9.7.2024 (€) – Spitzenreiter in punkto Digitalisierung sind die Techniker unter den gesetzlichen und die DKV unter den privaten Krankenversicherern. Bei den Privatversicherern bleibt noch einiges zu tun. Dies zeigt ein Test des Computermagazins.
Wie weit die Krankenversicherer mit ihren elektronischen Angeboten sind, wollte die Redaktion des Magazins Chip wissen und hat deshalb 22 gesetzliche sowie 14 private Krankenversicherer unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse sind in dem Beitrag „So digital sind die Krankenkassen“ in der Ausgabe 8/2024 veröffentlicht.
Das Studiendesign wird nicht näher beschrieben. Aus den Tabellen ist zu entnehmen, dass sich die Gesamtnote aus vier Teilnoten zusammensetzt, die jeweils zu 25 Prozent gewichtet wurden. Geprüft wurde demnach, ob eine App, digitale Funktionen im Web, digitale Gesundheitsangebote sowie Serviceangebote auf allen Kanälen vorhanden sind.
Unterschiedliche Kriterienkataloge
Bei den Krankenkassen wurden zwölf Kriterien abgefragt. Diese sind:
- Krankmeldung hochladen (Portal/ App),
- Dokumente hochladen (Portal/ App),
- Bearbeitungsstatus des Krankengelds einsehen (Portal/ App),
- Erinnerung für Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen (Portal/ App),
- Überblick zu den erhaltenen Medikamenten (Portal/ App),
- Terminvermittlung zu Fachärzten,
- 24/7-Kontakt zu einem Teledoktor,
- Online-Arztsuche,
- Bonusprogramm (Portal/ App),
- Video-Termin (Neukunden/ Bestandskunden),
- Kunden-Support per Chat und
- Gesundheitsangebote: Allergien/ Krebsbegleitung/ psychologische Begleitung.
Bei den privaten Versicherern waren es folgende 14 Aspekte:
- Leistungsbelege einreichen (Mail/ Online-Portal),
- Krankmeldung hochladen (Portal/ App),
- Selbstkostenanteil einsehen (Portal/ App),
- Gebührenverzeichnisse für Ärzte und weitere Leistungen (Portal/ App),
- Überblick zu den in Anspruch genommenen Leistungen (Portal/ App),
- Überblick zu den erhaltenen Medikamenten (Portal/ App),
- Übersicht der Tarifkomponenten und Leistungen (Portal/ App),
- Bearbeitungsstatus für eingereichte Leistungen einsehen (Portal/ App),
- Leistungsbelege in der App: Abfotografieren/ Barcode scannen,
- Arzt 24/7 kontaktieren (Telefon/ Videosprechstunde),
- Bonusprogramm beziehungsweise Vorsorgeuntersuchungsgutscheine,
- Kundenberatung per Video-Call,
- Auslandsnotrufnummer 24/7 und
- Kunden-Support per Chat.
Die Bewertungen orientierten sich an Schulnoten. Diese reichten von sehr gut (1,0 bis 1,5) und gut (1,6 bis 2,5) über befriedigend (2,6 bis 3,5) bis ausreichend (3,6 bis 4,5) und mangelhaft (ab 4,6).
Bei den Krankenkassen siegte die Techniker ...
Bei den gesetzlichen Akteuren schafften acht die Höchstnote und weitere acht die zweitbeste Wertung. Viermal bescheinigten die Tester eine befriedigende Leistung und zweimal nur ein ausreichendes Ergebnis.
An die Spitze setzte sich zum dritten Mal in Folge die Techniker Krankenkasse (Gesamtwertung: 1,0). Ebenfalls mit „sehr gut“ prämiert wurden die Barmer, die AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, die AOK Plus – Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen, die Bergische Krankenkasse (jeweils 1,1), de Viactiv Krankenkasse (1,3), die AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen und die Pronova BKK (jeweils 1,5).
Die Techniker glänzte unter anderem erneut mit ihrer App. Allerdings zogen die Barmer, die AOK Plus und die Bergische Krankenkasse in diesem Jahr gleich und erhielten für ihre Mobilangebote ebenfalls die volle Punktzahl.
„Bei den Krankenkassen ging es etwas langsamer voran als in den vergangenen Jahren“, schreiben die Prüfer. Das liege auch daran, dass das Niveau insgesamt bereits recht hoch sei. Dennoch habe es klare Steigerungen gegeben. So bekamen beispielsweise nur noch fünf Kassen die Note „befriedigend“ für ihre App, im vergangenen Jahr waren es noch mehr als die Hälfte.
... und bei den privaten Versicherern die DKV
„Der Ruf der Privatkassen, ihren Versicherten besonders gute Leistungen zu bieten, zeichnet sich bei den digitalen Angeboten nicht ab“, heißt es weiter. Der Notenschnitt liegt hier deutlich niedriger. Nur ein Versicherer wurde mit „sehr gut“ bewertet. Bei sieben Gesellschaften lautete das Gesamturteil „gut“. Zwei Unternehmen schnitten mit der Note „befriedigend“ ab und vier mit „ausreichend“.
Testsieger wurde die DKV Deutsche Krankenversicherung AG (1,0). Sie erhielt die volle Punktzahl für ihre App, ihr Webportal und ihren Service. Nur bei den digitalen Gesundheitsangeboten (1,2) musste sie leichte Abstriche machen.
Mit der Note „gut“ gingen vom Platz:
- Axa Krankenversicherung AG (1,6),
- R+V Krankenversicherung AG (1,8),
- Signal Iduna Krankenversicherung a.G. (2,2),
- Hallesche Krankenversicherung a.G. (2,3),
- Hansemerkur Krankenversicherung AG (2,3),
- Allianz Private Krankenversicherungs-AG (2,4) und
- Barmenia Krankenversicherung AG (2,5).
Privatversicherer mit großem Nachholbedarf

- Chip 8/2024 (Bild: Chip)
Laut Tester haben zwar alle Akteure eine App. Allerdings hinken vor allem die Mobilangebote der Signal Iduna (3,7), der Debeka Krankenversicherungsverein a.G. (4,3) der Inter Krankenversicherung AG (4,3), der Allianz (4,5) und der Süddeutschen Krankenversicherung a.G. (SDK) (5,3) den Entwicklungen hinterher.
Besonders schlechte Noten für digitale Funktionen im Web fahren die Debeka (4,4), die SDK (4,7) und die Hansemerkur (4,9) ein. Ebenso Schlusslicht Arag Krankenversicherungs-AG (6,0), die hier so gut wie nichts zu bieten habe, heißt es.
Das Fazit der Prüfer: „Bei den Privatversicherern gibt es also noch einiges zu tun, auch wenn sich gegenüber dem Vorjahr insgesamt eine leichte Verbesserung zeigt. Testsieger DKV lässt die Konkurrenz auf jeden Fall klar hinter sich.
Mehr geleistet haben wieder die gesetzlichen Kassen, und die Techniker Krankenkasse musste sich gegen ein deutlich breiter gewordenes Spitzenfeld durchsetzen.“
Bezugsquelle
Die Ausgabe 8/2024 des Magazins „Chip“ ist als Einzelheft erhältlich. Die Printversion ist über den Einzelhandel und das E-Paper online im Chip-Kiosk für 8,95 Euro plus Versandkosten in Höhe von 2,50 Euro zu beziehen.




