13.2.2017 (€) – Risiko-Lebensversicherungen, die als Honorarberatertarif ohne oder mit verringerten Vertriebskosten kalkuliert sind, sind zwischen zwei und 14 Prozent billiger als die herkömmlichen Pendants der jeweiligen Anbieter. Diese Nettotarife unterbieten teilweise auch die Direktversicherer. Das zeigt der Vergleich von Tarifbeispielen aus dem Map-Report 890 – Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer.
Die Honorarberatung als Alternative zur Vergütung der Vermittler durch Provisionen zu etablieren, ist der erklärte Wille der Regierungskoalition. Das wurde zuletzt durch den Kabinettsbeschluss zur Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebs-Richtlinie (IDD) in deutsches Recht unterstrichen (VersicherungsJournal 19.1.2017).
Auch in der Vermittlerschaft ist das Interesse an der so genannten Honorarberatung gestiegen (VersicherungsJournal 16.9.2016).
Dementsprechend bieten immer mehr Versicherer Tarife an, in die keine Vermittlerprovisionen einkalkuliert sind und auch die übrigen Vertriebskosten mehr oder weniger herausgerechnet wurden. Das betrifft insbesondere die Lebensversicherer (VersicherungsJournal 17.1.2017).
Map-Report untersucht Brutto- und Nettotarife
Wie sich die kostenreduzierten Tarife von den klassisch mit Provisionen kalkulierten Policen unterscheiden, wird seit dem letzten Jahr vom Map-Report untersucht.
Beim Vergleich von Fondspolicen zeigten sich bei den Effektivkosten Unterschiede von teilweise über 50 Prozent.
Entsprechend ergaben sich beispielsweise bei einer Beitragssumme von 36.000 Euro nach 30 Jahren Laufzeit Mehrleistungen der Nettopolicen zwischen 5.773 und 11.462 Euro. Davon ist gegebenenfalls ein Vermittlungshonorar abzuziehen (VersicherungsJournal 10.10.2016).
Große Unterschiede auch bei Risiko-Lebensversicherungen
Auch bei Risiko-Lebensversicherungen gibt es unterschiedlich große Differenzen. Das zeigt der Map-Report 890 – Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer (VersicherungsJournal 21.12.2016).
In dem Vergleich sind für sieben Versicherer für drei Musterfälle Brutto- und Nettotarife abgebildet.
Einer der Musterfälle ist gerechnet für einen 40-jährigen Journalisten, Nichtraucher, der am 1. Dezember 2016 eine Risiko-Lebensversicherung mit einer gleichbleibenden Versicherungssumme von 300.000 Euro über 20 Jahre Laufzeit abgeschlossen hat.
Bei der Interrisk Lebensversicherungs-AG Vienna Insurance Group ist der Nettotarif („SR1N – Konzept XL“) mit einer kalkulierten Beitragssumme von 18.860 Euro um 460 Euro billiger als der Provisionstarif („AR1N – Konzept XL“). Das ist der vergleichsweise kleinste Abschlag von zwei Prozent.
Die Bayerische und Volkswohl Bund ermäßigen Nettotarife am stärksten
Am größten ist die absolute Differenz bei der Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG (die Bayerische, Tarif „15850“). Hier liegt die Beitragssumme des Nettotarifs bei 1.920 Euro und damit neun Prozent unter der klassischen Variante.
Den größten prozentualen Abschlag von 13 Prozent (1.400 Euro) bietet die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. in der Honorarberaterversion des „Tarifs 20“.
Die Stuttgarter ist gleichzeitig von den sieben Versicherern, die Brutto- und Nettotarife alternativ anbieten, in dem Beispiel in beiden Varianten am preisgünstigsten. Das ist sie auch im Vergleich mit den weiteren 28 Teilnehmern der Untersuchung, mit Ausnahme der Cardif Lebensversicherung, Zweigniederlassungen für Deutschland der Cardif Assurance Vie S.A. Sie unterscheidet nicht zwischen Brutto- und Nettoprämien und liegt mit einer Beitragssumme von 6.755 Euro gut 30 Prozent unter der Stuttgarter.
Bei den Nettobeiträgen ist die Reihenfolge anders
Auch bei den um den Beitragsvorwegabzug aus der Überschussbeteiligung verringerten Nettobeiträgen ist bei der Interrisk die Ersparnis der Honorarberatertarife mit 240 Euro von 10.040 Euro (minus zwei Prozent) am geringsten.
