17.12.2015 (€) – Für die Arag SE läuft das Jahr 2015 umsatzmäßig besser als erwartet. Im heimischen Rechtsschutz erhöht sich voraussichtlich erneut der Marktanteil. Die Produktoffensive wird 2016 fortgesetzt. In der Jahresend-Pressekonferenz ging es zudem um geschädigte VW-Kunden.
Die Arag-Gruppe plant für 2016 eine Reihe von neuen Produkten. Entwickelt werden eine Einkommensabsicherung für den Verlust des Arbeitsplatzes als Annex zur Rechtsschutz-Versicherung sowie ein Rechtsschutztarif, bei dem die Selbstbeteiligung entfällt, wenn sich der Kunde für einen Rechtsanwalt des eigenen Netzwerkes entscheidet.
In der Entwicklung sind ferner die Integration des Firmen-Vertragsrechtsschutzes in den Forderungsausfall-Tarif sowie ein „Alltagshelfer“ mit Assistance-Leistungen bei Krankheit, geplanten Operationen, Trauer und Streikfall.
Mehr Kunden in Deutschland

- Paul-Otto Faßbender (Bild: Lier)
Der Konzern habe sich 2015 erfolgreicher entwickelt als geplant, berichtete Dr. Paul-Otto Faßbender, Vorstandschef und Mehrheitseigentümer. Die Beitragseinnahmen würden voraussichtlich um 3,4 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro zulegen; davon entfielen 1,07 Milliarden Euro auf deutsches Geschäft (plus 2,3 Prozent).
Die Zahl der Kunden in Deutschland habe sich um zwei Prozent vergrößert, wozu ein erneut deutlicher Zuwachs über das Onlinegeschäft beitragen habe. Per Ende Oktober sei dieser Kundenbestand um 21 Prozent auf 182.000 gestiegen. Der Anteil der Online-Kunden habe sich auf 8,4 (2013: 7,4) Prozent des Gesamtbestandes erhöht.
Getragen vom starken Teilkostengeschäft verbuche der Krankenversicherer voraussichtlich 346,7 (340,5) Millionen Euro Prämie. Die schnelle Umsetzung des Lebensversicherungs-Reformgesetzes mit der Senkung der Abschlussprovision um mehr als 15 Promille auf 25 bis 30 Promille (VersicherungsJournal 12.12.2014) hat nach Unternehmensangaben zu geringeren Einbußen als erwartet geführt. Beim Lebensversicherer gehen die Beiträge erneut auf 219 (221,5) Millionen Euro zurück.
Marktanteil wächst wieder
Das Rechtsschutzgeschäft wird um 5,5 Prozent auf 831,3 Millionen Euro wachsen, davon stammen 505 Millionen Euro aus dem ausländischen Rechtsschutzgeschäft (plus sechs Prozent). Das deutsche Rechtsschutzgeschäft habe mit einem Plus um fünf Prozent auf 306,3 Millionen Euro stärker als geplant zulegt.
Nach Jahren des Rückgangs erhöht sich der Marktanteil in Deutschland nun zum zweiten Mal in Folge auf 9,3 (8,5) Prozent. „Damit dürfte mehr als deutlich sein, dass die Arag im deutschen Rechtsschutz die Trendwende vollzogen hat“, so Faßbender.
Hinzugewonnen habe man nicht nur bei den Beiträgen, sondern auch im Kundenbestand. Ein Drittel des Beitragszuwachses stammt aus Beitragsanpassungen. Die Beitragsanpassungen um durchschnittlich fünf bis sechs Prozent betrafen Verträge mit einem Aufkommen von rund 100 Millionen Euro.
Auch in der Kompositsparte stabilisiere sich die Beitragsentwicklung nach langer Durststrecke, so Faßbender. Er erwartet hier einen Zuwachs um 2,7 Prozent auf 245,1 Millionen Euro Prämie und eine Schadenquote von unter 50 Prozent.
Schwache Finanzmärkte
Das Vorsteuerergebnis liege trotz des Rückgangs auf voraussichtlich 55 (84,2) Millionen Euro im Ergebnisplan, so Faßbender. Im Vorjahr hatte die Gruppe von positiven Sondereffekten durch Portfolio bei den internationalen Niederlassungen und Zuschreibungen auf festverzinsliche Papiere profitiert. Nun drückten die schwachen Finanzmärkte.
Versicherungstechnisch läuft es aber besser als im Vorjahr. Die Schaden-/Kostenquote verbessere sich auf 92,3 (95,5) Prozent. Der versicherungstechnische Gewinn werde über den im Vorjahr erreichten 60,6 Millionen Euro liegen.
Faßbender berichtete zudem, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) das partiell interne Risikomodell zur Berechnung der Anforderungen nach Solvency ll in der Sparte Rechtsschutz genehmigt habe.
Die Standard-Modellierung hätte aufgrund des hohen Rechtsschutzbestandes „zu einem erheblichen vermeidbaren“ Kapitalaufwand geführt. „Unsere sehr gute Aufstellung in diesem Bereich wird einen Beitrag dazu leisten, unsere Wettbewerbsposition weiter zu kräftigen“, so Faßbender mit Blick auf Wettbewerber, die ihren Rechtsschutz unter Eigenkapitalgesichtspunkten umstrukturieren.
Belastungen aus dem Abgas-Skandal
In ganz Europa meldeten immer mehr VW-Besitzer Rechtsansprüche gegen VW-Händler an. Allein in Deutschland stehe die Arag inzwischen mit mehr als 800 VW-Kunden in Kontakt, in Österreich mit weiteren 150. „Grundsätzlich sind die Rechtsschutzversicherer eintrittspflichtig“, so Faßbender. „Wir übernehmen die Kosten für die anwaltliche Beratung und die weitere Rechtsverfolgung.“
Geschädigten VW-Kunden, die von ihrem VW-Händler ohne vorangegangene Aufforderung zur Mängelbeseitigung direkten Schadensersatz fordern, werde die Deckungszusage für Rechtsschutz aber wegen mangelnder Erfolgsaussichten verweigert. „Wir registrieren zunehmend Kostenanfragen zu diesen Fällen“, so Faßbender.
Erst wenn der Händler den Mangel nicht beseitige, könne Schadenersatz gefordert werden. „Es ist also derzeit für VW-Kunden deutlich zu früh, die Händler zu verklagen.“ Einzelne Anwaltskanzleien würden vor allem rechtsschutzversicherte Mandanten mit dem Versprechen einwerben, direkten Schadenersatz zu erwirken. Manche versuchten auf, VW-Kunden noch in den Rechtsschutz „reinzuversichern“.
Die Arag erwartet, dass sie von den „medial auch sehr aktiven“ Kanzleien verklagte wird. Im Hinblick auf die große Zahl der Betroffenen unter den Arag-Kunden – geschätzt werden 10.000 – will man auf jeden Fall an dieser Haltung festhalten. Schließlich geht es um viel Geld: Kann der Schaden durch Nachbesserung behoben werden, kostet dies den Versicherer rund 147 Euro Anwaltskosten (bei einem Neuwagen von 19.000 Euro). Bei einer Klage, die laut Arag wegen des falschen Vorgehens aussichtslos sei, fielen allein in der ersten Instanz 6.270 Euro an.




