Nürnberger hat einen neuen Eigentümer

19.5.2026 – Die Übernahme der Nürnberger Versicherungsgruppe durch die Vienna Insurance Group ist vollzogen. Der fränkische Versicherer soll als eigenständige Marke erhalten bleiben, wie die neuen Eigentümer betonen – und einen Schwerpunkt auf biometrische Produkte setzen.

Die Vienna Insurance Group AG Wiener Versicherung Gruppe (VIG) hat wie geplant die Mehrheit an der Nürnberger Beteiligungs-AG übernommen, der Muttergesellschaft der gleichnamigen Versicherungsgruppe. Das teilen beide Unternehmen in einer gemeinsamen Pressemeldung mit.

Die Nürnberger Versicherung gehört damit künftig zur VIG, die nach Vollzug des Erwerbsangebots 99,2 Prozent des Grundkapitals und Stimmrechts an der Beteiligungs-AG hält.

Wer ist der neue Eigentümer?

Die VIG zählt zu den größten Versicherungsgruppen in Mittel- und Osteuropa. Nach eigenen Angaben ist sie mit mehr als 50 Gesellschaften in über 30 Ländern aktiv und betreut rund 33 Millionen Kunden. Der Konzern mit Sitz in Wien beschäftigt mehr als 30.000 Mitarbeiter.

Die Übernahme erfolgt damit in einer Phase, in der die Österreicher kräftig wachsen konnten. Die VIG steigerte ihre Bruttoprämien im Geschäftsjahr 2025 laut Group Annual Report (PDF, 12,7 MB) um 7,1 Prozent auf 16,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern legte um 31,7 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro zu und überschritt damit erstmals die Marke von einer Milliarde Euro.

Nürnberger blickt auf Krisenjahre zurück – und stieß Sanierung an

Die Nürnberger Versicherung hatte im Mai 2025 bekanntgegeben, zu überprüfen, ob sie ihre Unabhängigkeit aufgibt (VersicherungsJournal Medienspiegel 15.5.2025). Vorangegangen waren schwierige Geschäftsjahre. 2024 war das Konzernergebnis um 120 Millionen Euro auf minus 77 Millionen Euro gesunken, nachdem es bereits 2023 um rund 39 Prozent eingebrochen war (8.4.2025).

In der Folge sah sich die Nürnberger gezwungen, einen „grundlegenden Turnaround“ anzustoßen, wie es aus dem Unternehmen hieß. 2024 stieß der Versicherer ein Sanierungsprogramm „Fit für die Zukunft“ an, das unter anderem Personal- und Verwaltungskosten senken sollte (11.2.2025).

Die Zahl der Mitarbeiter sank laut Geschäftsbericht 2025 (PDF, 1,36 MB) seitdem von 4.242 auf 3.829. Auch die Verwaltungskosten wurden um mehr als acht Prozent gesenkt.

Wieder positives Ergebnis im Geschäftsjahr 2025

Ergänzend wurde in der Schaden- und Unfallversicherung das Programm „Back2black“ aufgelegt, um verlustträchtige Bestände zu bereinigen. Hintergrund der roten Zahlen waren unter anderem hohe Schadenbelastungen, insbesondere durch Naturereignisse.

Die Sanierungsprogramme zeigten Wirkung: Im Jahr 2025 konnte der Versicherer wieder einen Gewinn nach Steuern von rund 46,8 Millionen Euro erzielen. Gebuchten Bruttobeiträgen von 3,52 Milliarden Euro standen Schadenaufwendungen in Höhe von 2,60 Milliarden Euro gegenüber. Das Ergebnis profitierte zudem von einer vergleichsweise geringen Belastung durch Naturgefahren.

Wir werden die Nürnberger (…) auch innerhalb unserer Gruppe als richtungsgebenden Anbieter von Biometrie-Produkten positionieren.

Hartwig Löger, VIG

Nürnberger Versicherung soll als eigene Marke erhalten bleiben

Hartwig Löger, CEO und Vorstandsvorsitzender der VIG, versichert im aktuellen Pressetext, dass die Nürnberger als eigenständige Marke erhalten bleiben soll. Demnach verfolge die Gruppe eine Mehrmarkenstrategie „unter dem Prinzip des lokalen Unternehmertums“.

„Wir werden die Expertise der VIG in die strategische Ausrichtung der Nürnberger einbringen und sie auch innerhalb unserer Gruppe als richtungsgebenden Anbieter von Biometrie-Produkten positionieren“, sagt Löger.

Zugleich soll die Nürnberger mit ihrer Marke das bestehende Geschäftsportfolio der Österreicher ergänzen und zur weiteren geografischen Streuung der Aktivitäten beitragen, so der Vorstand. Damit solle insbesondere das Geschäft in Deutschland stärker in die internationale Wachstumsstrategie eingebunden werden.

Nürnberger will Transformation zum Präventionsversicherer beschleunigen

Zu den Auswirkungen für die Beschäftigten äußert sich Löger zurückhaltend. Demnach werde die Nürnberger an ihrem bereits gestarteten Transformationsprogramm festhalten. Im Rahmen der Zusammenschlussvereinbarung sei zudem vereinbart worden, dass der Versicherer Unterstützung bei der „Modernisierung der Fach- und IT-Systeme“ erhalte.

„Zusammen mit der Vienna Insurance Group wird für die Nürnberger noch mehr möglich. Als Teil der VIG werden wir unsere Transformation zum Präventionsversicherer spürbar beschleunigen“, ergänzt Harald Rosenberger, CEO der Nürnberger Versicherungsgruppe.

Hartwig Löger (li.) und Harald Rosenberger (Bild: Martin Joppen)
Hartwig Löger (li.) und Harald Rosenberger (Bild: Martin Joppen)

Mit dem Anspruch, ein „Präventionsversicherer“ zu werden, setzt die Nürnberger darauf, Schäden stärker zu vermeiden, statt nur zu regulieren. Der Versicherer will Kunden dabei unterstützen, Risiken frühzeitig zu erkennen und Schadenfälle zu reduzieren – ein Ansatz, der auch auf die zuletzt hohe Schadenbelastung im Bestand reagieren soll.

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