billigsten Anbietern sind:
- Hannoversche Lebensversicherung AG, 12 Top-5-Platzierungen
- Credit Life AG, 10
- WGV Lebensversicherung AG, 10
- Europa Lebensversicherung AG, 8
- Interrisk Lebensversicherungs-AG Vienna Insurance Group, 4
- Deutsche Lebensversicherungs-AG, 3
- Basler Lebensversicherungs-AG, 2
- Huk24 (Huk-Coburg-Lebensversicherung AG), 2
- Cosmos Lebensversicherungs-AG, 1
- Dialog Lebensversicherungs-AG, 1
Große Unterschiede beim Beitragsvorwegabzug
Neben den Nettobeiträgen, den zu zahlenden Beiträgen nach Abzug des Beitragsvorwegabzugs aus der Überschussbeteiligung, wurden auch die Bruttoprämien genannt.
Hier wurden jedoch die niedrigsten kalkulierten Beiträge – anders als bei den Nettobeiträgen – nicht hervorgehoben. Finanztest-Leser, die wissen möchten, wo die Differenz zwischen Brutto und Netto und damit das maximale Risiko von Beitragssteigerungen am niedrigsten ist, müssen sich das selbst ausrechnen.
Dass hier enorme Unterschiede bestehen, zeigt der Map-Report Nummer 890 – „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“. Die Differenz zwischen Brutto- und Nettobeiträgen liegt demnach je nach Anbieter zwischen elf und 71 Prozent, im Durchschnitt bei 44 Prozent (VersicherungsJournal 30.1.2017).
Nettobeiträge können steigen
Warum die Finanztester die Aufmerksamkeit auf die Nettobeiträge lenken, begründen sie damit, dass „Anhebungen fast nie“ vorkämen.
Vor dieser Sichtweise warnt der Versicherungsmakler Matthias Helberg in seinem Blog: „Der Blick in den Rückspiegel zeigt nicht, was vor einem liegt. Hinter uns liegt jedenfalls das Beispiel WWK.“ Hier war der Nettobeitrag um 35 Prozent erhöht worden.
Preissteigerungen in ähnlicher Größenordnung sind auch von anderen Anbietern vorgenommen worden.
Bei den von Finanztest hervorgehobenen Top-5-Anbietern nach Nettoprämie liegt der entsprechende Bruttobeitrag teilweise mehr als dreimal so hoch. Während die jeweils fünf niedrigsten Zahlbeiträge vergleichsweise nah beieinander liegen, unterscheiden sich die Maximalbeiträge dieser Tarife teilweise um mehr als 100 Prozent.
Teure Verträge kosten mehr als dreimal so viel wie günstige, ohne entscheidende Vorteile zu bieten.
Finanztest 6/2017
Nachversicherungs-Garantie „sinnvoll“
„Teure Verträge kosten mehr als dreimal so viel wie günstige, ohne entscheidende Vorteile zu bieten“, hebt Finanztest hervor. Daher sei der Preis das Hauptkriterium bei der Auswahl.
Von den Produktunterschieden werden nur wenige erwähnt. In der Preistabelle werden ausschließlich die Summengrenzen für den Verzicht auf eine ärztliche Untersuchung, Höchsteintritts- und Endalter, die Anzahl der rauchfreien Jahre als Voraussetzung für den Nichtrauchertarif sowie Nachversicherungs-Garantien genannt.
Dieses Recht, nach Vertragsabschluss die Versicherungssummen zu erhöhen, bezeichnet die Stiftung als „sinnvoll“. Der Leser erfährt im Heft, welche Tarife die Nachversicherung ohne erneute Risikoprüfung nur bei bestimmten Anlässen und welche ohne besonderen Anlass ermöglichen.
Nicht angegeben ist dagegen, welche Anlässe die Anbieter im Einzelnen gelten lassen und welche Summen- und Altersgrenzen dann greifen. Wie relevant diese sind, darauf weist Helberg in seiner Kritik des Tests hin. So führe Finanztest zum Beispiel bei der Interrisk die Nachversicherungsgarantie auf, doch diese laufe mit ihrer Begrenzung auf 250.000 Euro Gesamtsumme bei dem Beispiel mit 250.000 Euro Grund-Versicherungssumme von vornherein ins Leere.
Gute Vergleiche beinhalten inzwischen um die 25 Unterschiede bei den Leistungsmerkmalen von Risiko-Lebensversicherungen.
Versicherungsmakler Matthias Helberg
Verbrauchern zeigen, was sie haben können
Helberg kritisiert zudem, dass die übrigen Leistungsunterschiede in dem Magazin nicht thematisiert wurden: „Wie soll […] ein Verbraucher entscheiden können, was er selbst für wichtig hält, wenn man ihm nicht zeigt, was er haben kann?
Inzwischen gibt es Tarife, die …
- bereits leisten, wenn man an einer binnen eines Jahres tödlich verlaufenden Krankheit leidet (also noch vor dem Tod, um letzte Wünsche zu erfüllen, Angelegenheiten noch selber zu regeln);
- Tod durch Einsatz von ABC-Waffen / Terroranschläge vom Versicherungsschutz ausschließen – oder auch nicht;
- man verlängern kann;
- an geänderte Finanzierungs-Konditionen angepasst werden können;
- man während Arbeitslosigkeit oder Elternzeit bei reduziertem Versicherungsschutz beitragsfrei stellen kann;
- es ermöglichen, den Partner später noch mit vereinfachter Gesundheitsprüfung mitzuversichern;
- bei einer Immobilienfinanzierung eine vereinfachte Gesundheitsprüfung ermöglichen.“
Weiter schreibt der Makler: „Gute Vergleiche beinhalten inzwischen um die 25 Unterschiede bei den Leistungsmerkmalen von Risiko-Lebensversicherungen. Das alles interessiert Stiftung Warentest […] augenscheinlich nicht.“
Die Alternativen zur Stiftung Warentest
Wem die in der Zeitschrift Finanztest veröffentlichte Untersuchung zu oberflächlich ist, dem bieten sich beispielsweise die nachfolgend aufgeführten Alternativen.
In ihrem Produktrating Risikoleben hat die Morgen & Morgen GmbH 19 Leistungsfragen verglichen.
Im Vergleich des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung GmbH (IVFP) waren sogar 70 Kriterien untersucht worden (VersicherungsJournal 29.3.2017).
Im Map-Report Nummer 890 – „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ liegt der Schwerpunkt auf zahlreichen Bilanz- und Servicekennzahlen sowie verschiedenen Tarifbeispielen. Dabei wurden auch provisionsfrei kalkulierte Nettotarife berücksichtigt.




