DIA sieht bei Riester Handlungsbedarf in drei Feldern

10.5.2019 – Im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge hat das Forschungsinstitut Empirica Experteninterviews zum Thema Riester geführt. Für die Studienverantwortlichen ist die Riester-Rente auf jeden Fall revitalisierbar, indem man behutsam in das bestehende System eingreift, ohne das Vertrauen der Sparer zu erschüttern. Der Ball liege bei der Politik.

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Die Zahl der Riester-Sparer stagniert schon seit ein paar Jahren, 2018 ist der Vertragsbestand auf Jahressicht betrachtet erstmals zurückgegangen (VersicherungsJournal 23.4.2019). Die Deutsche Institut für Altersvorsorge GmbH (DIA) hat bei den Akteuren der Altersvorsorge einmal nachfragen lassen, wie man denn der staatlich geförderten Altersvorsorge neuen Schwung verleihen könnte.

In ihrem Auftrag hat das Forschungsinstitut Empirica AG Experteninterviews mit Anbietern von Riester-Produkten (Versicherer, Fonds, Bausparkassen sowie deren Verbände), Vermittlern von Riester-Produkten, Verbraucherschützern sowie Vertretern der Deutschen Rentenversicherung geführt.

Alternativen aufzeigen

Aus den Befragungen herausgekommen sei eine Vielzahl von Vorschlägen, die in der Studie zu einem Baukastensystem geordnet worden seien, sagte Dr. Reiner Braun von der Berliner Empirica. Der DIA-Sprecher Klaus Morgenstern sagte bei der Präsentation der Ergebnisse am Donnerstagvormittag, Ziel sei es gewesen, der Politik Alternativen aufzuzeigen.

Morgenstern glaubt, dass es dort derzeit durchaus Chancen für Verbesserungen bei der staatlich geförderten Altersvorsorge gibt. Tiefe Eingriffe in die Riester-Systematik – auch solche Vorschläge sind in der Studie „Revitalisierung der Riester-Rente“ enthalten – dürfte die Politik vermeiden, um Vorsorgesparer nicht noch mehr zu verunsichern. Man müsse bei Riester die Komplexität herausnehmen, sagte der DIA-Sprecher.

Reformen dürfen das Vertrauen der Sparer nicht erschüttern

Bei allen Verbesserungs-Vorschlägen sei wichtig, dass das Vertrauen der Verbraucher nicht erschüttert werde, betonte auch Braun. Von daher steht er radikalen Reformschritten wie etwa die Begrenzung der Zulagen auf Geringverdiener mit einem Jahreseinkommen von 20.000 (Ehepaare 40.000) ebenso skeptisch gegenüber wie einem Wechsel in ein Obligatorium (mit und ohne Opting-out).

Herauskristallisiert hat sich Handlungsbedarf in drei Feldern. Die Einteilung in unmittelbar, mittelbar und nicht förderfähig etwa sei für die Menschen nicht nachvollziehbar und gehöre abgeschafft. Zulagen müssten vor ihrer Auszahlung auf ihre Höhe geprüft werden, damit die hohe Zahl von Rückforderungen von Zulagen eingedämmt werden könne. Schließlich müsse auch die Zahl der Geschäftsvorfälle minimiert werden.

Klaus Morgenstern (li.) und Reiner Braun (re.) (Bild: Brüss)
Klaus Morgenstern (li.) und Reiner Braun (re.) (Bild: Brüss)

Problem der Rückforderungen

Ein besonderes Ärgernis wie die häufige Rückforderung von Zulagen ließe sich leicht beseitigen, wenn die Zulagenhöhe erst überprüft und dann ausgezahlt werde, sagte Braun. Brüche in der Erwerbsbiografie, Scheidung, Geburten oder das Unterschreiten der Soll-Sparquote, die die Riester-Sparer kaum selbst ausrechnen könnten, seien die häufigsten Ursachen für Rückforderungen.

Auf der Anbieter- und Vermittlerseite wird bemängelt, dass die Beratungsintensität die Rendite erheblich mindere. Beispielhaft werden eben Rückforderungen bei den Zulagen genannt. Der Riester-Sparer wende sich in diesen Fällen an den Vermittler oder Anbieter.

Förderung auf aktuelle Beitrags-Bemessungsgrenze dynamisieren

In der Reihe der Reformvorschläge sind auch viele altbekannte Forderungen. So insistiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) auf einer Dynamisierung der Förderhöchstbeiträge (VersicherungsJournal 30.1.2019). Derzeit ist die Förderhöhe bei Riester bei 2.100 Euro im Jahr gedeckelt.

Eine Anpassung hat bis heute nicht stattgefunden. Eine Dynamisierung auf vier Prozent der Beitrags-Bemessungsgrenze wird auch in der Studie für angemessen gehalten.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Bausparen · Beitragsbemessungsgrenze · Rente · Riester · Verbraucherschutz
 
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