15.12.2014 (€) – Das erste Quartal des Jahres 2014 war insbesondere für die Lebensversicherer turbulent, wie Teil I des VersicherungsJournal-Jahresrückblicks zeigt. Die private Krankenversicherung kam dagegen nach der Unisex-Umstellung zur Ruhe. Die Versicherungsbranche sah sich außerdem immer weiter sinkenden Mitarbeiterzahlen gegenüber, blieb aber dennoch optimistisch.
Das Jahr 2014 begann für die Lebensversicherer gleich mit einem Paukenschlag. Gleich zum Jahresstart erklärte der Bund der Versicherten e.V., dass die private Rentenversicherung ein Auslaufmodell ist. Die kalkulierte Lebenserwartung sei zu hoch und kaum ein Vertrag ende wirklich mit einer Verrentung (VersicherungsJournal 8.1.2014).
Unklare Zukunft für Riester
Während der BdV der Privatrente keine gute Zukunft bescheinigte, sei die Lage bei der Riester-Rente noch unklar, erklärte Vorstandssprecher Axel Kleinlein im Januar. Zumindest die Hansemerkur Lebensversicherung AG zeigte sich zuversichtlich: Sie übernahm den Riester-Bestand der Ergo Direkt Lebensversicherung AG und erklärte, in diesem Bereich weiter wachsen zu wollen (VersicherungsJournal 18.2.2014).
Zum Jahresende 2013 schien Riester wieder attraktiver zu werden – nach drei Rückgängen in Folge war im vierten Quartal 2013 die Zahl der Versicherungsverträge wieder angestiegen. Das reichte für die Versicherer allerdings nicht aus, um im Gesamtjahr auf einen positiven Nettoneuzugang zu kommen (VersicherungsJournal 14.4.2014).
Zudem gab es im Bereich der Lebensversicherung eine weitere Übernahme: Die Heidelberger Leben Gruppe übernahm von der Old Mutual plc. das eingestellte Lebensversicherungs-Geschäft der Skandia in Deutschland und Österreich (VersicherungsJournal 28.3.2014).
Treffsichere Unisex-Kalkulation
Die privaten Krankenversicherer kamen nach einem durch die Umstellung auf Unisex und das Damoklesschwert Bürgerversicherung bewegten Jahr 2013 etwas zur Ruhe.
Acht Versicherungs-Gesellschaften haben dem Marktbeobachter KVpro.de GmbH zufolge ihre Tarife mit Jahresbeginn 2014 angepasst. Neben Preiserhöhungen gab es auch Senkungen (VersicherungsJournal 31.1.2014).
Insgesamt waren die ein Jahr zuvor eingeführten Krankheitskosten-Vollversicherungen mit geschlechtsunabhängiger Kalkulation recht treffsicher berechnet worden, stellte das Analysehaus Morgen & Morgen GmbH fest. Eine Stichprobe von 500 Tarifen ergab eine durchschnittliche Beitragsanpassung 2014 von 0,1 Prozent (VersicherungsJournal 14.1.2014).
Arbeitsmarkt in Bewegung
Der Mitarbeitermarkt blieb auch mit Beginn des neuen Jahres weiter in Bewegung. Am Aufschwung des Arbeitsmarktes nahm die Assekuranz 2013 nicht teil, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigten. Während der Dienstleistungssektor insgesamt um über sechs Prozent zulegte, hatten die Finanz- und Versicherungs-Dienstleister ein Minus von annähernd drei Prozent zu verzeichnen (VersicherungsJournal 10.3.2014).
Diese Zahlen untermauerte später auch der GDV: Eine Auswertung des Verbands zeigte, dass die Gesamtzahl der Erwerbstätigen in der Versicherungswirtschaft (Innendienst sowie angestellter und selbstständiger Außendienst) 2013 um über 7.000 beziehungsweise gut ein Prozent nachgelassen hat.
Den größten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr gab es in Sachsen, den geringsten in Bayern. In Nordrhein-Westfalen wurden weiterhin die meisten Versicherungs-Mitarbeiter gezählt (VersicherungsJournal 8.4.2014).
Die Zahl der im Versicherungsvermittler-Register eingetragenen Personen ist 2013 ebenfalls um 2,6 Prozent auf knapp 246.800 gesunken (VersicherungsJournal 8.1.2014). Die Zahl der registrierten Finanzanlagenvermittler stieg dagegen weiter an (VersicherungsJournal 9.1.2014).
