27.6.2003 (€) – Der „Fall Mannheimer“ beschleunigt sich jetzt offensichtlich zum „Fall der Mannheimer“. Eine Nachricht jagt die andere, ein Lösungs-Modell die nächste Rettungs-Variante. Woran scheitern die angedachten Hilfs-Modelle? Sind sie zu kompliziert? Liegt es an der Zeit?
Es ist genügend Zeit ins Land gegangen. Und trotzdem gibt es kein echtes schlagkräftiges Hilfs-Konzept. Dabei sagen heute die meisten, dass sie den Verfall der Mannheimer schon lange kommen sahen. „Lange“ bedeutet hier rund sechs Monate.
Und nun brennt es bei der Mannheimer lichterloh - und auf den Nägeln der Assekuranz, weil sich die Mannheimer nicht – wie erhofft - an den eigenen Haaren selbst wieder aus dem Sumpf ziehen konnte.
Ein solches Desaster hätte vermieden werden können und müssen. Aber wie?
So früh wie möglich öffentlich machen
Ein erprobtes Konzept war bisher in andern Branchen, früh genug Öffentlichkeit herzustellen. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Das glückte hier nicht. Die Medien sind gerade beim Fall Mannheimer frühest möglich in ihre Chronisten-Pflicht eingestiegen.
Woran scheitern also die angedachten Hilfs-Aktionen der Versicherungs-Branche?
An den Medien!?
Das jedenfalls sei einer der wichtigen Ursachen, weshalb am Mittwoch dieser Woche mehr als ein Dutzend Lebensversicherer ihre Freiwilligkeit versagten, um prozentual und anteilig an ihrer Markt-Positionierung Geld in die „Unterstützungskasse Mannheimer“ zu investieren.
Wundert das jemanden?
„Es verwundert gar nicht, dass viele Lebens-Versicherer jetzt auf stur schalten und sich einer Branchen-Lösung verweigern,“ kommentiert das Ulrich Leitermann. Der Dortmunder Vorstand der Signal Iduna Gruppe gehört dem Gremium des Protektor-Aufsichtsrates an. Für ihn ist es klar begründbar, weshalb die Verweigerer die Branchen-Hilfsaktion zum Kippen brachten.
Leitermanns Medien-Schelte: Schließlich habe es Indiskretionen in den eigenen Reihen gegeben, auf die sich die Medien gestürzt hätten, um sie flugs und ohne Abstimmung mit den Verantwortlichen zu veröffentlichen.
Verdrehte Informations-Kette
So seien zahlreiche Versicherer nicht etwa vom GDV und anderen Vorstands-Kollegen über weitere Pläne zur Rettung der Mannheimer informiert worden, sondern mussten früh morgens aus der Zeitung erfahren, mit welchen Summen ihr Unternehmen angeblich an der Mannheimer Rettungs-Aktion beteiligt werden sollte.
Nun scheint die Situation wirklich verfahren, was der Problem-Lösung nicht gut bekommen wird. Aber es kann noch schlimmer kommen. Dazu ein Beispiel:
So etwas hört man im Radio
Über die Mannheimer ist inzwischen fast überall zu hören. So auch gestern nachmittags im Hessischen Rundfunk.
Da fragte eine Moderatorin einen selbst ernannten Versicherungs-Experten, was sie denn nun mit ihrem Lebensversicherungs-Vertrag machen solle, den sie einst bei der Mannheimer abgeschlossen habe? Wo die Mannheimer doch nun pleite gehe.
Auf keinen Fall?
„Auf keinen Fall mehr irgendwelche Beiträge dafür an die Mannheimer bezahlen!“ So die prompte Antwort des Experten. Nun solle man erst einmal abwarten, ob die BAFin oder der GDV - oder beide – mit machbaren Lösungs-Vorschlägen kämen.
Im übrigen sollten derzeit – so der Experte weiter - keinerlei Beitrags-Zahlungen auf das Konto der Mannheimer getätigt werden. Man wisse ja nicht, was noch komme ...
Medien-Schelte hin oder her – wie gefährlich dieser Ratschlag ist, weiß der geneigte Leser sicherlich längst. Hier müsste noch mehr Öffentlichkeit hergestellt werden, damit jeder kapiert, dass man auf diese Weise die Mannheimer dann endgültig ausbluten lässt.




