Die Hausratversicherer mit den höchsten Beschwerdequoten

22.5.2019 (€) – 2018 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht in der Hausratversicherung mit 178 Beschwerden in etwa ein Fünfzehntel mehr abschließend bearbeitet als im Jahr zuvor. Im Schnitt waren es rund 0,7 Reklamationen pro 100.000 versicherte Risiken. Auf die höchste Beschwerdequote (2,5 pro 100.000) kam die Ammerländer.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) hat im vergangenen Jahr 178 Beschwerden über die deutschen Hausratversicherer abschließend bearbeitet. Dies ist der unternehmens-individuellen Beschwerdestatistik der Bafin zu entnehmen, die die Aufsicht in ihrem aktuellen Jahresbericht veröffentlicht hat.

Im Vergleich zum Jahr zuvor ist eine Zunahme um 6,6 Prozent zu beobachten. Seinerzeit war die Zahl der Reklamationen noch massiv zurückgegangen (VersicherungsJournal 6.6.2018). Der aktuelle Wert stellt den zweitniedrigsten in der jüngeren Vergangenheit dar. Zum Vergleich: 2011 war die Zahl noch fast doppelt so hoch, 2008 sogar noch mehr als dreimal so hoch.

Beschwerdequoten 2008 bis 2018 (Bild: Wichert)

Sehr geringe Beschwerdequote

Die Beschwerdequote (Beanstandungen in Relation zum Bestand an versicherten Risiken von etwa 26,3 Millionen zum Jahresende 2017) liegt mit nicht einmal 0,7 Beanstandungen pro 100.000 versicherte Risiken weiterhin auf verschwindend niedrigem Niveau.

Daran ändert sich auch dann nichts, wenn man noch die gut 900 Reklamationen in Hausrat beim Versicherungsombudsmann (VersicherungsJournal 4.2.2019) hinzurechnet. Denn selbst dann blieben fast 99.996 von 100.000 Kontrakten beschwerdefrei.

Ammerländer mit der höchsten Quote

Insgesamt werden in der Beschwerdestatistik 51 Hausratversicherer aufgeführt. Unter den aufgelisteten Gesellschaften mit einem Vertragsbestand von mehr als 100.000 errechnen sich für insgesamt vier Anbieter Werte von über 1,5 Reklamationen pro 100.000 versicherte Risiken.

Die höchste Quote steht mit fast zweieinhalb Beanstandungen pro 100.000 versicherte Risiken für die mit einem Policenbestand von knapp 445.000 mittelgroße Ammerländer Versicherung VVaG zu Buche.

Auf den Positionen zwei und drei folgen die Lehrerbrandkasse Niedersachen VVaG (LBN) und die Alte Leipziger Versicherung AG mit Quoten von jeweils gut 1,8. Aus 16 Reklamationen bei einem Bestand von rund 983.500 versicherten Risiken errechnet sich für die Ergo Versicherung AG eine Beschwerdequote von 1,6.

Höchste Beschwerdequoten (Bild: Wichert)

Beschwerdequoten der Marktgrößen

Für die Branchengrößen in dieser Sparte (mehr als 800.000 versicherte Risiken) ergeben sich eher niedrige Beschwerdequoten. Auf die niedrigsten Werte (knapp unter beziehungsweise über 0,1 Beanstandungen pro 100.000 versicherte Risiken) kommen die Generali Versicherung AG und die Debeka Allgemeine Versicherung AG.

Vergleichsweise niedrige Quoten errechnen sich auch für die DEVK Allgemeine Versicherungs-AG, die Aachenmünchener Versicherung AG, die Huk-Coburg-Allgemeine Versicherung AG und die R+V Allgemeine Versicherung AG.

Auf dem Niveau des Branchenschnitts liegen die Huk-Coburg Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a.G., die Axa Versicherung AG und die Allianz Versicherungs-AG.

Quoten zwischen knapp unter eins und gut 1,6 hatten der LVM Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster a.G., die Württembergische Versicherung AG, die Gothaer Allgemeine Versicherung AG und die Ergo zu verzeichnen.

Branchengrößen (Bild: Wichert)

Nachteil für wachstumsstarke Versicherer

Seit fast einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungs-Unternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.

Die Beschwerdestatistik soll „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Bafin. Die Aufsicht weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, treffe die Statistik nicht.

Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.

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