5.5.2026 – Der digitale Assekuradeur Brezel startet offiziell in den deutschen Maklermarkt. Die Münchener setzen auf digitale Infrastruktur und einen jungen bulgarischen Risikoträger, der von einem finanzstarken Investor unterstützt wird.
Mit der Brezel Digitaler Assekuradeur GmbH hat ein neuer Assekuradeur mit ersten Maklerkooperationen den operativen Markteintritt in Deutschland vollzogen. Das teilte das Unternehmen gegenüber der Presse mit.
Das Unternehmen wurde auf Grundlage eines Gesellschaftsvertrags vom 3. Januar 2024 gegründet und will sich als technologiegetriebener Anbieter im Versicherungsmarkt etablieren. Seinen Sitz hat es in München.
Wer hinter dem Assekuradeur steht
Alleinverantwortliche Geschäftsführerin des Unternehmens ist Dilyana Landzheva (40), die über umfangreiche Erfahrungen im Investment- und Start-up-Umfeld verfügt. Zuvor war sie laut ihrem Linkedin-Profil als Senior Analyst bei der RMC Risk-Management-Consulting GmbH in Frankfurt tätig und beriet dort institutionelle Investoren im Kapitalanlage- und Risikomanagement.
Anschließend wechselte sie in den bulgarischen Finanzkonzern Management Financial Group AD (MFG) mit Sitz in Sofia. Dort durchlief sie über vier Jahre mehrere Stationen im direkten Umfeld der Konzernleitung – zunächst als Assistentin des Group-CEO, später als Managerin für Investmentprojekte und zuletzt als Direktorin für Verwaltungs- und Investmentaktivitäten.
Erfahrungen im Maklermarkt

- Ludwig Meierin (Bild: Tom Bauer Foto)
Die Rolle eines COO – und damit die Verantwortung für das operative Geschäft und die Umsetzung der Unternehmensstrategie – übernimmt bei Brezel Ludwig Meierin (42). Er verfügt über langjährige Erfahrung im Makler- und Gewerbeversicherungsgeschäft:
Seit 2018 ist er als selbstständiger Geschäftsführer der Sachexperte GmbH & Co. KG tätig und berät vor allem Unternehmer in den Bereichen gewerbliche Versicherungen, private Risiken sowie betriebliche Altersvorsorge. Bei der Kompass Group Deutschland AG verantwortete er unter anderem Schnittstellen zu Versicherern und Maklerorganisationen.
Zum Team gehört darüber hinaus Borislava Palanchova, die für Kundenerfahrung und strategische Partnerschaften zuständig ist. Sie verfügt nach Unternehmensangaben über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bereich der Versicherungstechnologie.
Aktuell Tierversicherungen und eine Automatenversicherung im Angebot
Zurzeit bietet Brezel auf der hauseigenen Webseite Tierkranken- und OP-Versicherungen für Hunde und Katzen an. Darüber hinaus habe der Assekuradeur bereits eine Automatenversicherung am Markt und sei „gut aufgestellt, um künftig weitere Lösungen anzubieten“, wie Meierin dem VersicherungsJournal berichtet.
„Unser Ziel ist es, uns auf Nischensegmente zu konzentrieren, in denen innovative Ansätze gefragt sind“, so Meierin weiter.
Risikoträger ist ein junger digitaler Versicherer aus Bulgarien
Risikoträger ist die Insurance Company Instinct AD, ein 2023 gegründeter bulgarischer Schaden- und Unfallversicherer mit Sitz in Sofia. Das Unternehmen positioniert sich als technologiegetriebener Kompositanbieter im Portfolio der MFG, der insbesondere auf digitale Prozesse, schnelle Produktintegration und Kooperationen mit Partnern setzt.
In Deutschland ist der Versicherer im Rahmen des EU-Dienstleistungsverkehrs bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) registriert und darf über seine Hauptniederlassung in Sofia tätig werden. Die Zulassung umfasst folgende Versicherungssparten nach § 1 VAG:
- Unfallversicherung
- Krankenversicherung
- Feuer- und Elementarschäden
- Hagel-, Frost- und sonstige Sachschäden
- Sonstige finanzielle Verluste
- Beistandsleistungen (Assistance)
Die verfügbaren Solvency-II-Daten zeigen eine noch kleine, aber kapitalisierte Gesellschaft: Laut SFCR-Bericht 2024 (PDF, 1,63 MB), der derzeit nur in bulgarischer Sprache vorliegt, lag die Bilanzsumme zum 31. Dezember 2024 bei rund 7,3 Millionen Lewa (umgerechnet zum Stichtagskurs etwa 3,7 Millionen Euro). Die Eigenmittel beliefen sich auf rund 5,7 Millionen Lewa (circa 2,9 Millionen Euro) und die Solvenzquote lag bei 157 Prozent.
Wir arbeiten aktiv daran, weitere Versicherungspartner zu gewinnen – insbesondere mit Blick auf Zulassungen, über die Instinct in Deutschland derzeit nicht verfügt.
