Generali Leben wird nun doch verkauft

5.7.2018 – Die Generali Lebensversicherung wird mehrheitlich an den Abwickler Viridium abgegeben. Die Generali Gruppe bleibt im Aufsichtsrat der Lebensversicherung und erhält eine Option zum Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an der Viridium Gruppe. Die Bafin will den Verkauf in den nächsten Monaten streng prüfen.

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Nach tagelangen Spekulationen kommt die Meldung nicht unerwartet: Die Generali Deutschland AG wird einen Anteil von 89,9 Prozent an der Generali Lebensversicherung AG an die Viridium Gruppe verkaufen. Der Kaufvertrag soll in Kürze unterzeichnet werden.

Geld in die Kasse

Der Versicherer hatte angekündigt, die Gruppe neu zu strukturieren und das aktive Neugeschäft der vor allem im Bereich klassischer Garantieprodukte agierenden Generali Leben zur Mitte dieses Jahres einzustellen (VersicherungsJournal 28.9.2017). 2017 kam die Generali Leben mit rund vier Millionen Verträgen auf Bruttobeiträge von 2,9 Milliarden Euro und 37,1 Milliarden Euro Kapitalanlagen (VersicherungsJournal 25.5.2018).

Die absehbare Einstellung hinterließ schon ihre Spuren: Der eingelöste Neuzugang in laufenden Jahresbeiträgen war mit insgesamt 155,1 Millionen Euro um gut ein Fünftel geringer.

Laut Generali ist der Lebensversicherer insgesamt mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet – inklusive 125 Millionen Euro als Earn-out im Falle einer regulatorischen Änderung der Deckungsrückstellungs-Verordnung. Zusätzlich sollen 882 Millionen Euro Darlehen an die Generali-Gruppe zurückgeführt werden. Die Generali Investments Europe wird für fünf Jahre die Kapitalanlagen der Generali Leben verwalten und eine Gesamtvergütung von 275 Millionen Euro erhalten.

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Steigerung der Solvabilität erwartet

Zusammen mit einem Abgangsgewinn (vor Steuern) von rund 275 Millionen Euro erhofft sich die Generali insgesamt Einnahmen von bis zu 1,9 Milliarden Euro. Dies soll die Solvabilität der Generali in Deutschland um 43 Prozentpunkte und der internationalen Generali Group um 2,6 Prozentpunkte steigern, weil sich das Zinsänderungsrisiko des Konzerns deutlich verringert.

Nach dem Verkauf will die Generali in Deutschland weiterhin führend im fondsbasierten-, Hybrid- und Biometriegeschäft bleiben und – über die anderen Geschäftsbereiche des Konzerns – ihre Position als zweitgrößter Erstversicherer im deutschen Markt behaupten.

Innovative Branchen-Partnerschaft für das nachhaltige Management der Bestände.

Generali Deutschland, Pressemitteilung vom 5.7.2018

Vertragliche Verpflichtungen sollen unverändert bleiben

Mit Viridium sei eine „innovative Branchen-Partnerschaft für das nachhaltige Management der Bestände“ vereinbart worden, wird weiter mitgeteilt. So bleibt die Generali zumindest für die nächsten drei Jahre mit einem Anteil von 10,1 Prozent am Lebensversicherer beteiligt und behält einen Sitz im Aufsichtsrat. Zudem hat die Generali eine Option, eine Minderheitsbeteiligung an Viridium zu erwerben. Hierzu steht noch eine Prüfung, ein sogenanntes Due Diligence, aus.

Die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden bleiben unverändert, wird versprochen. Die Privatkunden erhielten auch „weiterhin die besten Servicestandards“. Großkunden der betrieblichen Altersversorgung (bAV) würden weiterhin durch das spezialisierte Kompetenz-Center der Generali in Frankfurt unterstützt.

Arbeitsplatzgarantien

Rund 300 Mitarbeiter, die derzeit die geschlossenen Bestände der Generali Leben managen, können in eine neue Servicegesellschaft wechseln. Viridium wird die Arbeitsbedingungen für diese Mitarbeiter unverändert beibehalten, wie sie bereits Anfang 2018 für die Mitarbeiter der Generali Deutschland vereinbart wurden.

Eigentümer der Viridium sind zu 80 Prozent der Londoner Private Equity Fonds Cinven und zu 20 Prozent die Hannover-Rück-Gruppe. Die Gruppe verwaltet bereits ein Portfolio von fast einer Million Versicherungsverträgen mit 16 Milliarden Euro Vermögenswerten. Das Geschäftsmodell ist das Bestandsmanagement (VersicherungsJournal 21.6.2018).

Strenge Kontrolle

Diesem muss die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) noch zustimmen. Anders als bei den vorangegangenen sechs externen Run-offs, hat die Aufsicht am Donnerstagmorgen zur Bekanntgabe der Verkaufsabsichten auch eine eigene Pressemitteilung über „Strenge Anforderungen an einen Unternehmensverkauf“ veröffentlicht.

Darin heißt es unter anderem, dass an den Verkauf „strenge gesetzliche Anforderungen“ geknüpft würden zur „Wahrung der Belange der Versicherungsnehmer“. Auch nach einem Verkauf unterliege das betroffene Versicherungs-Unternehmen der vollständigen Versicherungsaufsicht durch die Bafin.

Durch einen Unternehmensverkauf darf kein Versicherungsnehmer schlechter gestellt werden.

Dr. Frank Grund, oberster Versicherungsaufseher der Bafin

Bei Verträgen mit Überschussbeteiligung müssten weiterhin die gesetzlichen Vorgaben erfüllen werden. Die Bafin habe umfassende Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und zur Reaktion auf Missstände.

„Durch einen Unternehmensverkauf darf kein Versicherungsnehmer schlechter gestellt werden“, wird dort der oberste Versicherungsaufseher Dr. Frank Grund zitiert. Sofern die Belange der Versicherungsnehmer nicht ausreichend gewahrt seien, könne die Bafin den Erwerb untersagen.

Maß an Sicherheit

Die Aufsicht führt auch ein sogenanntes Inhaberkontroll-Verfahren durch, bei dem die Zuverlässigkeit des Erwerbers, sein Geschäftsmodell und seine Strukturen überprüft werden. Geprüft werden auch die Bonität des Erwerbers und dessen Fähigkeit, den Versicherer ausreichend zu kapitalisieren.

Das Niveau der Kundensicherheit hänge nicht nur von der finanziellen Ausstattung des einzelnen Unternehmens ab, sondern auch von der Fähigkeit der Gruppe, ein in Not geratenes Unternehmen zu stützen.

„In der aufnehmenden Gruppe liegen in der Regel andere Verhältnisse vor als in der abgebenden Gruppe, was aus Kundensicht ein höheres oder niedrigeres Maß an Sicherheit bedeuten kann“, sagt Grund. „Ist weniger Sicherheit zu befürchten, verlangen wir Absicherungsmaßnahmen.“

Man prüfe jede Anzeige eines beabsichtigten Erwerbs eines Versicherungs-Unternehmens sorgfältig und auf Basis umfangreicher Informationen, so die Aufsicht. Erfahrungsgemäß müssten speziell bei größeren Transaktionen allein für die Vervollständigung der einzureichenden Unterlagen mehrere Monate eingeplant werden.

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