16.9.2026 – Axa-Konzernchef Dr. Thomas Buberl hat die neue Wachstumsstrategie des Versicherers vorgestellt. Wachsen will der Konzern vor allem organisch: über stärkere Kundenbindungen und Cross-Selling-Potenziale. Eine Schlüsselrolle soll dabei der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) spielen. Auch die Präventionsangebote für Versicherte sollen ausgebaut werden.
Dr. Thomas Buberl, Vorstandsvorsitzender des Axa-Konzerns, hat am Dienstag vor Analysten und Investoren die neue Unternehmensstrategie des Versicherers für die kommenden drei Jahre vorgestellt. Sie trägt den Titel „Growing Forward 2029“ (PDF, 2,94 MB) und knüpft an das bisherige Wachstumsprogramm „Unlock the Future“ an.
Nach Angaben Buberls beschäftigt der Konzern weltweit rund 156.000 Mitarbeiter und Vertriebspartner und ist in 52 Ländern aktiv. Die Zahl der Kunden gibt der Versicherer mit mehr als 92 Millionen an.
Die Axa setzt auf organisches Wachstum
Wie Buberl erläuterte, will die Axa vor allem das organische Wachstum beschleunigen. Dazu sollen unter anderem Cross-Selling-Potenziale bei bestehenden Kunden besser ausgeschöpft und die Kundenbindung weiter gestärkt werden. Die Wettbewerbsfähigkeit soll zudem durch eine strikte Kostenkontrolle und ein selektives Underwriting gestärkt werden.
Darüber hinaus sieht Axa Wachstumspotenziale in bestimmten Versicherungs- und Vorsorgesegmenten. Ausdrücklich genannt werden in seiner Rede:
- die Schaden- und Unfallversicherung im Privatkundengeschäft,
- Gewerbeversicherungen für kleine und mittlere Unternehmen,
- Versicherungen für größere mittelständische Unternehmen („Mid Market“),
- Lebens- und Krankenversicherungen („Life & Health“),
- das Direktgeschäft sowie
- „Inclusive Insurance“, also Versicherungsangebote für bislang weniger gut erschlossene und unterversicherte Kundengruppen.
Bereinigter Gewinn soll jährlich um bis zu neun Prozent steigen

- Thomas Buberl (Archivbild: Brüss)
Bei den finanziellen Zielen legt die Axa die Messlatte höher als bisher. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll zwischen 2027 und 2029 im Schnitt jährlich um sieben bis neun Prozent zulegen. Damit liegt das Ziel um einen Prozentpunkt über dem bisherigen Strategieplan.
Auch bei der bereinigten Eigenkapitalrendite setzt sich der Konzern höhere Ziele. Sie soll über die drei Jahre im Durchschnitt 15 bis 17 Prozent erreichen und damit ebenfalls einen Prozentpunkt über der bisherigen Vorgabe liegen.
Zugleich will Axa an einer Ausschüttungsquote von 75 Prozent festhalten. Demnach soll insgesamt Dreiviertel des Gewinns an die Aktionäre zurückfließen.
Einsatz von KI soll deutlich ausgebaut werden
Beim Einsatz künstlicher Intelligenz will Buberl „die Einführung von künstlicher Intelligenz über die gesamte Wertschöpfungskette beschleunigen“, wie er ankündigt. Dahinter steht der Aufbau einer konzernweiten KI-Infrastruktur.
Als Einsatzbereiche nennt er das Underwriting, das Pricing, die Schadenregulierung und den Kundenservice. Damit soll die Effizienz des Versicherers gesteigert werden. Wie Buberl dem Handelsblatt sagte, erwartet die Axa ab 2029 einen jährlichen finanziellen Beitrag von 500 bis 700 Millionen Euro durch den verstärkten KI-Einsatz.
Gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Publicis Sapient, einer Tochter der französischen Publicis Groupe SA, baut die Axa dafür ihren sogenannten „Global AI Hub“ aus. Über diesen Hub sollen KI-Lösungen und KI-Agenten länderübergreifend gesteuert, entwickelt und von der Konzeptidee bis zur Produktion skaliert werden.
Die erste Version der Plattform ist nach Angaben des Konzerns seit Juli bei fünf Konzerneinheiten im Einsatz. Die Plattform werde bereits für Aufgaben wie die Kfz-Schadenregulierung, die Bearbeitung von Kunden-E-Mails und das Management von Unternehmenswissen eingesetzt – unter anderem in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.
Welche Auswirkungen hat der vermehrte KI-Einsatz für die Mitarbeiter?
In Deutschland beschäftigt die Axa Konzern AG mit ihren Tochterunternehmen derzeit rund 8.300 Mitarbeiter. Auf die Frage des VersicherungsJournals, welche Auswirkungen der verstärkte KI-Einsatz und die angekündigte strikte Kostenkontrolle auf die Beschäftigten und Vermittler haben werden, bleibt der Versicherer bei den konkreten Folgen allerdings vage.
„Wir setzen KI ein, um ein besserer Versicherer zu werden. Wir wollen beispielsweise bessere, schnellere und kundenfreundlichere Prozesse schaffen. Das Zusammenspiel von Menschen, Daten und künstlicher Intelligenz wird uns dabei helfen, trotz der massiven Verrentungswelle, die Deutschland in den kommenden Jahren bevorsteht, handlungsfähig zu bleiben“, teilt eine Sprecherin mit.
Als Versicherer sind wir davon überzeugt, dass Prävention immer und übergreifend mitgedacht werden muss.
Axa Deutschland
Verstärkter Fokus auf Präventionsangeboten
Auch die Prävention will die Axa ausbauen, so berichtet Buberl dem Handelsblatt. Privatkunden sollen etwa mit Informationen und konkreten Maßnahmen auf extreme Wetterereignisse vorbereitet werden.
Im Gesundheitsbereich will der Konzern Versicherten helfen, gesundheitliche Risiken früher zu erkennen und Krankheiten vorzubeugen. Als Beispiel nennt Buberl Bluttests, die Hinweise auf den Gesundheitszustand liefern könnten.
„Prävention ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit – übrigens nicht nur in der Krankenversicherung, sondern auch in allen Sparten, sei es zur Verhütung von Schäden oder zur Vorbeugung von Altersarmut. Als Versicherer sind wir davon überzeugt, dass Prävention immer und übergreifend mitgedacht werden muss“, positioniert sich hierzu die Axa-Sprecherin gegenüber dem VersicherungsJournal.