Ludwig Meierin, Brezel
Kooperationen mit anderen Versicherern geplant
Auf die Frage nach der Wahl des bulgarischen Anbieters als Risikoträger erklärt Meierin: „Instinct ist ein Versicherer, der in einem dynamischen Wachstumsumfeld agiert – die relevanten Märkte verzeichnen derzeit ein jährliches Wachstum von rund 25 Prozent. In den europäischen Ländern, in denen das Unternehmen aktiv ist, ist es gut positioniert.“
Entscheidend für die Zusammenarbeit sei jedoch vor allem die moderne IT-Infrastruktur von Instinct gewesen, „die eine nahtlose und schnelle Integration in unsere eigenen Systeme ermöglicht“, so Meierin weiter.
Darüber hinaus sei Instinct bereit gewesen, „uns mit weitreichenden Vollmachten auszustatten – eine Flexibilität, die deutsche Versicherer in dieser Form üblicherweise nicht bieten.“ Geschäftsführerin Landzheva ist laut ihrem Linkedin-Profil zugleich stellvertretende CEO des Versicherers.
„Wir arbeiten aktiv daran, weitere Versicherungspartner zu gewinnen – insbesondere mit Blick auf Zulassungen, über die Instinct in Deutschland derzeit nicht verfügt. Das Thema Haftpflicht ist für uns von strategischer Bedeutung und soll künftig abgedeckt werden. Dieser Baustein fehlt aktuell noch in der Automatenversicherung“, so Meierin.
Auch eine Tierhalterhaftpflicht als Ergänzung zur Tierkrankenversicherung sei ein Vorhaben, das der Assekuradeur gezielt angehen wolle.
Assekuradeur setzt auf Maklervertrieb
Zum Vertrieb der Produkte erklärt Meierin, dass Kunden bereits heute die Möglichkeit haben, auch ohne Makler direkt über die Website abzuschließen. Dennoch bleibe der Maklerkanal der bevorzugte Vertriebsweg. „Wir sind überzeugt, dass die Bedeutung des Maklers weiter zunehmen wird und dass eine fundierte, unabhängige Beratung im Interesse des Endkunden liegt“, sagt er.
Darüber hinaus setze das Unternehmen auch auf Kooperationen mit Verbänden und Herstellern, um direkt am Point of Sale Vertrauen bei Kunden aufzubauen. Ziel sei es, zusätzliche Berührungspunkte im Vertrieb zu schaffen, ohne den Makler als zentrale Instanz zu ersetzen. Aktuell kooperiere Brezel unter anderem mit der Roß Perspektiven Management GmbH und der VD versicherdich GmbH.
Alle zentralen Ansprechpartner in Deutschland angesiedelt
Auf die Frage nach der Organisation von Schaden- und Leistungsprozessen sowie der Verankerung der Systeme in Deutschland betont Meierin, dass zentrale Funktionen bewusst im Inland angesiedelt seien. „Als deutsches Unternehmen stellen wir sicher, dass alle zentralen Ansprechpartner im Leistungs- und Schadenfall in Deutschland ansässig sind“.
Die operative Abwicklung erfolge über erfahrene externe Dienstleister, die direkt im System arbeiteten. Dadurch könne eine „reibungslose sowie effiziente Bearbeitung“ gewährleistet werden. Ergänzend setze das Unternehmen auf automatisierte Prozesse und KI, um Reaktionszeiten für Kunden und Makler zu verkürzen.
Im Bereich der Tierkrankenversicherung komme zusätzlich ein spezialisierter Dienstleister zum Einsatz, der über digitale Schnittstellen die Rechnungsprüfung unterstütze. Ziel sei es, den manuellen Aufwand zu minimieren; letztlich müsse nur noch ein Sachbearbeiter die Auszahlung freigeben.
Auch die technische Infrastruktur sei in Deutschland verankert. „Unser gesamtes System wird in Deutschland gehostet und gesichert“, erklärt Meierin. Service- und Leistungspartner seien ausschließlich deutsche Unternehmen, die Verwaltung erfolge vollständig digital über eine cloudbasierte Infrastruktur. Man habe „konsequent alles digitalisiert, was der deutsche Rechtsrahmen zulässt“.
Noch keine Teilnahme am Ombudsverfahren
Für die Versicherungsverträge, die hierzulande abgeschlossen werden, gilt deutsches Recht, wie aus den AVB zu entnehmen ist. Im Streitfall können Ansprüche vor dem Gericht am Wohnsitz beziehungsweise gewöhnlichen Aufenthaltsort des Versicherungsnehmers oder vor dem Gericht am Sitz des Versicherers geltend gemacht werden.
Nachteile für deutsche Kunden könnten sich daraus ergeben, dass der Versicherer derzeit noch nicht am Ombudsmannverfahren in Deutschland teilnimmt, wie Meierin bestätigt. „Zu diesem Thema führen wir intern eine konstruktive Diskussion über den optimalen Weg. Gerichtsverfahren sind in der Regel für keine der beteiligten Parteien vorteilhaft – sie sind kostenintensiv und zeitaufwändig“, sagt er.
„Aktuell prüfen wir die Einrichtung eines Fachausschusses, in dem spezialisierte Makler und Schadensachbearbeiter gemeinsam schnell und unkompliziert Entscheidungen treffen können – ohne den langen Weg durch formelle Verfahren.“
Eine Teilnahme am Ombudsmannverfahren sei ebenfalls eine Option, die Brezel nicht ausschließe. „Hier orientieren wir uns an den Wünschen und Erwartungen unserer Vertriebspartner“, so Meierin.




