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Wie die Realität unsere Berechnungen widerlegt

21.10.2019 – Wenn die Lebenserwartung auch der Versicherten in Deutschland nicht mehr zunimmt, wovon aber auch die Aktuare bislang ausgegangen sind, dann müssen – langfristig gesehen – die Sterblichkeitsgewinne der Versicherer steigen. Doch eine kurzfristige Stagnation der Lebenserwartung ändert für die Kalkulation der Lebensversicherer nichts. Sollte die Stagnation anhalten, müssten sich die Aktuare etwas einfallen lassen.

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Michael Glück (Bild: privat)
Michael Glück
(Bild: privat)

Die zentrale Aussage eines Kommentars in der „Welt“ ist die jetzt festgestellte Stagnation der Lebenserwartung in Deutschland. Dabei beruft sich das Blatt auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Da wir aber immer älter werden müssten, weil es bislang so war, wie das Blatt argumentiert, muss es für den Stopp bei der Lebenserwartung besondere Gründe geben. In den USA ist dieser Trend schon früher festgestellt worden. Und auch dafür wurden besondere Ursachen benannt.

Krankheiten und Drogen kosten Lebenszeit

Fettleibigkeit, Bluthochdruck. Diabetes und zu wenig Bewegung, aber auch ein geringer sozialer Status und geringere Bildung, wie sie das Max-Planck- Institut für Demografische Forschung (MPIDR) herausgearbeitet hat (VersicherungsJournal 15.10. 2019), werden als Erklärung genannt. In den USA werden noch Rauschgiftsucht und Alkohol erwähnt.

Denn grundsätzlich geht die demografische Forschung von einer Zunahme der Lebenserwartung mit offenem Ende aus. Die Frage allerdings ist, warum die Lebenserwartung des Menschen ständig steigen muss. Natürlich ist sie in den vergangenen Jahrhunderten gestiegen. Das lag vor allem an einer deutlichen Verbesserung der Hygiene in unseren Krankenhäusern.

So entsteht die durchschnittliche Lebenserwartung

Ein einfaches Beispiel zur Berechnung der durchschnittlichen Lebenserwartung macht diese Zusammenhänge deutlich.

Denken wir uns eine Kohorte von 100.000 Personen. Davon sterben 50.000 im ersten Lebensjahr, die restlichen 50.000 werden dagegen 70.Jahre. Das ergibt eine Gesamtlebenserwartung 3,55 Millionen Jahren, geteilt durch 100.000 ergibt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 35,5 Jahren.

Würden die Säuglinge nicht mehr kurz nach ihrer Geburt sterben, was lange Zeit keine Seltenheit war, sondern 50 Jahr alt werden, läge die durchschnittliche Lebenserwartung bereits bei 60 Jahren. Das bedeutet, dass vor allem die Verringerung der Kindersterblichkeit den kräftigen Anstieg unserer Lebenserwartung verursacht hat.

Sozialer Status macht älter

Zugenommen hat aber auch das Alter, das wir als Einzelne erreichen. Denn wir leben insgesamt gesünder, mehrheitlich auch besser als noch vor einhundert Jahren. Und es besteht ein Zusammengang zwischen sozialem Status und Sterblichkeit, wie ihn das MPIDR nun präsentiert hat.

Die Lebensversicherer haben dies allerdings bereits vor über 50 Jahren erfasst. Im Sonderdruck aus dem Handbuch der gesamten Arbeitsmedizin, III. Band, aus dem Jahr 1962 finden sich nicht nur ausführliche Tabellen zu Gesundheitsrisiken verschiedener Berufe, sondern auch zur Sterblichkeit von Männern unterschiedlicher Tätigkeit.

Auch in jüngerer Zeit gab es entsprechende Studien, so die Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Deren Quintessenz ist ebenfalls die Erkenntnis, dass mit höherem Lebenslohneinkommen die Lebenserwartung steige, wohingegen ein niedrigeres Erwerbseinkommen zu einer kürzeren Lebenserwartung führe (6.6.2019).

Schon vor 2000 Jahren half ein guter Status

All das ist nicht neu. So wurde Platon, eigentlich Aristokles, und wie der Name besagt aus „gutem Haus“, vor über 2.000 Jahren 80 Jahre alt (428 oder 427 bis 348 oder 347 vor unserer Zeitrechnung). Das war vor 250 Jahren nicht anders. Johann Wolfgang von Goethe lebte von 1749 bis 1832. Er wurde also 83 Jahre alt. Beide Männer zählten gewiss nicht zu den unteren Einkommensschichten.

Doch eine Garantie für ein langes Leben ist das allein nicht. So habe die Gothaer Lebensversicherung AG zum Beispiel, wie es Handbuch der gesamten Arbeitsmedizin von 1962 heißt, unter anderem die Mortalität der bei ihr in den Jahren 1829 bis 1885 versicherten Ärzte ermittelt. Dabei wurde festgestellt, dass sie häufiger sterben als erwartet.

Rückbesinnung auf vergangene Zeiten?

Ob die Lebenserwartung nun für längere Zeit stagniert oder sogar abkippt, lässt sich aus den bisherigen Daten nicht ablesen. Wenn daraus ein Trend werden sollte, ließe sich dieser natürlich fortschreiben.

Doch entstünde so lediglich eine Prognose mit allen immanenten Unsicherheiten. Das ist den Lebensversicherern und Vermittlern stets vorgeworfen worden, wenn sie mit den Ablaufleistungen der von ihnen angebotenen Lebensversicherungs-Policen warben.

Vor diesem Hintergrund ist das Kippen der Lebenserwartung hierzulande kein Anlass für die Aktuare, ihre Rechner anzuwerfen.

Doch sollte die Stagnation der Lebenserwartung aus den vorgenannten Gründen anhalten, wäre es erwägenswert, bestimmte Kriterien für den Abschluss von Berufsunfähigkeits-Versicherungen auf Lebensversicherungen zur Alters- und Hinterbliebenenvorsorge zu übertragen. Das hatten wir schon einmal.

 
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