22.7.2020 (€) – Versicherer und Vertrieb werden im laufenden Geschäftsjahr Einbrüche in allen Sparten verkraften müssen. Hart wird es insbesondere Leben und Kranken treffen. In der Folge kommt es zu einer Konsolidierung bei Maklern und Ausschließlichkeits-Agenten. Diese Aussagen äußert eine Studie von EY Innovalue.
Düstere Prognosen stellt die EY-Parthenon Financial Services GmbH zu den Auswirkungen der Coronakrise auf die Assekuranz auf. Kernthesen der Studie „Versicherungswirtschaft in Zeiten von Covid-19“ sind folgende: Die Berater sagen einen Prämieneinbruch in allen Sparten der Branche voraus und gehen von einem weiteren Rückgang der Vermittler im deutschen Markt aus.
Durchgeführt hat die Auswertung die EY Innovalue Management Advisors GmbH (EY Innovalue). Das Unternehmen wurde im Februar in die EY-Parthenon integriert. Das Unternehmen repräsentiert das Beratungsnetzwerk von Ernst & Young.
Für die Studie haben die Autoren in zwei Szenarien die Auswirkungen der Krise auf Bestand und Neugeschäft modelliert. Als Basis für ihre Auswertung verwendeten die Berater die erwartete Branchen- und BIP-Entwicklung ohne Einfluss von Covid-19.

- Prognosen Covid-19-Auswirkungen (Bild: EY Innovalue)
Große Unsicherheit bei Verbrauchern und Firmenkunden
Ausgangspunkt der Prognose ist eine Bestandsaufnahme: Kontakt- und Mobilitäts-Beschränkungen beeinflussen den Vertrieb. Kunden sind in Folge der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen verunsichert. Das beeinflusst Neugeschäft und Bestand. Beitragsanpassungen und Schäden wirken sich auf die Schaden- und Kostenquoten der Versicherer aus.
„Die Verunsicherung der Privat- aber auch der Firmenkunden sorgt für Zurückhaltung beim Neugeschäft und Abrieb im Bestand“, lässt sich Julia Palte, Partnerin bei EY Innovalue und Studienautorin zitieren.
Aufgrund der beschriebenen, aktuellen Situation sagen die Managementberater Einbrüche in 2020 für folgenden Sparten voraus:
- Komposit: Bestandsabrieb zwischen zwei und drei Prozent im Privatkundengeschäft; zwischen vier und sechs Prozent im Firmenkunden-Bereich.
- Leben: Neugeschäftseinbruch zwischen 23 und 27 Prozent.
- Private Krankenversicherung: Neugeschäftseinbruch zwischen 22 und 29 Prozent.
Durch diese Entwicklungen wirke Covid-19 als Katalysator für Vermittleraustritte. Davon seien insbesondere ältere und Vertriebler, die nur wenig digital aufgestellt sind, betroffen.
Harte Einschnitte für Leben und Kranken

- Julia Palte (Bild: EY Innovalue)
Corona hat laut Studienunterlagen unterschiedlichen Einfluss auf die Kundensegmente: „Privatkunden verzögern und stoppen Investitionen, Firmen verlieren signifikant an Umsatz, zahlreiche Insolvenzen werden erwartet“, so die Autoren.
Im Komposit-Privatkundengeschäft erwarten die Berater insbesondere einen Rückgang in den Sparten Kfz in Folge eines Rückgangs der Neuzulassungen und Unfallversicherungen in Folge von Beitragsstundungen und auch Kündigungen.
In der Lebensversicherung weist die Studie Einbrüche bis zu 27 Prozent aus. Hier sei insbesondere das Einmalbeitragsgeschäft betroffen. In der Biometrie rechnen die Autoren mit „einer Seitwärtsbewegung und mittelfristig Zugewinnen aufgrund eines höheren Risikobewusstseins“.
In der privaten Krankenversicherung sehen die Berater vor allem die Vollversicherung unter Druck. Als Gründe nennen sie mehr Insolvenzen sowie weniger Personen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. KV-Zusatzversicherungen seien weniger stark betroffen (minus 15 bis minus 25 Prozent).
Kaum Neugeschäft in der bAV
Differenzierter betrachtet EY Innovalue den Komposit-Bereich im Geschäft mit Firmenkunden. Neben einer Marktverkleinerung durch weniger Neugründungen und zunehmende Insolvenzen dürften Branchen wie zum Beispiel Gastronomie, Tourismus, Luftfahrt und Automotive zusätzlich durch Prämienrückgänge bei umsatzabhängigen Policen betroffen sein.
Für die Branchen Telekommunikation, Medizintechnik und IT erwarten die Berater einen „härter werdenden Markt insbesondere in der Kredit- und Kautionsversicherung“.
Hart könnte es laut Studienunterlagen auch die betriebliche Altersvorsorge treffen. Aktuell sei „das Neugeschäft teilweise komplett eingestellt“. Das Minus in diesem Geschäftsbereich könnte im laufenden Geschäftsjahr zwischen 33 bis 42 Prozent betragen.
Der Trend zum Ausscheiden älterer Vermittler oder von Vermittlern mit hohem Leben-/Kranken-Fokus bleibt bestehen.
Tobias Schulz, Director bei EY Innovalue
Konsolidierung im Vertrieb
Bei unabhängigen und gebundenen Vermittlern sagen die Studienautoren einen klaren Rückgang voraus. Ausschließlichkeits-Vertreter würden zwar aktuell von der Unterstützung der Versicherer profitieren. Das sei aber nur ein kurzfristiger Trend.
„Der Trend zum Ausscheiden älterer Vermittler oder von Vermittlern mit hohem Leben-/Kranken-Fokus bleibt bestehen. Dies gilt insbesondere, wenn die Vermittler die digitalen Möglichkeiten der Kundeninteraktion nicht nutzen“, sagt Tobias Schulz, Director bei EY Innovalue. Bei den Ausschließlichkeits-Agenten rechnen die Autoren mit Rückgängen zwischen 30 bis 34 Prozent.
Unter Druck sehen die Berater auch „Einzelkämpfer der Einzel- und kleineren Mittelstandsmakler“. Insgesamt erwarten sie einen Rückgang der registrierten Makler bis 2025 um 18 bis 23 Prozent. Insgesamt sehen die Studienautoren eher Vermittler mit Fokus auf Leben und Kranken vor dem Absprung als Vertriebler mit dem Schwerpunkt auf Sachversicherungen.




