So will sich die Moin Group als Makleraufkäufer etablieren

25.6.2026 – Mit der Moin Group startete ein neuer Konsolidierer auf dem deutschen Maklermarkt, der seinen Schwerpunkt im Privatkundengeschäft mittelständischer Versicherungsmakler sieht. Mit Warburg Pincus hat die Gruppe einen Finanzinvestor im Rücken. Was das Unternehmen plant und wo es seinen Schwerpunkt sieht, berichtet Dr. Philipp Kanschik.

Mit der Modern Insurance Technology GmbH (Moin Group) ist ein neues Unternehmen auf den Markt der Maklernachfolge getreten, das sich auf das Feld der Konsolidierungen spezialisiert hat. Ziel ist es, Maklerhäuser aufzukaufen, in den eigenen Firmenbund zu integrieren und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Prozesse zu optimieren, so dass Effizienzgewinne innerhalb der Gruppe realisiert werden können.

Die Köpfe der Moin Group

Hinter der Moin Group stehen drei Gründer. Im Handelsregister der GmbH sind derzeit Dr. Philipp Kanschik (40) und Moritz Delbrück (48) als Geschäftsführer eingetragen.

Bekannt im Maklermarkt ist vor allem Kanschik. Er war zuvor Managing Director und Gesellschafter des Zweitmarktaufkäufers Policen Direkt Versicherungsvermittlung GmbH, der im Maklermarkt auch Modelle zur sogenannten Maklerrente entwickelte. 2024 zog er sich überraschend aus dem operativen Geschäft zurück (VersicherungsJournal 31.7.2024).

Auch Delbrück verfügt über Erfahrung in der Start-up- und Tech-Szene. Zuletzt war er als Managing Partner der Consulting- und Venture-Boutique HD Solutions GmbH tätig.

Zudem übernahm der studierte Philosophie- und Wirtschaftswissenschaftler Beratungsmandate im Umfeld der weltweit tätigen Investmentgesellschaft CVC Capital Partners sowie operative Aufgaben bei der Kommunikationsplattform Flexperto GmbH. Von 2016 bis 2020 war er CEO der Justix GmbH, einer Tochter der Arag SE.

Zu den Gründern zählen außerdem die Softwareentwickler und Berater André Hoendgen, der ebenfalls bereits bei Flexperto aktiv war, sowie Fabian Rothe, der zuvor beim Übersetzungssoftware-Anbieter Deepl SE beschäftigt war.

Das Team der Moin Group: Fabian Rothe, André Hoendgen, Moritz Delbrück und Philipp Kanschik (Bild: Nicolas Herwig)
Das Team der Moin Group: Fabian Rothe, André Hoendgen, Moritz Delbrück und Philipp Kanschik
(Bild: Nicolas Herwig)

Welche Investoren hinter der Moin Group stehen

Aus der aktuellen Gesellschafterliste der Moin Group geht hervor, dass die German Brokerage & Technology GmbH rund 65 Prozent und die Moin Co-Invest I GmbH & Co. KG rund 35 Prozent der Anteile halten.

Auf Nachfrage bestätigte Philipp Kanschik, dass hinter der Struktur der Private-Equity-Investor Warburg Pincus LLC steht, der wirtschaftlich rund 60 Prozent der Anteile kontrolliere. Die German Brokerage sei dabei das Beteiligungsvehikel für Investments im deutschsprachigen Raum.

Damit steht hinter dem neuen Makleraufkäufer ein Investor, der sich bereits stark auf dem Konsolidierungsmarkt engagiert. Warburg Pincus kontrolliert die Blau-direkt-Gruppe über eine Beteiligungsstruktur und somit den zweitgrößten Maklerdienstleister auf dem deutschen Markt (18.9.2025). Auch die Netfonds AG wurde übernommen.

Die restlichen Anteile würden sich auf das Gründerteam und kleinere Investoren verteilen, berichtet das Unternehmen weiter. Darunter seien der frühere Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sowie Professor Dr. Torsten Oletzky, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Ergo Versicherungsgruppe AG.

Welche Maklerunternehmen kommen für Übernahmen infrage?

Kanschik berichtet, dass die Moin Group vor allem das Privatkundengeschäft im Blick habe. Interessant seien dabei Maklerbetriebe mit mindestens zehn Mitarbeitern.

„Wir haben primär ein skalierbares Geschäftsmodell im Blick. Das findet sich besonders im Privatkundenbereich, weil es dort eine Vielzahl wiederkehrender Geschäftsprozesse gibt und damit ein großes Potenzial, Abläufe durch KI-gestützte Automatisierung effizienter zu machen.“

Übernahmen außerhalb des Privatkundengeschäfts seien ebenfalls denkbar, „wenn das Unternehmen gut aufgestellt ist und wir technologisch sinnvolle Hebel sehen“, ergänzt Kanschik.

