bAV und bKV: Potenziale ausschöpfen durch Beratung

16.4.2026 – Laut einer Umfrage der Alten Leipziger/Hallesche gehören bAV und bKV zu den sechs wichtigsten Benefits, die kleine und mittlere Unternehmen anbieten, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und Beschäftigte zu binden. Hindernisse bei der Einführung der bAV sind deren Komplexität und die gegenwärtige Zurückhaltung in unsicheren Zeiten. Die bKV befindet sich im Mittelstand in einer Wachstumsphase – das Interesse ist größer als die tatsächliche Verbreitung. Die ALH-Gruppe hat ihren Gesamtumsatz 2025 auf 5,9 Milliarden Euro deutlich gesteigert.

Die Alte Leipziger/Hallesche-Gruppe (ALH) stellte auf ihrer virtuellen Bilanz-Pressekonferenz am Mittwoch neben ihren Geschäftsberichten die Studie „Betriebliche Versorgung im Mittelstand“ vor. Die Kernfrage: Was bewegt kleinere und mittlere Unternehmen dazu, betriebliche Altersversorgung (bAV) und betriebliche Krankenversicherung (bKV) einzuführen – oder auch nicht?

bAV und bKV zählen zu den sechs wichtigsten Benefits für Mitarbeitende

Dazu wurden Entscheider von Unternehmen mit 20 bis 500 Mitarbeitenden befragt. Mit dem Ergebnis kann die Versicherungsbranche auf den ersten Blick zufrieden sein. Um neue Mitarbeiter zu gewinnen und Beschäftigte zu binden, gehören bAV und bKV zu den sechs meistgenannten Benefits.

90 Prozent der Befragten nannten „zusätzliche Vergütung“ als wichtigstes Element. Nach „flexible Arbeitszeitmodelle“ (78 Prozent) und „Weiterbildungsangebote“ (77 Prozent) folgt die bAV mit 72 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich). Auf Platz fünf kamen „Sachleistungen“, wie beispielsweise das Jobticket (66 Prozent). Die noch relativ junge bKV halten bereits 40 Prozent für wichtig.

Die wichtigsten Benefits zur Mitarbeitergewinnung. Quelle: Forsa-Umfrage bei Entscheidern im Mittelstand im Januar 2026, n=202 (Bild: ALH)
Die wichtigsten Benefits zur Mitarbeitergewinnung. Quelle: Forsa-Umfrage bei Entscheidern im Mittelstand im Januar 2026, n=202 (Bild: ALH)

Beratung, Motivation und Unterstützung sind gefragt

Wiltrud Pekarek (Bild: Sarah Kastner)
Wiltrud Pekarek (Bild: Sarah Kastner)

Die Nutzung der bAV stagniert allerdings. Mit 55 Prozent liegt bei über der Hälfte der Unternehmen der Arbeitgeberzuschuss nur beim gesetzlichen Anteil von 15 Prozent. 60 Prozent bieten keine rein arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung an. In rund 40 Prozent der Unternehmen nutzen weniger als ein Viertel der Mitarbeitenden eine Entgeltumwandlung.

Für die bKV stellte Hallesche-Chefin Wiltrud Pekarek fest: „Die bKV befindet sich im Mittelstand in einer Wachstumsphase – das Interesse ist größer als die tatsächliche Verbreitung.“ Immerhin wird sie bereits von 27 Prozent genutzt. Die positiven Effekte wie höhere Arbeitgeberattraktivität und gesteigerte Zufriedenheit werden klar gesehen.

Hindernisse bei der Einführung der bAV sind deren Komplexität und die gegenwärtige Zurückhaltung in unsicheren Zeiten. Leben-Vorstand Jürgen Bierbaum setzt darauf, Arbeitgeber stärker zu motivieren: „Es gibt kein Allheilmittel.“ Bei der bKV scheint weitere Aufklärung notwendig zu sein. Laut Umfrage hat sich rund die Hälfte der Entscheider noch nicht näher mit der bKV beschäftigt.

Gesamtumsatz deutlich gesteigert

Die ALH-Gruppe hat ihren Gesamtumsatz 2025 auf 5,9 Milliarden Euro deutlich gesteigert. Das waren 10,9 Prozent mehr als im Vorjahr (VersicherungsJournal 28.3.2025).

Mit 3,1 Milliarden Euro gebuchten Versicherungsbeiträgen trug die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. über die Hälfte bei. Die Hallesche Krankenversicherung a.G. steuerte mit 1,8 Milliarden Euro fast ein Drittel bei. Die Töchter erwirtschafteten zusammen eine weitere Milliarde.

In Leben stieg das Neugeschäft um 52,8 Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro und damit über das 2023 erreichte Ergebnis von 0,9 Milliarden Euro. Dies ist ganz überwiegend dem Einmalbeitragsgeschäft zu verdanken: Es stieg von 463 auf 812 Millionen Euro. Die laufenden Beiträge stiegen um 6,8 Prozent auf 244 Millionen Euro.

Bei der Hallesche erreichten die Neugeschäftsbeiträge 6,6 Millionen Euro Monatssollbeitrag (ohne gesetzlichen Zuschlag). Der Rekordwert des Vorjahres (7,3 Millionen Euro) wurde, wie erwartet, nicht noch einmal erreicht. Das Neugeschäft in der Krankenvollversicherung reduzierte sich um 11,3 Prozent. Die bKV konnte um 2,7 Prozent ausgebaut werden.

Kostensteigerungen im Gesundheitswesen verringern Überschuss

Bei der AL Leben stieg der Rohüberschuss vor Steuern und Direktgutschrift um 7,9 Prozent auf 436,4 (Vorjahr: 404,4) Millionen Euro. Davon wurden über 400 Millionen Euro der Rückstellung für Beitragsrückerstattung, also den Versicherungsnehmern, zugewiesen. Die Solvabilitätsquote ging leicht von 370 auf 358 Prozent zurück.

Bei der Halleschen erhöhten sich die gezahlten Versicherungsleistungen deutlich, so dass die Aufwendungen für Versicherungsfälle um 15,2 Prozent auf 1.264,5 (Vorjahr: 1.097,2) Millionen Euro stiegen. Dies beeinflusste den Bruttoüberschuss. Er sank auf 187,2 (Vorjahr: 201,9) Millionen Euro. Die Solvabilitätsquote sank auf 493 (Vorjahr: 599) Prozent.

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