Netfonds und Blau direkt künftig unter gemeinsamer Eigentümerstruktur

9.3.2026 – Der US-Investor Warburg Pincus will die Netfonds AG von der Börse nehmen und gemeinsam mit der Blau direkt-Gruppe unter einer privaten Eigentümerstruktur zusammenführen. Beide Unternehmen sollen als eigenständige Marken bestehen bleiben, sich jedoch auf unterschiedliche Schwerpunkte konzentrieren.

In Norddeutschland werden zwei der größten deutschen Maklerpools künftig unter einer gemeinsamen Eigentümerstruktur zusammengeführt. Die Netfonds AG und die Blau direkt-Gruppe sollen unter dem Dach von Fonds des Wachstumsinvestors Warburg Pincus LLC agieren, wie die Unternehmen mitteilen.

Damit entsteht ein Maklerdienstleister mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 550 Millionen Euro und rund 600 Mitarbeitern. Während Netfonds vor allem Expertise im Investmentbereich, in der Regulatorik und im 360-Grad-Plattformansatz einbringt, steuert Blau direkt seine Automatisierungserfahrung im Versicherungssektor bei.

Netfonds AG wird von der Börse genommen

Um die gemeinsame Eigentümerstruktur zu realisieren, muss Netfonds vom Börsenhandel im Freiverkehr genommen werden. Der Investor Warburg Pincus hat den Aktionären ein Kaufangebot von 78,25 Euro je Aktie unterbreitet. Die Annahmefrist läuft bis zum 20. April 2026.

Das Angebot liegt rund 64 Prozent über dem Schlusskurs vom 6. März 2026 und entspricht einer Prämie von 78,3 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate.

Bereits jetzt hält Warburg Pincus laut boersengefluester.de mehr als die Hälfte der Aktien, so dass der Weg zum Delisting weitgehend geebnet sei. Netfonds ist erst seit dem 3. September 2018 an der Börse notiert. Die Übernahme erfolgt über die SCUR-Alpha 1996 GmbH (zukünftig: German Wealth Technology GmbH), eine von Warburg Pincus kontrollierte Holding.

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Unternehmerische Eigenständigkeit soll gewahrt bleiben

Ein zentraler Punkt der Partnerschaft soll die unternehmerische Eigenständigkeit der beiden Firmen sein. Netfonds bleibe als eigenständige Schwestergesellschaft erhalten, behalte seinen Standort in Hamburg, die Marke und die Unternehmenskultur, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Management von Netfonds beteilige sich zudem an der gemeinsamen Holding und bleibe in der Führung verantwortlich. Laut Angaben der Unternehmen sollen sich aus der Partnerschaft folgende Vorteile für angeschlossene Vermittler ergeben:

  • Ganzheitlichkeit: Netfonds-Partner erhalten laut Mitteilung erweiterten Zugriff auf Versicherungsprozesse, Blau-direkt-Partner auf Investment-Kompetenz von Netfonds.
  • Technologie: Geplant sind verstärkte Investitionen in IT-Teams, um die Entwicklung technischer Lösungen zu beschleunigen. Ein Schwerpunkt liege hierbei auf KI-Anwendungen und der Automatisierung von Prozessen.
  • Nachfolgelösungen: Durch die Integration der „Tjara“-Infrastruktur sollen Lösungen für die Bestandsnachfolge im Investment- und Versicherungsbereich entstehen.

Zusammenschluss soll Wettbewerbsvorteile bringen

„Diese Partnerschaft ist ein Versprechen an den Markt, für unsere Partner und Kunden nicht nur Dienstleister, sondern der entscheidende Wettbewerbsvorteil der Zukunft zu sein. Wir bleiben uns treu, werden aber gemeinsam schneller, stärker und relevanter“, betont Martin Steinmeyer, Vorstandsvorsitzender der Netfonds AG.

In einem Markt, der technologisch getriebene Effizienz verlange, sei diese Chance zur Kooperation einzigartig, so Steinmeyer.

Ait Voncke (Bild: Blau direkt)
Ait Voncke (Bild: Blau direkt)

Ait Voncke, CEO von Blau direkt, ergänzt: „Versicherung und Investment wachsen technologisch zusammen. In der KI-Ära erschließen wir neue Potenziale und definieren gemeinsam das Betriebssystem der Branche. Wir verfügen über beste Voraussetzungen, Makler beim Einsatz von KI mit voller Kraft nach vorne zu bringen.“

Konsolidierungsdruck auf deutschem Maklermarkt

Der deutsche Maklermarkt steht unter Konsolidierungsdruck. Laut der Unternehmensberatung Oliver Wyman GmbH könnte sich die Zahl der Einzel- und Regionalmakler in den kommenden zehn Jahren halbieren. Dies unter anderem wegen der Alterung der Maklergeneration, fehlendem Nachwuchs und steigenden Anforderungen durch Regulierung und Digitalisierung (VersicherungsJournal 4.11.2025).

Die Konsolidierung zwingt Makler dazu, strategische Partner zu suchen, während Pools zunehmend zu zentralen Schnittstellen zwischen Versicherern und Maklern werden. Sie bündeln Bestände, vereinfachen Verwaltungsaufgaben und haben bessere Verhandlungsoptionen gegenüber den Versicherern.

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Berufsunfähigkeit · Digitalisierung · Regulierung
 
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