Das wird aus dem Rechtsschutz der Alten Leipziger

26.6.2017 (€) – Mit der Übernahme des Rechtsschutz-Bestandes will die Itzehoer die Sparte auf eine marktgerechte Größe bringen, kunden- und risikogerechte Tarife etablieren, neue Vertriebspartner gewinnen und das Geschäft rentabel bekommen. Das ist den Antworten von Itzehoer-Chef Uwe Ludka auf die Fragen des VersicherungsJournals zu entnehmen.

Zum 1. Januar 2018 übernimmt die Itzehoer Versicherung/Brandgilde von 1691 VVaG die Rechtsschutz-Sparte der Alten Leipziger Versicherung AG (VersicherungsJournal 23.6.2017). Diese lag 2015 nach Beitragseinnahmen auf Rang 17 im Branchenvergleich.

Die Hintergründe der Transaktion erläutert Uwe Ludka, Vorstandsvorsitzender der Itzehoer.

VersicherungsJournal: Herr Ludka, übertragen werden nach Ihren Angaben 330.000 Policen mit einem Beitragsvolumen von circa 67 Millionen Euro. Das sind neun Prozent weniger als die im Geschäftsbericht 2016 genannten 73,5 Millionen Euro. Wie erklärt sich die Differenz?

Uwe Ludka (Bild: Itzehoer)
Uwe Ludka (Bild: Itzehoer)

Uwe Ludka: Die Alte Leipziger Versicherung AG hat unabhängig von dem zwischenzeitlich erfolgten Verkauf in den vergangenen zwei Jahren intensiv an einer Profitabilisierung ihrer Bestände gearbeitet. Hierzu gehörte auch die Trennung von Teilbeständen beziehungsweise Verträgen in der Sparte Rechtsschutz.

Diese Aktivitäten haben wir begrüßt und können so ab 2018 mit einen gesunden Bestand in bewährter und anerkannter Form insbesondere mit unseren neuen und bekannten Maklern starten.

VersicherungsJournal: Welche strategischen Gründe stehen hinter dem Erwerb?

Ludka: Wir haben in den letzten Jahren in der Kfz-Sparte eine Wachstums- und Ertragsgeschichte geschrieben, die am Markt von vielen neidvoll als traumhaft anerkannt wird. Dies hat zur Folge, dass Kfz bei uns zunehmend dominiert. Strategische Überlegungen haben uns dazu bewegt, ein Gegengewicht aufzubauen. Dies haben wir auch in unserer Geschäftsstrategie im letzten Jahr verankert.

Die Rechtsschutzsparte bot sich an, weil sie zu unserer IT-Welt passt. Zudem ist nur eine begrenzte Anzahl von Mitanbietern tätig, die diese Sparte teilweise als alleinige oder Kernsparte betreiben. Letztere werden durch die Anforderungen von Solvency II besonders gefordert und müssen ihre Strategie überdenken und neu ausrichten. Dies gibt uns besondere Marktchancen.

Darüber hinaus erhalten wir Zugang zu 6.000 unabhängigen Vertriebspartnern und erhoffen uns dadurch natürlich nachhaltige Vertriebsimpulse.

VersicherungsJournal: Wie hoch war der Kaufpreis für die Übernahme des Bestandes und der Rechtsschutz Union Schaden GmbH und bis wann soll sich diese Investition amortisieren?

Ludka: Ich bin Mathematiker und will nicht immer mit Zahlen antworten. Verbal lautet die Antwort: angemessen. Alles andere kann ich aus Vertraulichkeitsgründen nicht sagen.

Um den zunehmenden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, brauchen wir eine Mindestgrößenordnung.

VersicherungsJournal: Ihr bereits vorhandener Rechtsschutz-Bestand ist im letzten und vorletzten Jahr mit jeweils etwa zwölf Prozent auf über 50.000 Verträge mit fast neun Millionen Euro Beitragseinnahmen gestiegen. Wozu bedarf es bei einem derart dynamischen organischen Wachstum noch eines Zukaufs?

Ludka: Um den zunehmenden Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, brauchen wir eine Mindestgrößenordnung, die wir aus eigener Kraft nur mit unvertretbarem Aufwand erreicht hätten. Wir wollten mindestens ein Prozent Marktanteil erreichen, und hierzu müssen wir unsere Bestände vervierfachen.

VersicherungsJournal: Die Alte Leipziger hat 2016 mit ihrer Rechtsschutz-Sparte einen versicherungs-technischen Verlust von 5,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Wie wollen Sie das übernommene Geschäft sanieren?

Ludka: Aufgrund der Neuordnung der Gebührenordnungen weist die Rechtsschutzsparte marktweit rote Zahlen aus. Dieses werden der Markt und auch wir korrigieren. Insofern ist die Situation vergleichbar mit dem Jahr 2010 in Kfz, als wir die Admiraldirekt.de übernahmen. Auch damals wies Kfz marktweit tief rote Zahlen aus. Es war aber klar, dass dies nicht von Dauer sein wird. Und so kam es auch. Heute ist Kfz ein Ertragsbringer in der deutschen Versicherungsbranche.

