Provinzial Rheinland: Wachstum und Rückgang

14.5.2019 – Die Versicherungsgruppe hat entgegen langjähriger Praxis auf eine Bilanzpressekonferenz verzichtet und ihre Geschäftsberichte nur schriftlich vorgelegt. Die Beitragseinnahmen sind in der Schadenversicherung gestiegen und in der Leben-Sparte gesunken. Der Konzerngewinn sprang von 74 auf 104 Millionen Euro.

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Bei den Provinzial Rheinland Versicherungen hat die Bilanzpressekonferenz eine lange Tradition: In diesem Jahr wird zum Geschäftsbericht 2018 aber nur eine schriftliche Erklärung abgegeben.

Das abgelaufene Geschäftsjahr lief im Wesentlichen wie gehabt: Die Sachversicherer der Gruppe wuchsen um fünf Prozent auf 1,57 Milliarden Euro Beitrag im selbst abgeschlossenen Geschäft, während der Lebensversicherer weiter um 9,4 Prozent auf 984,1 Millionen Euro schrumpfte.

Der Gewinn der Holding wird mit 104 (74) Millionen Euro vor Steuern angegeben – hierzu trugen höhere Kapitalerträge und im Vergleich zum Vorjahr eine geringere Dotierung der Schwankungsrückstellung bei.

Zur Fusion nichts Neues

Zur möglichen Fusion mit dem Provinzial Nordwest-Konzern (VersicherungsJournal 5.9.2018) hält sich der Geschäftsbericht recht bedeckt: „Aktuell läuft die Phase der Due Diligence. Hierbei werden beide Unternehmen sorgfältig auf ihre rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Verhältnisse analysiert. Daraus wird ein Bewertungsverhältnis ermittelt, das den Anteilseignern vorgelegt wird."

Die Süddeutsche Zeitung hatte in der letzten Woche darüber berichtet, dass die Verhandlungen stockten, weil sich die Eigentümer eben nicht auf ein Bewertungsverhältnis einigen können beziehungsweise mit dem Ermittelten die rheinischen Kommunen unzufrieden sind. Danach wäre die Rheinische Provinzial nämlich weniger wert als die Provinzial Nordwest (Medienspiegel 9.5.2019).

Die beiden öffentlichen Versicherergruppen haben insgesamt sieben verschiedene Eigentümer, die bereits mehrere Anläufe für eine Fusion genommen haben. An den Düsseldorfern sind der Rheinische Sparkassen- und Giroverband zu 34 Prozent, der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz zu 33,33 Prozent und der Landschaftsverband Rheinland zu 32,67 Prozent beteiligt.

Bis zu 30 Millionen Euro gespart

Ende 2018 sei das auf drei Jahre angelegte Zukunftsprogramm „Plan P“ abgeschlossen worden, wird mitgeteilt. Durch sozialverträgliche Personalmaßnahmen sowie die Reduzierung von Sachkosten würden damit bis 2020 jährlich 25 bis 30 Millionen Euro eingespart.

Die Belegschaft reduzierte sich 2018 auf durchschnittlich 2.147 (2.207) Mitarbeiter. Für die Provinzial Rheinland Versicherung AG (PRV), den größte Sachversicherer der Gruppe, wird eine Bruttokostenquote von 20,2 (23,9) Prozent genannt; beim Lebensversicherer belief sich die Verwaltungskostenquote auf unverändert 1,6 Prozent.

„Plan P“ dient aber auch der Digitalisierung: So wurde unter anderem ein digitales Kundenportal mit derzeit 70.000 aktiven Nutzern eingeführt, das Cyber-Versicherungen für Privatkunden sowie kleinere und mittlere Gewerbekunden entwickelt.

Anfang 2019 wurde die „Provinzial Dienstleistungs-GmbH“ gegründet. Denn die Provinzial Rheinland will ihr bestehendes Handwerkernetz künftig auch unabhängig von einem Schadenfall anbieten – beispielsweise für die Wohnungsrenovierung. Zudem soll die neue Gesellschaft Dienstleistungen bei Planung und Umsetzung für einen altersgerechten Umbau vermitteln.

Deutliches Plus in Wohngebäude

Im selbst abgeschlossenen Geschäft legte die PRV um 3,6 Prozent auf knapp 1,18 Milliarden Euro zu. Treiber waren vor allem die Sparten Wohngebäude (+7,7 Prozent), Unfall (+3,4 Prozent) und Allgemeine Haftpflicht (+2,7 Prozent).

Auf die verbundenen Wohngebäudeversicherung entfiel mit 317,2 (294,5) Millionen Euro mehr als die Hälfte des gesamten Sach-Beitrags. Der Zuwachs stammt aus Beitragsanpassungen, Index-getriebenen Erhöhungen sowie Mehrbeiträgen aus Neuordnungen (zum Beispiel mit Starkregeneinschluss).

Mehrere größere und außerordentliche Unwetterereignisse Sturm sowie mehrere Großbrände trieben den Bruttoaufwand für Versicherungsfälle nach Abwicklung um 10,6 Prozent auf 788,6 Millionen Euro; die bilanzielle Nettoschadenquote erreichte 67,3 (65,4) Prozent. Die Combined Ratio erhöhte sich um 4,2 Prozentpunkte auf 90,9 Prozent; lag damit aber erneut unterhalb der Quote für den Gesamtmarkt, die der GDV auf rund 95 Prozent schätzt.

Bild: Geschäftsbericht 2018 Provinzial Rheinland
Bild: Geschäftsbericht 2018 Provinzial Rheinland

Sondereffekt in Leben

Der Beitragsrückgang der Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG (PRL) ergibt sich im Wesentlichen aus einem mit 306,9 Millionen Euro um einen knappen Viertel niedrigeren Einmalbeitragsgeschäft. Im Vorjahr hatte die Provinzial Leben von einer Sonderzahlung in das Kapitalisierungsprodukt „Parkdepot“ profitiert, die so 2018 nicht mehr anfiel.

Dagegen verminderten sich die gebuchten laufenden Beiträge nur noch leicht auf 675 (690) Millionen Euro. Aus den Kapitalanlagen von 13,99 (14,03) Milliarden Euro erwirtschaftete der Lebensversicherer 435,5 (548,7) Millionen Euro Ertrag.

Das entspricht einer Nettoverzinsung von 3,1 (3,9) Prozent. Der gesteuerte Rückgang resultiert aus der Geschäftsstrategie, in der Niedrigzinsphase möglichst wenige hochverzinsliche Papiere zu veräußern – in Kombination mit der Neugestaltung der Zinszusatzreserve (ZZR). So mussten der ZZR nach der Korridormethode (VersicherungsJournal 20.9.2018) nur noch 60,2 (219,8) Millionen Euro zugeführt werden.

Bild: Geschäftsbericht 2018 Provinzial Rheinland
Bild: Geschäftsbericht 2018 Provinzial Rheinland.

Höhere Solvenzquoten

Nach Unternehmensangaben kommt der Lebensversicherer auf eine Bedeckungsquote gemäß Solvency II mit Übergangsmaßnahmen von 837,4 (707,9) Prozent sowie mit sogenannter Volatilitätsanpassung von 445,4 (337,5) Prozent.

Details finden sich in den Geschäftsberichten.

 
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