Das Geschäftsmodell der Gruppe sei dabei auf Übernahmen oder Mehrheitsbeteiligungen ausgerichtet. „Das ist für uns zentral, weil wir die operative Weiterentwicklung der Maklerhäuser mit KI im Alltag nur so konsequent umsetzen können. Minderheitsbeteiligungen sind daher nicht unser Ansatz“, so der Gründer.

Maklerunternehmen sollen mit früheren Inhabern gemeinsam weiterentwickelt werden

Auf die Frage, ob die bisherigen Maklerunternehmer nach einer Transaktion regelmäßig als Mitgesellschafter beteiligt bleiben, antwortete Kanschik, dass man dies nicht verallgemeinern könne.

„Entscheidend ist für uns, die Unternehmen gemeinsam mit den Verkäufern und der Geschäftsleitung weiterzuentwickeln. Wenn das gelingt, profitieren beide Seiten gleichermaßen. Bei den Verkäufern lässt sich das zum Beispiel über attraktive Earn-out-Modelle umsetzen, aber auch über eine Rolle als Mitgesellschafter“, erklärt er.

Man verstehe sich jedoch als Partner der Maklerhäuser. Deshalb sollen die bisherigen Eigentümer beziehungsweise Geschäftsführer auch nach der Übernahme im Betrieb bleiben und diesen leiten: „Sie kennen Kunden, Bestand und Prozesse am besten und genau dieses Wissen ist entscheidend, um Technologie sinnvoll in den Alltag zu bringen“, so Kanschik.

Entsprechend sollen auch der Name und die Marke der Maklerhäuser nach den Transaktionen bestehen bleiben. Die Vermittlung und Kundenbeziehung liege in den jeweiligen operativen Maklerunternehmen. „Uns ist wichtig, dass die lokale Identität erhalten bleibt, weil sie für viele Kunden das zentrale Bindeglied in der Beziehung ist.“

Schwerpunkt auf KI-Prozesse

Doch was unterscheidet die Gruppe von anderen Makleraufkäufern auf einem zunehmend umkämpften Konsolidierungsmarkt? Auffallend ist der starke Fokus auf Technologie, insbesondere auf eine hauseigene KI-Plattform. Eine eigene Vermittlerlizenz besitzt das Unternehmen nicht.

„Primär unterstützen wir unsere Beteiligungen mit Technologie und insbesondere beim Einsatz von künstlicher Intelligenz“, so Kanschik. Die KI soll vor allem administrative und wiederkehrende Aufgaben automatisieren. Dadurch könnten Makler mehr Zeit für Beratung und Kundenbetreuung aufwenden.

Der Mehrwert entstehe jedoch erst, wenn KI fest in die Arbeitsabläufe eines Unternehmens integriert werde, wobei IT- und Fachexperten unterstützen sollen. Die Moin Group verstehe sich daher nicht nur als Konsolidierer, sondern wolle die übernommenen Maklerhäuser auch technologisch weiterentwickeln. Operativ sei man dabei vor allem im Hintergrund tätig.

Als Beispiele für automatisierbare Prozesse nennt der Geschäftsführer unter anderem Dokumentenaufnahme und -verarbeitung, Bestands- und Vertragsservice, fallbasierte Workflows sowie Vertriebsprozesse. „Welche weiteren KI-Lösungen sinnvoll sind, definieren wir entlang echter Arbeitsabläufe gemeinsam mit den Maklerhäusern“, ergänzt Kanschik.

Was bedeutet eine Übernahme für die Mitarbeiter der Maklerhäuser?

Was bedeutet die Übernahme für die Mitarbeiter der Maklerbüros – müssen diese gar um ihren Job bangen, wenn die KI einen Großteil der Routineaufgaben übernehmen soll?

„Heute verbringen viele Makler einen großen Teil ihrer Zeit mit administrativen Aufgaben. Unser Ziel ist eine spürbare Entlastung bei genau diesen Routinetätigkeiten, damit die Mitarbeiter wieder mehr Zeit haben für Beratung und Kundenkontakt“, erwidert Kanschik.

Bisher übernommen worden seien die Compari GmbH & Co. KG aus Mellrichstadt sowie die Süga-Gruppe mit Sitz in Chemnitz. Weitere Übernahmen befänden sich bereits in der Schlussphase.

Zu konkreten Akquisitionszielen oder Deal-Zahlen will sich die Gruppe derzeit nicht äußern. Entscheidend sei nicht die Zahl der Übernahmen, sondern die Frage, welche operativen und technologischen Verbesserungen sich in den übernommenen Maklerhäusern erreichen ließen, so Kanschik.

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