2.3.2016 (€) – Bei einem vor allem durch deutlich geringere Einmalbeiträge in der Lebensversicherung verursachten Umsatzrückgang konnte die Allianz Deutschland AG im Geschäftsjahr 2015 sowohl das operative Ergebnis als auch den Gewinn weiter steigen. Veränderungsbedarf sieht der neue Vorstandschef trotzdem – und das nun vor allem bei der Servicequalität.
Alles in allem war 2015 für die Allianz Deutschland AG nach Einschätzung von Dr. Manfred Knof, dem neuen Vorstandsvorsitzenden, „ein sehr erfolgreiches Jahr“. Der Gesamtumsatz ging vor allem wegen deutlich geringerer Einmalbeiträge in der Lebensversicherung zwar um 3,6 Prozent auf 30,9 Milliarden Euro zurück, stellte damit aber trotzdem den zweithöchsten Wert in der Unternehmensgeschichte dar.

- Manfred Knof (Bild: Müller)
Das operative Ergebnis verbesserte sich trotz eines leichten Anstiegs der kombinierten Schaden-/Kostenquote in der Sachversicherung zugleich um vier Prozent auf 2,7 Milliarden Euro und das Jahresergebnis sogar um 19,4 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Bei dieser hohen Zuwachsrate spielte allerdings auch eine Rolle, dass dessen Höhe im Vorjahr durch einen Sondereffekt belastet war.
Verbessertes Kapitalanlage-Ergebnis
Beigetragen hat dazu jedoch ebenso ein trotz der Zinsproblematik deutlich höheres Ergebnis aus den um 2,2 Prozent auf 276,6 Milliarden Euro angewachsenen Kapitalanlagen, bei denen eine „dynamische Umsteuerung in Alternative Assets Überrenditen sichert“, wie Finanz-Vorstand Burkhard Keese erläuterte. Es verbesserte sich gegenüber 2014 um 9,1 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro.

- Burkhard Keese (Bild: Müller)
Nicht zuletzt hat sich laut Keese sowohl in der Umsatz- als auch in der Ertragsentwicklung die „risikoorientierte Zeichnungspolitik“ niedergeschlagen. Die Zahl der Kunden sei mit insgesamt 20,7 Millionen dennoch „stabil“.
Kunden-Verluste in der Sachversicherung gestoppt
Allerdings reduzierte sich in der Krankenversicherung die Zahl der Vollversicherten erneut, und zwar von 641.000 auf 628.000. Hier scheiden trotz eines starken Neugeschäfts, das die gesamten Beitragseinnahmen in diesem Bereich um 0,4 Prozent auf 3,26 Milliarden Euro ansteigen ließ, noch immer mehr Kunden durch Tod oder das Wiederaufleben der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung aus, als hinzugewonnen werden, berichtete das für diesen Bereich zuständige Vorstandsmitglied Dr. Birgit König.
Dafür konnte aber, wie Keese und Knof hervorhoben, der jahrelange Abrieb bei den Privatkunden in der Sachversicherung 2015 inzwischen gestoppt werden. Im Kraftfahrtgeschäft habe die Allianz im Bestand ebenfalls 100.000 neue Fahrzeuge hinzugewinnen können.
Die Beitragseinnahmen in der Schaden- und Unfallversicherung nahmen damit insgesamt um ein Prozent – und damit laut Keese nun wieder „auf Marktniveau“ – zu und erreichten 9,6 Milliarden Euro. In der Lebensversicherung gingen sie dagegen um 6,7 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro zurück.
Produktivität des Ausschließlichkeits-Vertriebs „auf Höchststand“
Hier verminderten sich die Einmalbeiträge um 15,3 Prozent auf 8,0 Milliarden Euro. Die laufenden Beiträge wuchsen um 1,8 Prozent an.
Mit der Vertriebsleistung zeigte sich Vorstandschef Knof insgesamt denn auch sehr zufrieden. Den Ausschließlichkeits-Vertretern des Unternehmens attestierte er eine „Produktivität auf Höchststand“.
Zugleich ließ er wissen, dass ihr zahlenmäßiger Rückgang inzwischen gestoppt werden konnte. Künftig sei durchaus auch wieder ein Zubau vorstellbar.
Stärkere Nutzung digitaler Technologien soll Service-Qualität verbessern
Akuten Handlungsbedarf sieht er aber gleichwohl nach wie vor noch. Das vor allem im Servicebereich.
Während sich hinsichtlich der Beratungsqualität nämlich 95 Prozent der Allianz-Kunden „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“ zeigen, fällt deren Urteil mit Blick auf den Service bislang noch deutlich schlechter aus. Das ergibt sich aus den regelmäßig durchgeführten Umfragen für den Bericht „Ergebnis für den Kunden“, wie Knof konstatierte.
Hier wolle die Allianz daher – außer durch neue Produkte – vor allem durch die verstärkte Nutzung digitaler Technologien sowie mehr Assistance-Angebote punkten, kündigten er an. So wird laut Marktmanagement-Vorstand Bernd Heinemann Mitte des Jahres beispielweise eine neue Schaden-App zur Verfügung stehen, um den Regulierungsprozess bei Kaskoschäden zu beschleunigen.

- Bernd Heinemann (Bild: Müller)
Eine neue Schaden-App und mehr Personal am Telefon
Kunden, die einen Schaden an ihrem Fahrzeug melden wollen, könnten sich dann einen Link zum Download der App schicken lassen, den Schaden anschließend fotografieren und die Bilder zusammen mit weiteren Angaben online an die Allianz senden. Bei einfachen Fällen könne der Sachbearbeiter die Schadenhöhe so direkt feststellen.
Entscheide sich der Kunde in solchen Fällen für eine Auszahlung des angebotenen Schadenersatzes, werde die Überweisung innerhalb von wenigen Stunden angestoßen. Bislang dauert dies laut Heinemann in der Regel mehr als zwei Wochen.
Bei anderen Sachversicherungs-Schäden würden die Kunden künftig aktiv per SMS oder E-Mail über den Fortschritt der Bearbeitung informiert, um so die Transparenz zu erhöhen. 150 zusätzliche Mitarbeiter sorgten außerdem inzwischen dafür, dass sich die telefonische Erreichbarkeit der Allianz deutlich verbessere.




