19.4.2013 (€) – Vor knapp einem Jahr hat die Hamburger Feuerkasse bekannt gegeben, dass sie sich innerhalb des Provinzial-Konzerns neu positionieren und sich auf das Privat- und Gewerbekundengeschäft im Raum Hamburg konzentrieren will (VersicherungsJournal 5.6.2012). Im Gespräch mit dem VersicherungsJournal zog Stephan Lintzen, Mitglied des Vorstands mit Zuständigkeit für Vertrieb, Vertrag, Leistung und Querschnittsfunktionen, eine erste Bilanz.
VersicherungsJournal: Herr Lintzen, vor kurzem hat die Hamburger Feuerkasse gemeldet, dass sie eine Kommunikationskampagne starten will, nachdem sie ja in den letzten Jahren eher zurückhaltend kommuniziert hat. Was haben Sie vor?
Lintzen: Wir haben zunächst unser Logo und unseren Schriftzug modernisiert. Damit wollen wir deutlich machen, dass wir nicht nur die Spezialisten rund um das Gebäude in Hamburg sind, sondern in Zukunft der Regionalversicherer der Provinzial-Gruppe, der bis auf Kfz alle Kompositversicherungen im Privat- und Gewerbekundenbereich anbietet.
Bisher konzentrierte sich die Hamburger Feuerkasse auf Versicherungen für Grundeigentümer. In Zukunft sind unsere Zielgruppen alle Hamburger, also auch Mieter und Pächter. Das Logo soll die Neuausrichtung widerspiegeln und gleichzeitig deutlich machen, dass wir das älteste Versicherungs-Unternehmen der Welt sind. Deshalb lautet unser Slogan nun nicht mehr „Seit 1676 Hamburgs Gebäudeversicherer“, sondern „Versicherung für uns in Hamburg. Seit 1676.“
Außerdem haben wir das Logo verändert – statt dem stilisierten V, das für Versicherung steht und der dreitürmigen Burg, konzentrieren wir uns auf die Burg. Das bisher verwendete Signalrot haben wir in ein traditionelleres Hamburger Backsteinrot abgeändert. Auch die Schrifttype haben wir mit dem Konzernlayout harmonisiert und angepasst.
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- Bild: Hamburger Feuerkasse
Das bietet Synergien in Bezug auf die Schriftstücke der Provinzial-Gruppe, die sich in erster Linie durch unterschiedliche Farben unterscheiden.
VersicherungsJournal: Gibt es darüber hinaus Werbemaßnahmen?
Lintzen: Wir schalten ab April Spots in Hamburger Regionalsendern mit prominenten Sprechern wie Volker Lechtenbrink und setzen außerdem verstärkt auf Online-Werbung, wie Suchmaschinen-Marketing, das auf unseren neuen Webauftritt verlinkt. Außerdem sind Marketingmaßnahmen mit den 20 Generalagenturen im Hamburger Raum geplant, die in mit einem großen Schriftzug „Hamburger Feuerkasse“ und einem kleineren der Provinzial nach außen hin auftreten.
VersicherungsJournal: Dort werden also sowohl Produkte der Hamburger Feuerkasse als auch der Provinzial verkauft?
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- Stephan Lintzen (Bild: Hamburger Feuerkasse)
Lintzen: Ja. In Hamburg werden wie bisher auch schon die Kfz- und die Lebensversicherung der Provinzial Nord angeboten, außerdem bei Bedarf die Industrieversicherungen der Westfälischen Provinzial.
VersicherungsJournal: Aus diesem Geschäft steigt die Hamburger Feuerkasse komplett aus?
Lintzen: Das Industriegeschäft ist für ein Unternehmen unserer Größe zu volatil – die Verluste in den letzten Jahren kamen hauptsächlich aus diesem Bereich, da reichten schon wenige Großschäden. Es ist bei Unternehmen mit größerer Risikotragfähigkeit, wie der Westfälischen Provinzial, besser aufgehoben.
VersicherungsJournal: Auf welche Kundengruppen setzt die Feuerkasse dann in Zukunft?
Lintzen: Aktuell steuern die Privatkunden 48,6 Millionen Euro zum Umsatz bei, die Gewerbekunden 16,3 Millionen und die Großkunden, vor allem aus der Wohnungswirtschaft, 34,8 Millionen Euro. Wir wollen vor allem bei den beiden ersten Gruppen wachsen, indem wir das Geschäft auf Hausrat/Inventar, Haftpflicht und Unfall ausweiten, und die dritte Gruppe stabil halten. Hier haben wir letztes Jahr mit Sanierungsmaßnahmen begonnen, die erste Erfolge zeigen.
VersicherungsJournal: In der Vergangenheit ist die Hamburger Feuerkasse ja auch als wichtiger Sponsor im Hamburger Kulturleben in Erscheinung getreten. Wollen Sie das fortführen und ausbauen?
Lintzen: Wir unterstützen seit langem das Schleswig-Holstein-Musikfestival und neuerdings auch die Elbphilharmonie-Konzerte sowie ausgewählte Konzerte und Engagements zum Beispiel bei den Museen.
