Bavariadirekt will im Vertrieb über Versicherungsmakler zulegen

13.5.2026 – Das Unternehmen aus der Sparkassen-Finanzgruppe hat seine Zukunftspläne vorgestellt. Sowohl im Kundenservice als auch in der Schadenbearbeitung setzt man bereits KI-basierte Bots ein. Sie entwickeln sich demnach zu einem relevanten Kommunikationskanal und dürften langfristig gesehen einen wesentlichen Anteil am Neugeschäft übernehmen.

Die Vorstandsmitglieder der Bavariadirekt Versicherung AG haben bei einem Pressegespräch am Dienstag erläutert, wie sie zukünftig verstärkt mit dem Vertriebskanal Versicherungsmakler wachsen wollen. Eine Schlüsselrolle spielen hierbei demnach Kooperationen mit Maklerpools.

Der 2008 gegründete Direktversicherer ist als Tochterunternehmen der Versicherungskammer Bayern (VKB) Teil der Sparkassen-Finanzgruppe. Eine Quersubventionierung innerhalb des Konzerns gebe es laut Bavariadirekt aber ebenso wenig wie einen Wettbewerb mit anderen öffentlichen Versicherern.

Denn der reine Online-Anbieter wolle explizit im Segment der Direktkunden wachsen. Es gebe zwar auch weiterhin viele Kunden, die Wert auf persönliche Beratung legen. Doch die könne die Bavariadirekt nicht mit stationärem Vertrieb in den Sparkassen erreichen.

Von links: Katja Gerke, Mareike Steinmann-Baptist und Christian Krams (Screenshot: Hilmes)

Unfallversicherung und erste Police für Firmenkunden

Neben dem nach Unternehmensangaben bereits stark wachsenden Maklervertrieb setzt der Versicherer seine Policen vorrangig über die eigene Website sowie über Vergleichsplattformen ab. Hinzu komme der Kanal Telesales durch eigene Servicemitarbeiter im telefonischen Vertrieb.

Zum Produktportfolio zählen bislang Policen für Privatkunden aus klassischen Bereichen wie Kfz, Hausrat und Wohngebäude sowie Rechtsschutz und Haftpflicht. Derzeit entwickelt man auch eine Unfallversicherung und plant ab dem kommenden Jahr das erste Angebot für Firmenkunden.

Erklärtes Ziel ist es, die Bruttoprämieneinnahmen auf 500 Millionen Euro zu steigern. Ein bestimmtes Datum nennt die Bavariadirekt hierfür allerdings ausdrücklich nicht, weil nur ein auskömmliches Wachstum angestrebt werde.

Bavariadirekt auf Platz fünf seiner Vergleichsgruppe

Im vorigen Geschäftsjahr hatten sich die Einnahmen „vollständig organisch“ um rund 40 Prozent auf 337 Millionen Euro erhöht. Auf Fünfjahressicht ist die Zahl der Versicherten kontinuierlich um etwa 80 Prozent auf 1.065.000 Kunden gestiegen.

„Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere das dynamische Kraftfahrtgeschäft sowie ausgewählte Retail-Produkte im Privatkundensegment“, erklärt die Bavariadirekt. Sie habe von einem wachsenden Direktversicherungsmarkt profitiert und gleichzeitig überdurchschnittlich Marktanteile hinzugewonnen.

Derzeit belege man Platz fünf der relevanten Vergleichsgruppe, betont der Direktversicherer. Davor rangiert der Marktführer Huk24 AG mit gebuchten Bruttobeiträgen von rund 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2025. Es folgen die Mitbewerber DA Deutsche Allgemeine Versicherung AG (451 Millionen Euro), Verti Versicherung AG (423) und Cosmos Versicherung AG (392).

Wachstum im expandierenden Direktmarkt angestrebt

„Der Direktmarkt wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen, insbesondere bei digitalaffinen Kundengruppen“, erwartet Dr. Christian Krams, der als Vorstandsvorsitzender auch für Vertrieb und Marketing verantwortlich ist.

Die Bavariadirekt sei demnach „gut positioniert, um im expandierenden Direktversicherungsmarkt weiter profitabel zu wachsen“. In den kommenden Jahren baue man insbesondere darauf auf, dass man bereits stark in künstliche Intelligenz (KI) investiert habe.

Sowohl im Kundenservice als auch in der Schadenbearbeitung setzt der Versicherer KI-basierte Bots ein. Sie „entwickeln sich bereits jetzt zu einem relevanten Kommunikationskanal und werden perspektivisch einen wesentlichen Anteil am Neugeschäft übernehmen“.

Künstliche Intelligenz als Wachstums- und Effizienztreiber

Immer mehr Kunden erwarten schnelle, verständliche und jederzeit verfügbare Antworten, erläutert das für die IT zuständige Vorstandsmitglied Dr. Katja Gerke. Hierbei spielen demnach die Sicherheit, Qualität und Verfügbarkeit der Daten eine entscheidende Rolle.

„KI unterstützt unsere Teams, entlastet sie von Routineaufgaben und schafft Raum für persönliche Beratung in komplexen Situationen“, so Gerke. Wichtig ist ihr, dass die KI während eines digitalen Kundendialogs in Echtzeit auf die Eingaben reagiert.

Bereits heute liegt die Automatisierungsquote im Betrieb der Bavariadirekt bei rund 80 Prozent, im Schadenbereich bei rund 40 Prozent. Damit könnten Schäden deutlich schneller geprüft und bei entsprechend klarer Sachlage zügig reguliert werden.

Verantwortung für Entscheidungen bleibt beim Menschen

Trotz des hohen Automatisierungsgrads trägt der Mensch weiterhin die Verantwortung. „Fachliche Expertise und Empathie bleiben die integralen Bestandteile der Prozesse“, erklärt Mareike Steinmann-Baptist, Vorständin für die Bereiche Betrieb und Schadenmanagement.

„Schnelligkeit ist wichtig, aber bei entscheidenden Schritten ist der Mensch in der Verantwortung“, betont sie. „Wir setzen konsequent auf das Human-in-the-loop-Prinzip. KI unterstützt, strukturiert und beschleunigt die Verantwortung für faire Entscheidungen und eine wertschätzende Kommunikation tragen weiterhin unsere Mitarbeitenden.“

Für die etwa 150 Mitarbeiter sei angesichts der Wachstumsziele zwar kein Stellenabbau zu erwarten. Allerdings sieht Krams einen allgemeinen Bedarf, die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Während einfache Tätigkeiten von der KI erledigt würden, bräuchten die sogenannten Workflow-Manager die Fähigkeit, die automatisierten Entscheidungsvorschläge zu überprüfen.

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