Solvenzquoten: Riesige Unterschiede bei den großen LV-Anbietern

29.6.2017 (€) – Im aktuellen Map-Report wurden die Lebensversicherer einer Analyse der Solvabilitätsquoten nach dem neuen Aufsichtsregime Solvency-II unterzogen. Die Spannbreite SCR-Bedeckungsquoten (mit und ohne Übergangsmaßnahmen) unter den Marktgrößen ist gewaltig: Sie reicht bei der „nackten“ Quote von 72 Prozent (Debeka) bis 410 Prozent (R+V AG). Fast alle der zwölf größten Anbieter haben eine der für den Übergang vorgesehenen Hilfen in Anspruch genommen.

Zum Stichtag 22. Mai 2017 mussten alle deutschen Versicherungs-Unternehmen im Rahmen des neuen Aufsichtsregimes Solvency II erstmals einen sogenannten SFCR-Bericht (Solvency and Financial Condition Report) auf ihrer Internetseite veröffentlichen.

Knapp drei Wochen später hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) eine erste Übersicht über die Solvenzquoten veröffentlicht. Ergebnis: Alle 84 Lebensversicherer haben eine ausreichende SCR-Bedeckung (Solvenzkapital-Anforderung; Solvency Capital Requirement).

Allerdings gelang dies mehr als jedem dritten Lebensversicherer nur unter Inanspruchnahme der für den Übergang auf das neue Eigenkapitalregime vorgesehenen Hilfen. Eine Gesellschaft musste der Aufsicht sogar einen Sanierungs- und Finanzierungsplan vorlegen. Ross und Reiter nannte die Bafin allerdings nicht (VersicherungsJournal 12.6.2017).

SCR-Quoten im Vergleich

Wie hoch beziehungsweise niedrig die Solvenzquoten (Verhältnis von anrechnungsfähigen Eigenmitteln zur SCR in Prozent) der fast 80 deutschen Lebensversicherungs-Unternehmen sind, zeigt der heute erschienene Map-Report Nummer 893 „Solvabilität im Vergleich 2007 bis 2016“. Dabei wurden die Kennzahlen sowohl mit als auch ohne Übergangsmaßnahmen (Zins- oder Rückstellungs-Transitional und Volatilitätsanpassung) berechnet.

Insgesamt verwendeten den Daten des Map-Reports zufolge 56 Lebensversicherer die Volatilitätsanpassung, 55 Lebensversicherer die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen und ein Lebensversicherer die Übergangsmaßnahme für risikofreie Zinssätze.

Große Unterschiede

Die Unterschiede bei den Quoten sind immens. Bei der „nackten“ Quote – also ohne oben genannte Hilfen – gibt es allein unter den zwölf größten Gesellschaften (mehr als zwei Milliarden Euro verdiente Bruttobeiträge 2016) eine Spannbreite zwischen 410 Prozent (R+V Lebensversicherung AG) und 72 Prozent (Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G.).

Neben den Koblenzern liegt ansonsten nur noch die Generali Lebensversicherung AG unterhalb der 100-Prozent-Marke. Deutlich über den Branchendurchschnitt von 196 Prozent kommen neben der R+V die Aachenmünchener Lebensversicherung AG mit über 330 Prozent sowie Marktführer Allianz Lebensversicherungs-AG und die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G.

Bild: Wichert

Mit Volatilitätsanpassung, die unter den Marktgrößen nur die Alte Leipziger, die Generali, die Nürnberger Lebensversicherung AG und die R+V nicht genutzt haben, liegen die Quoten zwischen 504 Prozent (Aachenmünchener) und 87 Prozent (Debeka). Der Branchenschnitt wird mit 198 Prozent angegeben.

Bild: Wichert

Das Rückstellungs-Transitional nahm nicht einmal die Hälfte der zwölf größten Anbieter in Anspruch. Hier kommt die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG auf den höchsten Wert (514 Prozent), gefolgt von der Nürnberger (411 Prozent), der Ergo (328 Prozent), der Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG (292 Prozent) und der Debeka (278 Prozent). Der Branchenschnitt lag bei 343 Prozent.

Weitere Studiendetails

Der Map-Report Nummer 893 „Solvabilität im Vergleich 2007 bis 2016“ enthält Übersichten zu den Bedeckungsquoten von 80 Lebens- und 34 privaten Krankenversicherern.

Welche Schlüsse Vermittler aus den neuen Quoten ziehen können, erläutert Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages im Interview (VersicherungsJournal 29.6.2017). Weitere Hintergrund-Informationen zu der Untersuchung sind auf dieser Internetseite zu finden.

Die Studie ist lieferbar als (nicht druckbare) PDF-Datei für 85 Euro und als gedrucktes Heft für 95 Euro, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer. Bestellt werden kann unter diesem Link. Die Konditionen für Sammelbestellungen und weitergehende Nutzungsrechte können per E-Mail oder über dieses Kontaktformular angefordert werden.

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