Der „Hamburgtisch“ im Hamburgmuseum stellt eindrucksvoll die Bedeutung des Hamburger Hafens für die Entwicklung der Stadt dar. Im Rahmen des Schleswig-Holstein-Musikfestivals unterstützen wir die Red Bull Flying Bach Konzerte in der Laeszhalle. Hier begeistern klassische Musik und Breakdance. Die Flying Steps verstehen es, bewährte klassische Elemente mit innovativen Ideen zu verbinden und damit auch ein neues Publikum zu begeistern.
Ein ähnliches Ziel verfolgen wir mit unserer Neuausrichtung. Auch wir wollen damit auch andere Zielgruppen erreichen und begeistern. Wir – und auch ich persönlich – werden in Zukunft auch wieder stärker in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten, um den großen Vorteil eines Hamburger Regionalversicherers zu nutzen, nämlich dass man sehr nahe an den Kunden ist.
VersicherungsJournal: Auf welche Vertriebswege konzentrieren Sie sich beim Vertrieb?
Lintzen: Der wichtigste Vertriebsweg sind bei uns die Makler, ohne die Öffnung in den Maklermarkt nach der Liberalisierung würde es die Hamburger Feuerkasse wohl nicht mehr geben. Da Hamburg ja auch der wichtigste Maklerstandort ist, arbeiten wir hier beispielsweise mit dem Verband deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM) zusammen und werden von vielen Maklern geschätzt.
Daneben haben wir unsere 20 Agenturen, für die wir jetzt die Vertriebssteuerung übernehmen. Diese spielen bei der Neuausrichtung eine sehr wichtige Rolle. Durch gezielte Maßnahmen wollen wir hier in den nächsten Jahren wachsen.
Das dritte Vertriebs-Standbein sind die 55.000 Privatkunden, die direkt angebunden sind, in der Regel mit einer Gebäudeversicherung, wobei der Kontakt oft noch aus der Monopolzeit stammt. Diesen Vertriebsweg wollen wir in Zukunft nun besonders pflegen, indem wir angestellte Mitarbeiter zu seiner Betreuung aufbauen.
Wir haben aus Bewerbungen aus den Reihen des Hamburger Standortes acht Versicherungskaufleute ausgewählt, die gerade eine Ausbildung für den Außendienst durchlaufen. Ihre Aufgabe wird nicht die Neukundengewinnung sein, sondern die Betreuung unserer Bestandskunden – wir wollen die langjährige Kundenbindung nutzen, um unsere Kunden möglichst für weitere Verträge über die Gebäudeversicherung hinaus zu gewinnen.
Das ist ein riesiges Feld, mit dem man sich jahrelang beschäftigen kann. Ein ähnliches Modell gibt es schon bei den Landesbrandämtern in Bayern.
VersicherungsJournal: Wie stehen Ihre Mitarbeiter zu diesen Veränderungen? Tragen sie die mit?
Lintzen: In Zukunft werden die Schaden- und Betriebsabteilungen der Provinzial Nord Brandkasse in Kiel konzentriert, dafür wird unter anderem das Rechtsschutzgeschäft des Konzerns in Hamburg verarbeitet. Kein Mitarbeiter muss den Standort wechseln, wenn er nicht will, dafür aber bereit dazu sein, andere Aufgaben zu übernehmen.
Das wird auch von allen Beteiligten – Mitarbeitern, Betriebsrat und Unternehmensleitung – mitgetragen. Mit diesen Veränderungen im Konzern und der Neuausrichtung sichern wir die Zukunft der Hamburger Feuerkasse und den Standort Hamburg.
VersicherungsJournal: Sie selbst sind ja seit zwei Jahren im Vorstand der Hamburger Feuerkasse (VersicherungsJournal 21.2.2011), seit einem Jahr treiben Sie zusammen mit Ihrem Kollegen Stefan Richter die Neuausrichtung voran. Wie ist Ihre persönliche Bilanz bisher?
Lintzen: Ich bin froh darüber, wie viel sich inzwischen schon bewegt hat. Seit Oktober 2012 bieten wir die Gewerbe-Inhaltversicherung an, seit dem 1. Januar 2013 die Unfallversicherung und am 1. Juni wird die Vertriebsdirektion ihre Arbeit aufnehmen. Diese Veränderungen waren möglich, weil wir ganz kurze, schnelle Entscheidungswege haben und in den Projekten sehr gut zusammengearbeitet wurde.
Außerdem haben wir die Mitarbeiter durch ein erfolgreiches Change-Management mitgenommen, bei dem wir sie über alle Veränderungen ausführlich informiert haben. Dies werden wir auch 2013 fortsetzen. Nur wenn wir die Mitarbeiter mitnehmen und für die neuen Ziele begeistern, werden sie diese Begeisterung an die Kunden und unsere Geschäftspartner weitergeben.
Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich zum richtigen Zeitpunkt Vorstand geworden bin. Es ist eine tolle Aufgabe und eine Riesenchance und ein Weg, der angesichts der in der Branche eher üblichen Zentralisierung gar nicht selbstverständlich ist. Wir wollen der selbstbewusste Regionalversicherer in Hamburg sein, dessen Stärke die Nähe zu seinen Kunden ist – Versicherung ist ein sehr persönliches Geschäft. Seit 1676.