Versicherungs-Mitarbeiter werden immer häufiger krank
Insgesamt ist die Zahl der Beschäftigten in der Versicherungswirtschaft 2013 auf unter 213.000 zurückgegangen, berichtete der Arbeitgeberverband der Versicherungs-Unternehmen in Deutschland (AGV). Im Innen- und im angestellten Außendienst gab es ebenso ein Minus wie bei den Azubi-Verhältnissen (VersicherungsJournal 17.3.2014).
An der Vergütung der Ausbildung lag das eher nicht: Azubis zum/zur Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen verdienten über die gesamte Ausbildung durchschnittlich 935 Euro brutto pro Monat.
In der Rangliste bedeutete das in den alten Bundesländern Platz 35 unter den bestbezahlten Ausbildungen, in den neuen Bundesländern sogar Rang zwei, wie Zahlen des Bundesinstitut für Berufsbildung zeigten (9.1.2014).
Eine AGV-Auswertung im März zeigte außerdem, dass Versicherungs-Mitarbeiter immer häufiger krank werden. 2013 war die Fehlzeitenquote im Versicherungs-Innendienst ein weiteres Mal leicht angestiegen. Seit 2007 haben die Fehltage um fast ein Viertel zugenommen (VersicherungsJournal 18.3.2014).
Ausschließlichkeits-Vertreter erwägen Wechsel zum Makler
Unzufrieden mit ihrem Status zeigten sich zu Jahresbeginn besonders die Ausschließlichkeits-Vertreter. 12,5 Prozent von ihnen waren nach einer Strukturanalyse des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) bereit, ihren Vermittlerstatus zu wechseln – größtenteils zum Makler (VersicherungsJournal 17.1.2014).
Damit wendeten sich die Wechselwilligen einem Zukunftsmarkt zu: Die Vertriebsstudie „Sales Performance Excellence in der Finanzindustrie“ der Managementberatung Horváth & Partners zeigte, dass die Bedeutung der Makler in Zukunft zunehmen, jene der Generalagenten eher zurückgehen wird. Etwas Aufwind sahen die Analysten für Mehrfachvertreter (VersicherungsJournal 28.1.2014).
Versicherungsmarkt wandelt sich
Nicht nur unter den Vermittlern kündigen sich Veränderungen an, auch dem ganzen Versicherungsmarkt stehen einschneidende Veränderungen bevor. Das Trendforschungsinstitut 2b Ahead ThinkTank, der Versicherungskonzern Standard Life und die Unify GmbH & Co. KG erwarten künftig Aufteilungen in ein „Economy“- und ein „Premium“-Segment.
Daraus werden sich je nach Kundentyp unterschiedliche Chancen für Versicherer und Makler ergeben, so die Studie. Für Economy-Kunden zähle das Preis-/Qualitätsverhältnis, Premium-Kunden wählten bestimmte Versicherer und Makler, um die eigene Identität auszudrücken. (VersicherungsJournal 20.2.2014).
Versicherungsbranche zeigte sich optimistisch
Zahlreiche neue Verordnungen prägten außerdem das erste Quartal: So einigten sich die Trilog-Parteien auf europäischer Ebene auf eine Neufassung der Finanzmarktrichtlinie Mifid II (VersicherungsJournal 16.1.2014). Das Europaparlament beschloss außerdem den Richtlinienvorschlag zur Versicherungs-Vermittlung (IMD2) mit einigen Änderungen im Vergleich zum Entwurf der EU-Kommission (VersicherungsJournal 27.2.2014).
Die Risiken für Kapitalanlagen von Versicherern steigen. Unter europäischen Versicherern werden Investitionsstrategien verfolgt, die „potenziell negativ für das Rating“ sind, hießt es zu Jahresbeginn von der Ratingagentur Fitch (VersicherungsJournal 21.1.2014).
Trotz der Widrigkeiten startete die Versicherungsbranche optimistisch ins Jahr. Ihre Zukunftserwartungen waren in einer Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e.V. (DIHK) deutlich optimistischer als in der Gesamtwirtschaft. In weiteren Regulierungsmaßnamen der Politik wurde aber in der Assekuranz das größte Risikopotenzial für das eigene Geschäftsmodell gesehen (VersicherungsJournal 5.2.2014).
Dennoch sank trotz eines erhöhten Prämienvolumens die Zahl der unter deutscher Aufsicht stehenden Versicherungs-Gesellschaften weiter (VersicherungsJournal 16.1.2014). In schwieriges Fahrwasser gerieten die Unternehmen nicht nur wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase, sondern auch durch die sich immer weiter erhöhenden Versicherungsleistungen (VersicherungsJournal 12.3.2014).




