19.9.2019 (€) – Stiftung Warentest hat 80 Testpersonen in die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung geschickt, um sich zu Rentenansprüchen und Altersvorsorge beraten zu lassen. Das Urteil fiel mit einem „Ausreichend“ ernüchternd aus.
Nur „eine schwache Leistung“ stellt die Stiftung Warentest den Beratungsstellen der gesetzlichen Rentenversicherung nach einem Test aus. Das Ergebnis habe die Redaktion nicht überzeugt, heißt es im dazugehörigen Bericht in Finanztest 10/2019. Das Gesamturteil lautet dementsprechend „Ausreichend“.
So ist die Stiftung vorgegangen: 80 Tester, Männer und Frauen, prüften zwischen Januar und Juli 2019 im gesamten Bundesgebiet die Beratung in den 16 Trägern der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Pro Träger vereinbarten jeweils fünf geschulte Personen ein Gespräch in den verschiedenen Beratungsstellen.
Lange Wartezeiten nervten
Vor Ort fragten die Testpersonen dann, wie hoch ihre Altersrente voraussichtlich sein wird. Und, was sie tun könnten, um das Einkommen im Alter zu erhöhen, so dass sie ihren Lebensstandard im Ruhestand halten können.
Nach Angaben der Redaktion brachten die Tester alle relevanten Unterlagen wie Renten-Informationen und Standmitteilungen über private oder betriebliche Anwartschaften zum Gespräch mit.
„Bereits die Terminvereinbarung war teilweise schwierig“, heißt es im Bericht. Neben kleineren Mankos wie fehlende Buchungsbestätigungen „nervten lange Wartezeiten“. Beispiel: „In einer Beratungsstelle in Rheinland-Pfalz etwa musste unser Tester mehr als vier Monate auf seinen Termin warten und erhielt dann doch keine umfassende Altersvorsorgeberatung“, schreibt Finanztest.
| Bewertung | Finanztest Qualitätsurteil |
|---|---|
| Quelle: Finanztest: 10/2019 | |
| Gesamt | Ausreichend (3,8) |
| Erkunden der Rentenansprüche (30%) - gesetzliche Rente - zusätzliche Altersvorsorge | Befriedigend (3,5) Befriedigend Ausreichend |
| Information und Auskünfte über Altersrenten (30%) - über gesetzliche Renten - über zusätzliche Altersvorsorge | Befriedigend (3,4) Befriedigend Ausreichend |
| Lösen des Beratungsanliegens (25%) - Ermitteln der Alterseinkünfte - Ausbau der Altersvorsorge | Mangelhaft (4,7) Mangelhaft Mangelhaft |
| Gesprächsverlauf (15%) - Terminvereinbarung - Gesprächsbeginn - Gesprächsabschluss | Ausreichend (3,6) Befriedigend Ausreichend Ausreichend |
Mangelhaft in der Beratung
Die Informationen zum eigenen gesetzlichen Rentenanspruch waren im Test „noch akzeptabel“, so Stiftung Warentest. Viel zu selten ermittelten die Berater aber das Gesamt-Renteneinkommen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge.
Der Redaktion fehlte auch der Rat zum Ausbau der Rentenansprüche. Den Teilbereich „Lösen des Beratungsanliegens“ bewerteten die Tester deshalb mit „mangelhaft“.
In den durchgeführten 80 Beratungsgesprächen bezogen nur 15 Berater alle Rentenansprüche, gesetzlich, betrieblich und privat, in ihre Auswertung ein. Ebenfalls nur 15 Berater nutzten für die systematische Erfassung der Rentenansprüche den Analysebogen der DRV. Und nur 14 Berater sprachen in den geführten Gesprächen das Thema Rentenlücke an.
Vier Kriterien wurden untersucht
Folgende vier Kriterien prüften die Tester bei ihren Terminen und mit diesem Anteil bewertete Stiftung Warentest die Qualität der Gespräche in den Beratungsstellen der DRV:
- Endkunden-Rentenansprüche (30 Prozent): bestehende Anwartschaften aus der gesetzlichen Rente; zusätzliche Altersvorsorge (Riester- und Rürup-Vertrag, betriebliche Altersversorgung und Zusatzversorgung, private Renten- und Lebensversicherung).
- Information und Auskünfte (30 Prozent): Versicherungsverlauf der gesetzlichen Rente, Lösungen für Fehlzeiten aufzeigen. Auskünfte zu Riester- und Rürup-Rente, betrieblicher Altersversorgung, Zusatzversorgung, privaten Renten- und Lebensversicherungen.
- Lösen des Beratungsanliegens (25 Prozent): Ermittlung der Alterseinkünfte anhand der einzelnen Renten unter Berücksichtigung von Sozialabgaben und Steuern. Vorschläge zum Ausbau der persönlichen Altersvorsorge.
- Gesprächsverlauf (15 Prozent): Terminbuchung innerhalb von acht Wochen, Anliegen der Beratung klären, Aushändigen von Beratungsunterlagen und Kontaktdaten.
Die Zeitschrift Finanztest 10/2019 ist für 6,10 Euro im Zeitschriftenhandel zu kaufen. Das Heft ist auch als E-Paper für 4,99 Euro online erhältlich. Der Artikel „Gesetzliche Rentenversicherung“ kostet 1,50 Euro.




