VGH legt in Schaden/Unfall wieder zu

7.12.2011 (€) – Die VGH Versicherungen sind trotz Schuldenkrise und Niedrigzins mit dem Geschäftsjahr 2011 zufrieden. Besonders erfreut zeigte sich Vorstandschef Robert Pohlhausen darüber, dass das Mutterunternehmen Landschaftliche Brandkasse in der Schaden- und Unfallversicherung erstmals seit 2003 wieder ein deutliches Wachstum erreicht. Den Beitragsrückgang bei der Provinzial Leben durch den Einbruch im Einmalbeitragsgeschäft kann Pohlhausen angesichts stabiler laufender Beiträge „aushalten“.

Die VGH Versicherungen erzielen 2011 trotz Schuldenkrise und Niedrigzins nach eigenen Angaben zufriedenstellende Ergebnisse. Wie Pohlhausen bei der Vorlage vorläufiger Jahreszahlen erklärte, werden sich spartenübergreifend die Beitragseinnahmen der vier VGH-Unternehmen – Schaden/Unfall, Leben, Kranken, Pensionskasse – um 3,4 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro verringern.

Konzernweit betragen die Beitragseinnahmen des öffentlich-rechtlichen Versicherers 2,14 (Vorjahr: 2,19) Milliarden Euro. Pohlhausen wertet dieses zweithöchste Beitragsergebnis in der Unternehmensgeschichte vor dem Hintergrund eines „sehr schwierigen“ Jahres für die Assekuranz als Erfolg.

Kfz-Geschäft im Plus

Die Brandkasse legt bei den Beitragseinnahmen um 2,3 Prozent auf 982 Millionen Euro zu. Dazu trägt ein gutes Neugeschäft ebenso bei wie ein Bestandswachstum. Am besten schneiden Rechtsschutz, Haftpflicht, Unfall und Sach ab.

In der hart umkämpften Kfz-Versicherung weist die Brandkasse nach einem Rückgang im Vorjahr (VersicherungsJournal 12.4.2011) einen Zuwachs von einem Prozent aus. Zwar habe der Markt bei der Summe besser abgeschnitten – bei der Brandkasse habe es nur „verhaltene“ Preisanpassungen gegeben –, bei der Stückzahl liege man aber mit einem Plus von 30.000 besser, betonte Pohlhausen.

Nach Marktanteilsverlusten in den Vorjahren habe man 2011 wieder zulegen können. Auch das Jahreswechselgeschäft 2011/12 sei gut angelaufen. Pohlhausen führt dies auf ein „intelligenteres Anreizsystem“ für die Agenturen zurück.

Photovoltaik spült Prämien herein

In der Sachversicherung spült der Photovoltaik-Boom Prämien in die Kasse. Allerdings gibt es laut Pohlhausen auch Schattenseiten, weil Photovoltaik die Versicherungsstruktur „durcheinanderbringt“. Erforderlich sei eine bauliche Trennung im Bereich von Brandschutzmauern und Kabelschächten. Ohne diese Maßnahmen seien Hallen mit Photovoltaikdach nicht versicherbar.

Der Schadenaufwand der Brandkasse steigt 2011 um 1,4 Prozent auf rund 675 Millionen Euro. Es gibt weniger Sturmschäden, aber eine Verdopplung der Schäden durch Großbrände.

Die Schaden-/Kostenquote steigt voraussichtlich auf 94,0 (92,3) Prozent, wozu auch die höhere Kostenquote – 26,5 nach 25,2 Prozent – beiträgt. Beide Werte liegen aber laut Pohlhausen unter dem Marktdurchschnitt.

Bei Hundehaftpflicht „konkurrenzlos“

Die Brandkasse profitiert von der am 1. Juli eingeführten Hundehaftpflicht-Versicherungspflicht in Niedersachsen. Über sie will das Land an die Hundesteuer ran, meint Pohlhausen.

400.000 Hunde sind den Angaben nach im Geschäftsgebiet versicherungspflichtig. Diese will die Brandkasse mit auf 50 bis 60 Euro fast halbierten Jahresbeiträgen (ohne Selbstbehalt) ködern. Dieses Beitragsmodell sei „konkurrenzlos“.

Weniger Zins – weniger Ertrag

Die nur leicht gewachsenen Kapitalanlagen der Brandkasse erreichen eine Nettoverzinsung von nur noch 2,6 (Vorjahr: 3,7) Prozent. Bei der Provinzial Leben mit ihren etwas stärker aufgestockten Kapitalanlagen sinkt die Nettoverzinsung auf 3,9 (4,3) Prozent.

Die schlechtere Verzinsung bei der Brandkasse führt Pohlhausen auf die im Vergleich zur Lebensversicherung kürzere Anlagefristen zurück. Wegen der relativ hohen Aktienquote von sechs Prozent der Brandkasse und des Niedrigzinses fällt das Kapitalanlageergebnis mit 68 Millionen Euro um 30 Millionen Euro niedriger als im Vorjahr aus.

Vor Steuern und Rückstellungen für Beitragsrückerstattung wird die Brandkasse voraussichtlich einen Gewinn von 50 (80) Millionen Euro verbuchen. Den Kunden sollen dennoch 2012 eine erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung von mehr als 20 (20) Millionen Euro zufließen.

Vier vor dem Komma

Bei der Provinzial Leben führt der „erwartete“ Einbruch bei Einmalbeiträgen auf 150 (237) Millionen Euro (VersichrungsJournal 30.8.2011) und der Einnahmen aus laufenden Beiträgen in Höhe von 515 (518) Millionen Euro insgesamt zu einem Beitragsrückgang um 11,5 Prozent auf 691 Millionen Euro (einschließlich Pensionskasse).

Bei den Einmalbeiträgen handele es sich jetzt um „echte“ Altersvorsorge und nicht mehr um Zinsgeschäfte, betonte Pohlhausen. Einen Abfluss aus dem Bestand habe es nicht gegeben. Insgesamt vermindert sich die Stornoquote der Provinzial Leben auf 3,8 (4,2) Prozent und liegt damit deutlich unter dem Marktdurchschnitt von 5,4 Prozent.

Bei der Überschussbeteiligung soll mit 4,0 (4,1) Prozent auch 2012 eine Vier vor dem Komma stehen. In der Branche erwartet der Vorstand ein Abrutschen unter die Vier-Prozent-Marke. Pohlhausen erhofft sich dadurch eine noch bessere Marktpositionierung.

Der Bruttoüberschuss wird auf 130 (150) Millionen Euro hochgerechnet. Davon sollen die Kunden mit 110 Millionen profitieren, sei es über die RfB, sei es über Direktgutschrift.

Mehr Krankenversicherungen

Mit einem Beitragszuwachs von 12,7 Prozent auf 54,3 Millionen Euro entwickelt sich die noch junge Provinzial Kranken besser als im Vorjahr. Der Bestand an versicherten Personen wächst um 2,9 Prozent auf 146.000 (142.315), davon 14.140 (13.752) Vollversicherte

Das Jahresergebnis vor Steuern und erfolgsabhängiger Beitragsrückerstattung legt auf 8,0 (6,8) Millionen Euro zu.

Belastend wirken die steigenden Krankheitskosten, dämpfend die seit Anfang 2011 geltenden gesetzlich eingeführten Arzneimittelrabatte auch für Privatversicherte.

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