Von den Folgen eines Operationsfehlers

31.1.2019 – Verbleibt ein Teil eines Operationsinstruments versehentlich im Körper eines Patienten, so kann das je nach den Umständen des Einzelfalls dessen Schmerzensgeld-Anspruch erheblich erhöhen. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 24. Oktober 2018 hervor (5 U 102/18).

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Der 46-jährige Kläger hatte sich bei einem Arzt im Landkreis Osnabrück einer Kniegelenksoperation unterzogen. Am Abend des Behandlungstages fehlte eine Metallspitze des Operationsinstruments. Sie konnte trotz einer Suchaktion in der Praxis nicht aufgefunden werden.

Der Arzt fertigte eine Notiz des Zwischenfalls an, unternahm jedoch zunächst einmal nichts. Den Kläger bestellte er einen Tag später zum Verbandswechsel in seine Praxis und kurz darauf, um die Fäden zu ziehen.

Damit schien die Sache erledigt zu sein, bis der Kläger rund einen Monat nach der Operation extrem starke Schmerzen verspürte. Er suchte daher erneut die Praxis des Operateurs auf. Dieser veranlasste eine Röntgenuntersuchung. Bei der wurde die fehlende Metallspitze des Operationsinstruments entdeckt. Sie musste durch eine weitere Operation entfernt werden.

Grober Behandlungsfehler?

Der Kläger warf dem Arzt vor, einen groben Behandlungsfehler begangen zu haben. Er verklagte ihn daher auf Zahlung eines Schmerzensgeldes. Das wurde ihm von dem in der ersten Instanz mit dem Fall befassten Osnabrücker Landgericht in Höhe von 12.000 Euro zugebilligt.

Diese Entscheidung hielten sowohl der Kläger als auch der beklagte Arzt für falsch. Während der Arzt ein Schmerzensgeld von lediglich 7.500 Euro für angemessen hielt, verlangte der Kläger die Zahlung eines weit höheren Betrages.

Der Fall landete daher vor dem Oldenburger Oberlandesgericht. Das schloss sich der Forderung des Klägers an. Das Gericht billigte ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro zu.

Gröbste Fahrlässigkeit

Nach Ansicht der Richter ist das Verhalten des Arztes als „gröbste Fahrlässigkeit“ zu werten. Denn anstatt den Kläger angesichts der fehlenden Metallspitze nachzuuntersuchen, habe er sich zunächst einmal mit einem Verbandswechsel und dem Ziehen der Fäden begnügt. Der Arzt habe folglich in Kauf genommen, dass die Metallspitze möglicherweise im Knie des Klägers verblieben war.

Erst nachdem die Spitze bereits Schäden verursacht hatte und der Kläger mit erheblichen Schmerzen erneut vorstellig geworden war, sei der Arzt tätig geworden. Er habe sich daher eines groben Behandlungsfehlers schuldig gemacht. Das aber rechtfertige eine deutliche Erhöhung des Schmerzensgeldes.

Dauerhafter Knorpelschaden

Bei dessen Bemessung sei außerdem zu berücksichtigen, dass der vormals sportlich sehr aktive Kläger wegen der Metallspitze einen dauerhaften Knorpelschaden mit erheblichen Schmerzen bei längerem Gehen und Stehen erlitten habe.

Das Stuttgarter Oberlandesgericht hatte sich kürzlich ebenfalls mit einem Fall zu befassen, bei welchem versehentlich ein Teil eines Operationsinstruments im Körper einer Patientin verblieben war. Auch in diesem Fall wurde der Betroffenen ein Schmerzensgeld zugesprochen (VersicherungsJournal 22.1.2019).

Leserbriefe zum Artikel:

Hubert Gierhartz - 40.000 Behandlungsfehler pro Jahr. mehr ...

Gerhard Göddecke - Gut, dass es Versicherungsvermittler gibt. mehr ...

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gewerbeordnung · Schmerzensgeld
 
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