Ruhestandsplanung: Breiter Service für eine vermögende Zielgruppe

24.9.2026 – Der von drei Geschäftsführern mit Erfahrung im Versicherungsvertrieb gegründete Dienstleister Boomer Finance bietet ein Analyse-Tool für den kooperativen Beratungsprozess. Zu dem ganzheitlichen Konzept gehört ein Netzwerk aus spezialisierten Beratern wie zum Beispiel Notaren, Rechtsanwälten und Steuerberatern. Gemeinsames Ziel ist es, Vermögenden neben finanzieller Sicherheit auch mehr Gelassenheit im Alter zu geben.

Die Boomer Finance GmbH hat ein ihr selbst entwickeltes Analyse-Tool unter dem Namen „Financial Wellbeing Index“ vorgestellt. Hiermit sollen Verbraucher der Generation 50plus feststellen können, wie gut sie finanziell für ihren Ruhestand aufgestellt sind. Beim Financial Wellbeing geht es demnach nicht nur um den Vermögensaufbau, sondern auch um die rechtliche Vorsorge und Nachlassplanung.

Zu diesen Themen werden dem Nutzer mehr als 40 Fragen gestellt und die entsprechenden Antworten hierauf mit Punkten bewertet. Deren Gesamtsumme zeigt am Ende als Prozentsatz an, inwieweit der Kunde seine Angelegenheiten für einen entspannten Ruhestand bereits geregelt hat und um welche Themenbereiche er sich mit Hilfe von Experten noch vertieft beschäftigen sollte.

Die kurz vor der Rente oder Pension stehende Zielgruppe soll so in etwa 15 Minuten ein strukturiertes Gesamtbild ihres persönlichen Stands der Vorbereitungen für die neue Lebensphase erhalten. Der Indexwert soll ihnen Orientierung geben und als Ausgangspunkt für eine persönliche Finanzberatung beziehungsweise Gespräche mit Steuerberatern oder Rechtsanwälten dienen, betonen die Betreiber.

Ziel: Netzwerk aus spezialisierten Beratern aufbauen

Der im Juli 2025 gegründete Vermittler von Versicherungsverträgen, Finanzanlagen und Immobiliardarlehen mit Sitz in Grünwald erwartet nach eigenen Angaben eine „massive Ruhestandswelle“. Dieser demografische Trend in Deutschland stellt demnach eine der größten finanziellen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte dar.

Konkret sollen innerhalb der kommenden zehn Jahre bis zu 20 Millionen Angehörige der sogenannten Babyboomer-Generation aus dem Berufsleben ausscheiden (VersicherungsJournal 20.11.2025). Damit würden sich auch „die Anforderungen an Finanzberatung und Vermögensstrukturierung grundlegend verändern“, heißt es von dem Unternehmen.

Boomer Finance will „neben der Beratung von Privatkunden und Unternehmern gezielt ein Netzwerk aus spezialisierten Beraterinnen und Beratern aufbauen“. Denn: „Mit dem Eintritt der Babyboomer-Generation in den Ruhestand wächst der Bedarf an strukturierter, unabhängiger Beratung erheblich.“

Geschäftsführer mit Erfahrung im Versicherungsvertrieb

Doch es fehle oftmals an „integrierten Lösungen, die finanzielle, rechtliche und persönliche Aspekte zusammenführen“. Wie der neue Makler diesen Anspruch erfüllen will, hat das VersicherungsJournal nachgefragt bei den Gründern um den „Initiator“ des Unternehmens, Olaf Neuenfeldt (59). Er ist unter anderem Fachautor (11.8.2015) und Vorsitzender des Initiative Ruhestandsplanung e.V.

Als weiterer Geschäftsführer ist Claus Gillen (61) eingetragen, der 2008 von der MLP SE zur Formaxx AG gewechselt war (4.4.2008). Von 2016 bis 2020 war er als Vertriebsvorstand für die Finum.Finanzhaus AG, eine Tochtergesellschaft der JDC Group AG, tätig. Im Anschluss wurde Gillen Vorstand der damaligen Bonnfinanz AG für Vermögensberatung und Vermittlung (24.11.2020).

Charles Neus (Bild: Boomer Finance)
Charles Neus (Bild: Boomer Finance)

Dritter Geschäftsführer ist Charles Neus (61), der seit 2008 Vertriebsleiter der JPMorgan Asset Management (Europe) S.à r.l., Frankfurt Branch war. Seit 2011 arbeitete er knapp 13 Jahre lang als Leiter Altersvorsorge-Lösungen bei der Schroder Investment Management (Europe) S.A.

Honorare und Gebühren oder Provision 

Bei Boomer Finance spielt die Vermittlung von Versicherungen und Finanzanlagen gegen Provision keine große Rolle, stellt Neus zum Geschäftsmodell seines neuen Arbeitgebers klar.

Das erste Produkt der „Financial Wellbeing-Finanzberatung“ sei die Analyse der individuellen Einkommens- und Vermögens- sowie Wohn- und Gesundheitssituation, die mit der Lebensplanung des Kunden abgeglichen wird. „Hier werden meistens Honorare und Gebühren genommen.“

Die genaue Höhe muss der Berater demnach individuell mit seinem Kunden verhandeln. Bei der zunächst zu erstellenden Analyse des Istzustands gehe es häufig zunächst darum, Ordnung in einen unstrukturierten „Zettelhaufen“ zu bringen.