Den größten absoluten Abschlag weist mit 2.060 Euro von 14.240 Euro die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. auf. Das ist mit 14 Prozent gleichzeitig die größte prozentuale Differenz.
Es zeigt sich an der unterschiedlichen Reihenfolge im Vergleich zu den Bruttoprämien, dass die abweichende Kalkulation der Nettopolicen sich auch auf die Gewinnbeteiligung auswirkt. Zu einem umfassenden Vergleich gehört also die Betrachtung von Brutto- und Nettobeiträgen.
Zu berücksichtigen ist außerdem, dass sich die Nettobeiträge ändern, wenn sich die Überschussbeteiligung verbessert oder verschlechtert.
Nettotarife sind nicht automatisch am billigsten
Während bei den Bruttobeitrags-Summen in dem Beispiel die Cardiff die Rangliste anführt, ist bei den derzeitigen Nettobeiträgen die Mylife Lebensversicherung AG mit 5.256 Euro am billigsten.
Die zweitplatzierte Europa Lebensversicherung AG (6.360 Euro) wird unterboten von den Bruttopolicen der:
- Ergo Direkt Lebensversicherung AG, Tarif „R6“, Beitragssumme netto 5.646 Euro,
- Huk-Coburg-Lebensversicherung AG, „W8“, 6.117 Euro,
- Hannoversche Lebensversicherung AG, „T1N10“, 6.233 Euro, und
- WGV Lebensversicherung AG, „R1LN12“, 6.315 Euro.
Jedes Beispiel ist anders
In anderen Konstellationen unterscheidet sich die Reihenfolge der Versicherer. Das zeigt das Beispiel einer Risiko-Lebensversicherung über 300.000 Euro, die ein 30-jähriger Zimmermannmeister, Raucher, am 1. Dezember 2016 über 30 Jahre Laufzeit abgeschlossen hat.
Hier liegt die Ersparnis des Honorarberatertarifs nach der Summe der Nettobeiträge zwischen 360 Euro (Interrisk) und 4.530 Euro (Volkswohl Bund). Den billigsten Honorarberatertarif hat Cardif (Beitragssumme 15.051 Euro), für den es kein Pendant mit einkalkulierter Provision gibt.
Der Tarif mit den niedrigsten Zahlbeiträgen ist der „T1N10“ der Hannoverschen Leben mit einer Beitragssumme von 13.871 Euro, gefolgt von WGV („R1LN12“, 14.316 Euro) und Credit Life AG („TG16“, 14.608 Euro). Erst dann stehen in der Rangfolge die ersten Nettotarife (Cardif, 15.051 Euro und Stuttgarter, 18.420 Euro).
Die Tarifprämie ist nicht alles
Schon die zwei Beispiele zeigen, dass sich die Rangfolge der Versicherer je nach Fall erheblich unterscheiden kann. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht verallgemeinern.
Ob ein Angebot „günstig“ ist, hängt zudem von hier nicht betrachteten Aspekten wie Bedarfsgerechtigkeit der angebotenen Tarife, Ausgestaltung der Versicherungs-Bedingungen, Annahmerichtlinien, Beurteilung der individuellen Gesundheitsverhältnisse, dem Service und der Stabilität des Versicherers ab.
Für den Verbraucher ist bei Nettotarifen zudem zu beachten, dass zwar die Beiträge geringer sind, aber normalerweise ein Beratungs- oder Vermittlungshonorar zu zahlen ist. Das kann niedriger, aber auch höher sein als die im Tarif ersparten Vertriebskosten.
Für Vermittler zeigt der Vergleich, dass sie mit manchen Honorarberatertarifen Direktversicherer wie Cosmos, Ergo Direkt und Hannoversche preislich schlagen können. Dabei kann sogar noch Luft sein für ein Vermittlungs- oder Beratungshonorar.
Weitere Studiendetails
Die vollständigen Beitragstabellen für je drei Tarifbeispiele der Risikolebens- und Berufsunfähigkeits-Versicherung sind Bestandteil des Map-Reports Nummer 890 – „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“.
Die Studie enthält darüber hinaus umfangreiches Datenmaterial zu zahlreichen Bilanz-, Service- und Vertrags-Kennzahlen der Lebensversicherungs-Gesellschaften.
Der Map-Report ist lieferbar als (nicht druckbare) PDF-Datei für 77 Euro und als gedrucktes Heft für 85 Euro, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer. Bestellt werden kann unter diesem Link.









