Assekuradeur verschwindet vom Markt

24.4.2026 – Die Neodigital löst ihre Assekuradeurs-Tochter Situative GmbH auf. Grund ist, dass sich die Geschäftserwartungen an den Vertrieb mit situativen Versicherungen nicht erfüllt haben, wie CEO Stephen Voss dem VersicherungsJournal berichtet.

Die Neodigital Versicherung AG löst ihre Tochtergesellschaft Situative GmbH auf. Das bestätigt Stephen Voss, CEO und Vorstandssprecher der Neodigital Versicherung, dem VersicherungsJournal auf Nachfrage. Zuerst hatte Frommes Versicherungsmonitor GmbH über den Vorgang berichtet.

Assekuradeur für situative Versicherungen

Neodigital hatte Situative im Jahr 2021 übernommen und wollte das Unternehmen zum „Assekuradeurs-Speedboot der Branche“ ausbauen.

Die GmbH war auf situative Versicherungen und „Embedded-Insurance“-Angebote spezialisiert – also Policen, die anlassbezogen und zeitlich befristet abgeschlossen werden konnten, etwa für einzelne Veranstaltungen oder kurze Nutzungszeiträume. Diese konnten im Direktvertrieb per App abgeschlossen werden.

Über die Webseite „Appsichern.de“ wurden zum Beispiel spezielle Unfallversicherungen für das Oktoberfest in München oder sogenannte „Racer-Cover“-Policen für Auto-, Kart-, Rad- und andere Rennen angeboten. Kaskoversicherungen greifen in der Regel nicht, wenn Versicherungsnehmer an Rennveranstaltungen teilnehmen.

Hoffnungen in Vertrieb situativer Versicherungen nicht erfüllt

Doch die „Entwicklungen und die Nachfrage am Markt nach Kurzzeitversicherungsprodukten haben nicht unsere Erwartungen erfüllt“, wie Voss dem VersicherungsJournal berichtet.

Stephen Voss (Bild: Neodigital)
Stephen Voss (Bild: Neodigital)

„Wir haben damit, wie für ein junges Unternehmen üblich, spannende und potenziell aussichtsreiche Chancen für uns erkundet“, so Voss. Letztlich habe sich jedoch gezeigt, dass die Erwartungen des Marktes und die eigenen Ambitionen wirtschaftlich nicht nachhaltig umzusetzen gewesen seien.

„In der Abwägung und fortwährenden Überprüfung der eigenen Strategie steht eine Fokussierung auf die technologische Kernkompetenz der Neodigital im Mittelpunkt“, so Voss. „Wir haben daher im September 2025 beschlossen, diesen Produkt- und Absatzbereich nicht mehr weiter strategisch zu verfolgen.“

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben befinde sich die Situative GmbH derzeit in der vorgeschriebenen Wartefrist gemäß § 73 GmbHG, wie Voss berichtet. Im Rahmen der Abwicklung einer GmbH werden in dieser Phase laufende Geschäfte beendet, Verbindlichkeiten geregelt und Vermögenswerte gesichert, bevor die Gesellschaft endgültig aufgelöst und gelöscht wird.

Vertragsbestand wurde aufgelöst

Wie Stephen Voss dem VersicherungsJournal weiter berichtet, sei der Vertragsbestand des Assekuradeurs inzwischen aufgelöst worden. Dabei habe es geholfen, dass es sich in der Regel nicht um langlaufende Verträge gehandelt habe, sondern diese ohnehin nur zeitlich befristet gewesen seien.

Auch die Mitarbeiter seien vom Ende der GmbH nicht betroffen. Auf die Frage, ob sich Neodigital künftig im Bereich der situativen Versicherungen engagieren werde, antwortete Voss: „Wir sehen aktuell keine Anzeichen für eine Marktentwicklung, die ausreichend große Geschäftspotenziale für uns erkennen lässt.“

Digitalversicherer mit Wachstumsambitionen

Die Neodigital wurde 2017 von Stephen Voss und Dirk Wittling gegründet. Schon ein Jahr später erhielt das Unternehmen seine Lizenz als Versicherer durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) (VersicherungsJournal 9.4.2018).

Die gebuchten Beiträge stiegen im Jahr 2024 laut SFCR-Bericht (PDF, 1,23 MB) von 22,6 Millionen Euro auf 28,6 Millionen Euro. Das Versicherungsgeschäft blieb mit rund 10,2 Millionen Euro im Minus, vor allem wegen hoher Schaden- und Betriebskosten. Zusätzlich belasteten wachstumsbedingte Aufwendungen das Ergebnis, so dass sich ein Jahresfehlbetrag von rund 19,5 Millionen Euro ergab.

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