27.4.2017 (€) – Viele Versicherungsnehmer wissen nicht, welche Schäden von einer Privathaftpflicht-Police standardmäßig (nicht) abgedeckt sind. Auch die Deckungssumme ist vielfach nicht einmal näherungsweise bekannt, wie eine Studie von Heute und Morgen unter 1.000 Privathaftpflicht-Versicherten zeigt. Besonders beliebt sind Baukasten-Produkte, wobei viele nach eigener Einschätzung einer professionellen Beratung bedürfen. Jeweils über die Hälfte der Versicherten ist grundsätzlich wechselbereit und offen für die Anbündelung weiterer Haftpflichtversicherung wie Berufs- oder Tierhalter-Haftpflicht. Über 40 Prozent haben schon mindestens einmal den Anbieter gewechselt.
Mehr als zwei von drei Privathaftpflicht-Versicherten bevorzugen einen bedarfsorientierten Zuschnitt ihrer Police nach dem „Baukasten-Prinzip“, bei jungen Versicherungsnehmern sind es sogar drei Viertel.
Dies zeigt die Trendstudie „Vertrieb von Privathaftpflicht-Versicherungen: Wissen und Wünsche der Kunden unter der Lupe“ der Heute und Morgen GmbH. Für diese hat das Marktforschungs- und Beratungsinstitut Mitte März 1.000 erwachsene Personen bis 65 Jahre befragt, die eine private Haftpflichtversicherung besitzen und diese selbst oder zusammen mit einer anderen Person abgeschlossen haben.
Wie Heute und Morgen weiter hervorhebt, werden solche Baukasten-Angebote von ebenfalls rund drei Vierteln der Haftpflichtversicherten als besonders innovativ und begeisternd erlebt. Bei kundengerechter Umsetzung könnten sich die Anbieter damit vom Wettbewerb abheben, so die Marktforscher.
Große Wissenslücken
Alleine trauen sich viele Privathaftpflicht-Versicherte die Leistungsauswahl bei solchen Baukasten-Policen allerdings nicht zu. Jeder zweite Befragte gab an, hier qualifizierte Beratung in Anspruch nehmen zu wollen. Dies ist vor dem Hintergrund eines weiteren Ergebnisses der Untersuchung wenig überraschend. Denn ebenfalls rund jeder zweite Privathaftpflicht-Versicherte zeigte große Wissenslücken hinsichtlich der Schadenbereiche und Leistungsumfänge von Privathaftpflicht-Policen.
So sind nach der irrigen Ansicht vieler Befragter die Absicherung von Mietsachschäden, Schäden durch deliktunfähige Kinder, Schäden an geliehenen, gemieteten oder gepachteten Sachen sowie Gefälligkeitsschäden standardmäßig abgedeckt.
Auch ist es der Umfrage zufolge ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Immobilienschäden, Allmählichkeitsschäden, Regresse der gesetzlichen Sozialversicherung oder Forderungsausfall-Deckungen grundsätzlich nicht in der Privathaftpflicht versicherbar seien.
Deckungssumme vielfach unbekannt
Beispiel Gefälligkeitsschäden: Mehr als zwei Drittel der Befragten vertraten die Einschätzung, jede Privathaftpflicht-Police leiste bei Gefälligkeitsschäden. Lediglich jeder fünfte Versicherte wählte die richtige Antwortoption („Diesen Schaden übernehmen manche Haftpflichtversicherungen, man kann dies zusätzlich abschließen.“).
Darüber hinaus konnten nur rund 40 Prozent zumindest annäherungsweise die Höhe der Deckungssumme ihrer Police für Sach- und Personenschäden beziffern. Hinsichtlich der Vermögensschäden war es nicht einmal jeder Fünfte.
Dr. Michaela Brocke, Geschäftsführerin bei Heute und Morgen, gibt vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse folgenden Tipp an die Assekuranz: „Produktgeber und Vertrieb sollten die Privathaftpflicht-Versicherten offensiv – und zugleich in einfach verständlicher Weise – informieren, welche Risiken in der PHV optional abgesichert werden können und welche Schäden standardmäßig nicht abgedeckt sind“.
