29.7.2026 – Laut Handelsblatt ermittelt die Berliner Generalstaatsanwaltschaft gegen 18 frühere Gremienmitglieder und Führungskräfte des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin. Im Raum steht auch der Verdacht der Untreue. Es sind nicht die ersten Ermittlungen dieser Art.
Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt laut einem Bericht des Handelsblatts gegen 18 ehemalige Gremienmitglieder und Führungskräfte des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin (VZB). Die Zeitung beruft sich dabei auf einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss von Mitte Juni, den sie einsehen konnte.
Investment in wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen?
Nach Angaben der Zeitung besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten Investitionen in wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen freigegeben oder nicht ausreichend geprüft beziehungsweise hinterfragt haben. Der mutmaßliche Schaden belaufe sich auf mehr als 230 Millionen Euro.
Zu den im Durchsuchungsbeschluss genannten Fällen zählen unter anderem Beteiligungen an einem Hotel- und Immobilienentwickler, einem Recyclingunternehmen in den USA, dem mittlerweile insolventen Versicherungs-Start-up Element Insurance AG sowie der Engel & Völkers Capital AG. Der mutmaßliche Schaden belaufe sich auf mehr als 230 Millionen Euro.
Laut Handelsblatt steht auch der Vorwurf der Untreue gemäß § 266 StGB im Raum. Im Kern geht es bei dem Vorwurf darum, dass Verantwortliche eines Vermögensträgers ihre Pflicht verletzt haben könnten, das ihnen anvertraute Vermögen sorgfältig zu verwalten. Entsteht dadurch ein finanzieller Schaden, kann dies den Straftatbestand der Untreue erfüllen.
Vorwurf des Interessenkonflikts
Zu den Beschuldigten zählen dem Bericht zufolge unter anderem der frühere Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Ingo Bora Rellermeier, sowie der langjährige VZB-Direktor Ralf Wohltmann.
Im Januar 2026 hatte Wohltmann erfolgreich gegen eine fristlose Kündigung durch das Versorgungswerk geklagt, musste aber eine ordentliche Kündigung akzeptieren (VersicherungsJournal 13.2.2026).
Das Versorgungswerk hatte Wohltmann unter anderem vorgeworfen, den Verwaltungsausschuss bei Kapitalanlagen beraten zu haben, während er zugleich Führungs- und Aufsichtsfunktionen in mehreren Unternehmen ausübte, in die das VZB investierte. Nach Auffassung des VZB begründete dies einen Interessenkonflikt.
Versorgungsansprüche gefährdet
Das VZB geriet bundesweit in die Schlagzeilen, nachdem riskante Kapitalanlagen zu erheblichen Verlusten geführt hatten und die Versorgungsansprüche der rund 11.000 Pflichtmitglieder gefährdeten (VersicherungsJournal 7.11.2025). Den Zahnärzten drohen höhere Mitgliedsbeiträge und Kürzungen bei den Rentenanwartschaften.
Der neue Vorsitzende des Verwaltungsausschusses, Thomas Schieritz, hatte dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) bereits Ende 2025 gesagt, der Gesamtschaden könne sich auf rund 1,1 Milliarden Euro belaufen (12.12.2025). Ein ursprünglich für das erste Halbjahr 2026 angekündigter Geschäftsbericht für das Jahr 2024, der eine Neubewertung der Kapitalanlagen enthalten sollte, steht allerdings weiterhin aus.
Bereits im August 2025 hatte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Versorgungswerk bestätigt. Ein Behördensprecher erklärte damals gegenüber dem Handelsblatt, dass diese auch den Verdacht der Korruption umfassen.