Vermittlung von Produkten oft durch Provisionen vergütet

„Dies erfolgt unserer Empfehlung zufolge am besten gegen eine Gebühr, die beispielsweise 150 Euro pro Stunde oder bis zu 1.000 Euro pro Tag betragen kann“, erklärt Co-Geschäftsführer Neuenfeldt. Im anschließenden zweiten Schritt entscheidet der Kunde, wie er weiter vorgehen will. „Nach der Beratung erfolgt die Umsetzung, hier können Provisionen oder laufende Vergütung gewählt werden.“ Boomer Finance erhalte hiervon einen individuell mit den Partnermaklern vereinbarten Anteil.

Olaf Neuenfeldt (Bild: Boomer Finance)
Olaf Neuenfeldt (Bild: Boomer Finance)

Die Sorge, dass bei dieser anschließenden Vermittlung von Produkten die Vergütung gegen Provision zu Interessenkonflikten führen könnte, teilt Neuenfeldt nach eigenen Angaben nicht. „Im Fokus unserer Beratung stehen Finanzfragen, zu denen viele Verbraucher nur geringes Wissen haben.“ Diese komplexen Themen sollen ihnen mithilfe der Expertentipps weniger Stress verursachen.

„Statt auf den Produktverkauf setzen wir auf ganzheitliche Konzepte“, so Neuenfeldt weiter. Deren Basis sei die Ruhestandsplanung, die neben Versicherungen auch die Anlage des Vermögens, eine mögliche Immobilienverrentung oder auch zum Beispiel Aspekte der Erbschaftssteuer berücksichtigt. „Medizinische Themen gehören aber nicht zu unserem Beratungsangebot“, schränkt er ein.

Zielgruppe vermögender Menschen 50 plus

Neus betont jedoch, dass für die Zielgruppe der vermögenden Menschen im Alter über 50 Jahren neben Geld einfach umzusetzende Präventionsthemen wichtig sind. „Gesundheit und Lebenserwartung werden zu wenig in die ganzheitliche Finanzberatung integriert.“

Eine reale Gefahr sei es nämlich, im höheren Alter mit Krankheiten leben zu müssen, aber mit dem angesparten Vermögen nicht mehr auszukommen. „Daher ist eine Einschätzung der persönlichen Lebenserwartung mit allen Faktoren wichtig. Das Vermögen muss bis dahin reichen.“

Neus kritisiert, dass beispielsweise Verbrauchermedien zwar die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern und Frauen mit etwa 78 beziehungsweise 83 Jahren nennen. Doch: „Das ist zu wenig.“ Größere Vermögen gingen mit einer bis zu zehn Jahre höheren Lebenserwartung einher.

Besonderer Beratungsbedarf bei der Zielgruppe Frauen

Besonderer Beratungsbedarf bestehe bei der Zielgruppe der Frauen über 50, von denen viele unzureichend fürs Alter vorgesorgt hätten. Weil viele ihrer Verträge über die Ehemänner laufen, seien sie oftmals „konzeptionell unterversorgt“.

Zum Problem wird für viele Frauen heute, dass sie sich über Jahre auch um Kinder und Angehörige kümmern mussten. „Sie haben deshalb weniger Ansprüche aus dem System“, erklärt Neus. In der Folge bedeutete eine Trennung oder Scheidung häufig ein großes finanzielles Risiko.

Deshalb gehe es in der Ruhestandsplanung stets auch um die Beratung des Partners eines Kunden, so Neus. Diesen empfehle man ausdrücklich nicht Finanzprodukte für spezielle Zielgruppen und wolle diese auch nicht mitentwickeln. Die am Markt verfügbaren Optionen seien demnach ausreichend.

„Netzwerk aus Notaren, Rechtsanwälten und Steuerberatern“

Um die Kunden zu den unterschiedlichen Aspekten des Financial Wellbeings ganzheitlich betreuen zu können, plant Boomer Finance ein „Netzwerk aus Notaren, Rechtsanwälten und Steuerberatern“. Konkrete Zahlen zum geplanten Umfang teilt Neus auf Anfrage des VersicherungsJournals nicht mit.

„Die ersten Kontakte und Vereinbarungen stehen schon, wir sind aber im Austausch mit weiteren Kanzleien, die unter anderem gezielt auf bestimmte Zielgruppen wie Expats konzentriert sind.“

Jeder Vertriebspartner solle ein regionales Netzwerk aufbauen, erklärt Neus. Thematisch passend zur Zielgruppe seien beispielsweise Services zu den Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, aber auch Gesundheit und Langlebigkeit.

Langjährig erfahrene Versicherungsvermittler gesucht

Bei Bedarf stellt das Unternehmen darüber hinaus Kontakte zu externen Experten her, so Neus. Den Vermittlern biete man als Wissensplattform außerdem Know-how, Software und Weiterbildungen an.

Denn ganzheitliche Ruhestandsplanung bedeutet für die wachsende Zielgruppe der Babyboomer weit mehr als reine Finanzberatung. Um die Kunden wie ein Hausarzt fachmännisch zu einem Experten zu lotsen, sucht Boomer Finance langjährig erfahrene Versicherungsvermittler als Kooperationspartner.

Eine konkrete Qualifizierung ist zwar keine zwingende Voraussetzung. Aber Neuenfeldt nennt beispielsweise eine Weiterbildung zum Ruhestandsplaner oder Generationenberater hilfreich.

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