Versicherungsnehmer können ihrer Ansicht nach nämlich „nur auf Basis erweiterter Produktkenntnisse ihren Bedarf genauer einschätzen und mögliche Lücken oder Unterdeckungen identifizieren.“
Wechselbereitschaft im Fokus
Aus Vertriebssicht interessant sind auch die Studienergebnisse zu den Themen Cross-Selling- und Wechselbereitschaft. So bekundete mehr als jeder zweite Befragte Interesse an Bündel-Angeboten zur Privathaftpflicht mit weiteren Haftpflicht-Policen wie etwa Tierhalter- oder Berufshaftpflicht.
Zudem zeigten fast sechs von zehn Privathaftpflicht-Versicherten grundsätzliche Wechselbereitschaft, wenn ein attraktives Angebot vorliegt (Antwortoptionen „trifft voll zu“ und „trifft eher zu“ auf einer fünfstufigen Skala). Aufgeschlüsselt nach soziodemografischen Merkmalen zeigen sich hier zum Teil deutliche Unterschiede.
So ist die grundsätzliche Wechselbereitschaft bei den männlichen Befragten etwas stärker ausgeprägt als bei den Frauen und sinkt mit zunehmendem Alter (von rund drei Vierteln bei den jüngeren Versicherungsnehmern auf unter die Hälfte bei den Über-50-Jährigen). Mit steigendem Haushaltsnettoeinkommen nimmt die Wechselbereitschaft hingegen von weniger als der Hälfte auf fast zwei Drittel zu.
Den größten Anteil derjenigen, die einem Anbieterwechsel skeptisch gegenüber stehen (Antwortoptionen „trifft eher nicht zu“ beziehungsweise „trifft gar nicht zu“), gibt es mit knapp einem Drittel unter den 50- bis 65-Jährigen sowie mit jeweils rund einem Viertel bei den weiblichen Befragten, den Kunden mit seit über fünf Jahren laufenden Verträgen sowie den Privathaftpflicht-Versicherten mit einem Einkommen von unter 1.500 Euro.

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Garantien als Wechselanreize
Als weiteres Ergebnis hebt das Marktforschungsinstitut hervor, dass bereits mehr als vier von zehn Befragten schon mindestens einmal zu einem anderen Anbieter gewechselt sind, rund jeder Dritte davon sogar schon mehrmals.
Gefragt wurde ferner nach den attraktivsten Wechselanreizen. Hier wählten die Befragten in gestützter Abfrage neben Policen ohne Selbstbeteiligung insbesondere Garantieversprechen, wozu etwa Leistungs-Update-Garantien, Besitzstands-Garantien oder vor allem auch Best-Leistungs-Garantien zählen.
Letztere erhalten zunehmend Einzug in die Bedingungswerke nicht nur in der Privathaftpflicht-, sondern auch in anderen Kompositversicherungs-Zweigen. Doch je nach Anbieter können sie im Detail höchst unterschiedlich ausgestaltet sein (VersicherungsJournal 18.5.2016).
Persönliche Beratung dominiert weiterhin
Die Untersuchung von Heute und Morgen gibt auch Aufschluss über die Vertriebswege, über die Privathaftpflicht-Policen abgeschlossen werden. Auch wenn das Internet als Abschlusskanal in letzter Zeit „überproportionale Zuwächse“ auf ein knappes Viertel Anteil erzielt hat, so dominiert dennoch weiterhin die persönliche Beratung: Mehr als sieben von zehn Verträgen werden bei einem Versicherungsvermittler beziehungsweise Bankberater abgeschlossen.
Dies wird nach Einschätzung des Marktforschungs-Instituts auch so bleiben. „Insbesondere für Angebote jenseits vorkonfektionierter Standardpolicen und für gezielte Vertriebsoffensiven wird die persönliche Beratung auf absehbare Zeit […] unverzichtbar bleiben.“ Dies deckt sich mit den Erkenntnissen verschiedener weiterer Untersuchungen aus letzter Zeit (VersicherungsJournal 19.10.2016, 31.10.2016).
Weitere Informationen zu den Inhalten sowie zum Preis der rund 100-seitigen Studie „Vertrieb von Privathaftpflicht-Versicherungen: Wissen und Wünsche der Kunden unter der Lupe“ aus der Studienreihe „Vertriebs-Insights“ können in diesem Studienflyer nachgelesen werden.




