Wie sich die Ergo bei der staatlich geförderten Altersvorsorge aufstellt

23.7.2026 – Die Ergo will die neue staatlich geförderte Altersvorsorge mit einer großen Produktpalette angehen. Dazu gehören neben fondsgebundenen Lösungen ohne Versicherungsmantel auch Garantieprodukte. Das berichtet Vorstandschef Dr. Oliver Horn dem VersicherungsJournal. Das Standarddepot sollen Vermittler nach seinen Worten vor allem über digitale Kanäle anbieten können.

Die Ergo Vorsorge Lebensversicherung AG will bei der neuen staatlich geförderten privaten Altersvorsorge (VersicherungsJournal 8.5.2026) ab Januar 2027 alle vorgesehenen Produktvarianten anbieten – vom Standarddepot über fondsgebundene Policen bis hin zu Garantieprodukten. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Oliver Horn im Gespräch mit dem VersicherungsJournal.

Nach den Worten Horns soll die breite Produktpalette den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kunden Rechnung tragen. „Wir sind davon überzeugt, dass es für alle Varianten Kunden gibt, für die das jeweilige Produkt zu ihren Bedürfnissen passt.“

Gleichzeitig gelte, dass Förderung Beratung brauche: „Die richtige Ausgestaltung der Altersvorsorge ist keine Standardlösung, sondern so individuell wie unsere Kunden.“ Dabei setzt die Ergo Vorsorge auf die Vertriebspartner.

Ergo plant auch Lösungen ohne Versicherungsmantel

Oliver Horn (Bild: Judith Wagner)
Oliver Horn (Bild: Judith Wagner)

Horn machte deutlich, dass die Ergo ihren Kunden auch geförderte Produkte ohne Versicherungsmantel anbieten wolle. Zukünftig können beispielsweise Aktienfonds mit staatlicher Förderung bespart werden. Mit der Meag-Gruppe verfügt der Konzern über eine eigene Vermögensverwaltung und Fondsgesellschaft.

„Für uns als Ergo ist wichtig, dass wir unsere Kunden über die gesamte Bandbreite an Vorsorgelösungen beraten können: geförderte und ungeförderte Produkte, Versicherungs- und Fondsprodukte, Produkte mit Risikoschutz- oder Sparcharakter. Das ganze Spektrum eben.“

Bei den Garantieprodukten schließt die Ergo Einschränkungen wie Mindestlaufzeiten zumindest nicht aus. Nach den Worten Horns müsse die Produktgestaltung dem jeweiligen Anlagehorizont Rechnung tragen. „Da werden sich Mindestlaufzeiten manchmal nicht vermeiden lassen.“

Zu möglichen Höchsteintrittsaltern bei Versicherungslösungen mit Garantie äußerte sich der Vorstand dagegen nicht. Ziel sei es vielmehr, die Produkte „so vielen Menschen wie möglich zugänglich“ zu machen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Auswahl des richtigen Mixes viel wichtiger und wertschaffender für den Kunden ist als die Jagd nach einem Zehntelprozentpunkt Vorsprung bei den Kosten.

Oliver Horn, Ergo Vorsorge

Unterschiedliche Spielregeln für die Anbieter von Altersvorsorgeprodukten

Horn kritisierte, dass Versicherer und Fondsanbieter aus seiner Sicht nicht unter denselben regulatorischen Bedingungen am Markt agieren. Versicherer und Vermittler sind nach § 6 VVG verpflichtet, die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden zu ermitteln und sie umfassend zu beraten.

Da das Standardprodukt auch ohne Versicherungsmantel vertrieben werden darf, unterliegen branchenfremde Anbieter dieser Pflicht nicht. „Natürlich sind wir nicht erfreut, dass der Gesetzgeber hier so offenkundig unterschiedliche Spielregeln für die Anbieter von Vorsorgelösungen geschaffen hat“, so Horn.

„Trotzdem gilt: Altersvorsorge braucht Beratung! Denn auch wenn das Altersvorsorgereformgesetz die Förderung einfacher gemacht hat, bleibt die Auswahl der ganz persönlich passenden Altersvorsorge-Strategie ein komplexes Unterfangen“, sagt der Vorstand.

„Das Produktspektrum ist ein breites. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Auswahl des richtigen Mixes viel wichtiger und wertschaffender für den Kunden ist als die Jagd nach einem Zehntelprozentpunkt Vorsprung bei den Kosten. Ganz zu schweigen von Mehrwerten wie freier Wahl der Fondsanlage, Wechselmöglichkeiten oder Flexibilität“, ergänzt Horn.