Zudem hat die Alte Leipziger in den letzten Jahren ihre Reservesituation deutlich verstärkt, was zunächst zu Verlusten führt. Auch dieser Prozess ist weitgehend abgeschlossen, so dass sich schon dadurch die Schadenquoten verbessern werden.

VersicherungsJournal: Ihr vorhandenes Rechtsschutz-Geschäft haben Sie im letzten Geschäftsjahr ebenfalls mit einem Minus abgeschlossen. Wie wollen Sie es profitabel bekommen?

Ludka: Zunächst gilt auch für die Itzehoer die Marktaussage. Dies wird mit der Produktlinie der Alte Leipziger – die wir übernehmen werden – dazu führen, dass sich die Herausforderung löst.

VersicherungsJournal: In einer Pressemitteilung haben Sie betont, dass die Alte-Leipziger-Policen nach der Übernahme unangetastet blieben und die bisherigen Mitarbeiter in München mehrjährige Beschäftigungsgarantien erhielten. Welcher Spielraum bleibt Ihnen bei diesen Festlegungen noch für Sanierungsmaßnahmen und zum Realisieren von Synergien mit dem schon vorhandenen Rechtsschutz-Geschäft?

Die schlanke und effiziente Bearbeitungsstruktur der Itzehoer werden die Münchner Mitarbeiter kennen und lieben lernen.

Ludka: Über notwendige Bestandsanierungen habe ich schon gesprochen. Dieser Prozess wird faktisch unter der Alte Leipziger abgeschlossen. Wir haben in den letzten Jahren kontinuierlich aufgrund des Wachstums Personal angebaut.

Durch geeignete Bestandszuweisungen losgelöst vom Standort fällt es uns leicht, diese Garantien auszusprechen, ohne Effizienzsteigerungen auszuschließen. Die schlanke und effiziente Bearbeitungsstruktur der Itzehoer werden die Münchner Mitarbeiter kennen und lieben lernen.

VersicherungsJournal: Wie wollen Sie die Bestandsführung von dem System der Alte Leipziger entflechten?

Ludka: Wir haben eine leistungsfähige IT. Zentraler Punkt der Transaktion ist die Migration in unsere DV-Welt. Insbesondere unser Makler-Web wird hierzu erweitert.

VersicherungsJournal: Was bedeutet das für den Datenaustausch mit Vermittlern und Pools aus deren Sicht?

Ludka: Zum Start 2018 werden wir als erstes die Neugeschäftsfähigkeit herstellen, das heißt mit unseren Vertriebspartnern tauschen wir uns über Makler-Web aus. Die Bestandsmigration erfolgt in einem nächsten Schritt. Bis dahin werden die Dokumente und Bestände im System der Alte Leipziger im Design der Itzehoer verwaltet.

VersicherungsJournal: Sie hatten bereits angekündigt, die Rechtsschutzsparte erfolgreich entwickeln zu wollen. Was heißt das konkret im Hinblick auf die Produktwelt, den Betrieb und die Vertriebspartner?

Die Makler haben weiterhin ihr liebgewonnenes Produkt.

Ludka: Die Alte Leipziger hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich eine neue Produktwelt entwickelt. Sie entspricht den strategischen Überlegungen unseres Hauses, durch Differenzierung kunden- und risikogerechte Tarife zu etablieren. Dies ist auch einer der Geheimnisse unseres Erfolges in der Kfz-Sparte.

Insofern werden wir die Produktwelt der Alte Leipziger in der kompletten Itzehoer Welt übernehmen. Die Makler haben weiterhin ihr liebgewonnenes Produkt. Das gleiche gilt für die Ausschließlichkeit der Alte Leipziger, und auch unsere Vertrauensleute erhalten ein neues modernes Produkt.

VersicherungsJournal: Bleibt es bei den beiden Marken Alte Leipziger beziehungsweise Rechtsschutz Union einerseits und Itzehoer andererseits und werden die Itzehoer Rechtsschutz-Schadenservice GmbH sowie Rechtsschutz Union Schaden GmbH parallel weitergeführt?

Ludka: Wir werden die beiden Schadenservice GmbHs zusammenlegen und diese unter dem Namen der Itzehoer führen, voraussichtlich aber ergänzt um einen historischen Bezug. Dies haben wir bei der Fusion mit der Brandgilde von 1691 ebenso praktiziert.

Wir streben mittelfristig eine marktwertkonsistente Combined Ratio von 95 Prozent an.

VersicherungsJournal: Wo wollen Sie mit der Sparte in fünf Jahren stehen im Hinblick auf den Marktanteil, die Combined Ratio und der Anzahl der in dieser Sparte einschließlich der GmbHs tätigen Mitarbeiter?

Ludka: Die Sparte wird ertragreich sein, wir streben mittelfristig eine marktwertkonsistente Combined Ratio von 95 Prozent an. Wir hoffen, langfristig einen Marktanteil von zwei Prozent erreichen zu können. Also ist das eindeutig erklärte Ziel, nach Erreichung der Ertragsverbesserung auch in dieser Sparte zu wachsen.

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