Standardprodukt – Kosten nur ein Aspekt unter vielen

Die Versicherer sind zugleich verpflichtet, mindestens ein Produkt für das sogenannte Standarddepot anzubieten. Das Guthaben wird dabei ausschließlich in einen Aktien- und einen Rentenfonds investiert. Auf Garantien wird verzichtet, um langfristig höhere Renditechancen an den Kapitalmärkten zu ermöglichen. Zudem sind die Effektivkosten auf maximal ein Prozent begrenzt.

Horn geht davon aus, dass das Standarddepot die kostengünstigste Vorsorgelösung am Markt sein wird. Die Entscheidung für ein anderes Produkt müsse jedoch nicht allein vom Preis abhängen. Zur Veranschaulichung zieht er einen Vergleich zum Stadionbesuch:

„Die kostengünstigste Variante, ein Fußballspiel im Stadion anzusehen, ist sicherlich der Stehplatz – wo es ihn noch gibt. Und trotzdem möchten manche Zuschauer lieber sitzen – vielleicht nahe am Spielfeld und in Höhe der Mittellinie. Dafür sind sie bereit, mehr zu bezahlen.“

Kunden werden weiterhin auch andere Vorsorgeprodukte nachfragen

In der Altersvorsorge seien solche Mehrleistungen zum Beispiel Aspekte wie Garantien oder Verlässlichkeit des Vertragspartners in der Anspar- und der Rentenphase – diese ganze Thematik werde in der Diskussion deutlich unterschätzt.

„Wenn unsere Altersvorsorgeprodukte den entsprechenden Mehrwert bieten – und davon bin ich natürlich zutiefst überzeugt –, werden die Kunden sie bei guter Beratung auch nachfragen. Wichtig ist dann, mit den Kostenspannen solcher anderen Produkte auch wettbewerbsfähig zu sein. Und auch in dieser Hinsicht bin ich von unseren Produkten überzeugt.“

Wenn aber das gesetzlich vorgegebene Produktdesign eine individuelle Beratung (…) gar nicht vorsieht, dann sollten wir unsere Beratungsleistung auch nicht verschenken.

Oliver Horn, Ergo Vorsorge

Standarddepot wird „überwiegend beratungsfreie Produktlösung sein“

Wie attraktiv der Vertrieb des Standarddepots für Makler und Vertreter sein wird, ließ Horn offen. Nach seinen Worten sollen Vermittler das Produkt über digitale Kanäle anbieten können.

„Das Standarddepot wird ganz überwiegend eine beratungsfreie Produktlösung sein – dafür entscheidet sich der Kunde ja bewusst. Unsere Vermittler haben und nutzen digitale Kanäle. So können sie auch ihre Kunden bedienen, wenn sie eine solche standardisierte Lösung wünschen“, sagt der Vorstandschef.

Das eigentliche Beratungsgeschäft sieht Horn jedoch weiterhin bei individuellen Vorsorgelösungen: „Ich persönlich bin jedoch fest davon überzeugt, dass Kunden, die sich an einen Berater wenden, auch eine individuelle Lösung für ihre persönliche Situation haben möchten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Standardprodukt in der Breite dafür die richtige Lösung ist“, so Horn. Er ergänzt:

„Gute individuelle und persönliche Beratung ist eine wichtige Leistung – und muss auch angemessen vergütet werden. Wenn aber das gesetzlich vorgegebene Produktdesign eine individuelle Beratung aufgrund der Kostenvorschriften gar nicht vorsieht, dann sollten wir unsere Beratungsleistung auch nicht verschenken.“

Kein ruhiges Fahrwasser

Oliver Horn ist seit Anfang 2026 Vorsitzender des Vorstands der Ergo Vorsorge Lebensversicherung (28.10.2025). Mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge und den Diskussionen um die anstehende Rentenreform empfinde er das Fahrwasser alles andere als ruhig.

„Das aktuelle Umfeld empfinde ich als spannend und herausfordernd im positiven Sinne. Die derzeitige Diskussion um die Rente führt uns allen nochmals vor Augen, wie wichtig das Thema Altersvorsorge ist. Und wie sehr es darauf ankommt, zusätzlich zur gesetzlichen Rente auch private Vorsorge zu betreiben, um im Alter über eine angemessene finanzielle Ausstattung zu verfügen“, sagt er.

Dass der Gesetzgeber mit dem Altersvorsorge-Reformgesetz die kapitalgedeckte Altersvorsorge fördere und so viel stärker in der Breite verankern wolle, begrüße die Ergo ausdrücklich.

„Ich bin überzeugt: Als attraktiver Anbieter werden wir eine führende Rolle im Wettbewerb einnehmen – nicht nur innerhalb der Versicherungsbranche, sondern insgesamt am Markt für private und betriebliche Vorsorgelösungen.“

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