Solvenzquoten: Große Unterschiede bei den PKV-Anbietern

14.6.2018 – Im aktuellen Map-Report wurden die privaten Krankenversicherer einer Analyse der Solvabilitätsquoten nach dem Aufsichtsregime Solvency II unterzogen. Die Spannbreite der SCR-Bedeckungsquoten ist gewaltig: Sie reicht etwa bei der „nackten“ Quote von knapp 170 Prozent (Ergo) bis über 900 Prozent (SDK). Die für den Übergang vorgesehenen Hilfsmaßnahmen wurden im Gegensatz zur Lebensversicherung nur von wenigen Gesellschaften in Anspruch genommen.

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Im letzte Woche erschienenen Map-Report Nummer 902 „Solvabilität im Vergleich 2008 bis 2017“ wurde neben der Eigenmittelausstattung der Lebensversicherer (VersicherungsJournal 12.6.2018) auch diejenige der privaten Krankenversicherer untersucht.

Basis der Untersuchung sind die sogenannten SFCR-Berichte, die die deutschen Versicherungs-Unternehmen im Rahmen des Aufsichtsregimes Solvency II nach der Premiere im Vorjahr aktuell zum zweiten Mal im Internet veröffentlichen mussten. Stichtag für die Veröffentlichung war der 7. Mai 2018.

SCR-Quoten im Vergleich

Der Map-Report 902 zeigt, wie hoch beziehungsweise niedrig die Solvenzquoten (Verhältnis von anrechnungsfähigen Eigenmitteln zur SCR in Prozent) von 36 deutschen PKV-Gesellschaften sind.

Nicht vollständig berücksichtigt werden konnte die Barmenia Krankenversicherung a.G., da die Gesellschaft ihren Solvenzbericht als „Einziger Bericht“ (§ 277 Absatz 2 VAG) für die Barmenia-Gruppe erst am 18. Juni veröffentlicht.

Die Kennzahlen wurden sowohl mit als auch ohne Hilfsmaßnahmen (Zins- oder Rückstellungs-Transitional und Volatilitätsanpassung) berechnet. Ergebnis: Alle Krankenversicherer wiesen zum Stichtag 31. Dezember 2017 eine ausreichende SCR-Bedeckung auf. Diese liegt im Durchschnitt bei 479,8 (2016: 510,3) Prozent.

Seltener Übergangsmaßnahmen als in Leben

Im Unterschied zu den Lebensversicherern nahmen nur einige wenige Gesellschaften die für den Übergang auf das neue Eigenkapitalregime vorgesehenen Hilfen in Anspruch. Den Daten zufolge nutzten fünf (2016: sieben) Anbieter die Volatilitätsanpassung.

Zwei (fünf) Gesellschaften nutzten die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen, und ein (drei) Anbieter – die Gothaer Krankenversicherung AG – wendete beide Maßnahmen an.

Die PKV-Anbieter mit den höchsten und niedrigsten SCR-Quoten

Die Unterschiede bei den Quoten sind immens. Bei der „nackten“ Quote – also ohne eine oder mehrere der oben genannten Hilfen – gibt es eine Spannbreite zwischen fast 903 Prozent bei der Süddeutschen Krankenversicherung a.G. (SDK) und rund 168 Prozent bei der Ergo Direkt Krankenversicherung AG.

Mit der Freien Arzt- und Medizinkasse der Angehörigen der Berufsfeuerwehr und der Polizei VVaG (FAMK), der Universa Krankenversicherung a.G. und der Arag Krankenversicherungs-AG kommen drei weitere Gesellschaften auf SCR-Bedeckungsquoten von über 800 Prozent. Dahinter folgen sechs private Krankenversicherer mit Quoten von über 700 Prozent.

Map-Report 902 (Bild: Wichert)

Die zweitniedrigste SCR-Quote hinter der Ergo Direkt hatte die Vigo Krankenversicherung VVaG mit gut 220 Prozent zu verzeichnen – also mehr als dem Doppelten, als von der Aufsicht gefordert wird.

Die Axa Krankenversicherung AG, die Hansemerkur Speziale Krankenversicherung AG, der Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G., die DKV Deutsche Krankenversicherung AG und die Envivas Krankenversicherung AG kommen auf Quoten zwischen rund 355 und knapp 396 Prozent.

Map-Report 902 (Bild: Wichert)

Die PKV-Anbieter mit den größten Veränderungen

Im Vergleich zum Jahr zuvor gab es Veränderungen bei den SCR-Quoten zwischen plus fast 90 Prozent bei der Envivas und minus fast 20 Prozent bei der Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH).

Steigerungen von jeweils über 80 Prozent standen für die Württembergische Krankenversicherung AG (auf eine Quote von 519 Prozent) und die Central Krankenversicherung AG (auf eine Quote von 780 Prozent) zu Buche.

Map-Report 902 (Bild: Wichert)

Neben der LKH hatten auch die Münchener Verein Krankenversicherung a.G., die Debeka, die Nürnberger Krankenversicherung AG sowie die Inter Krankenversicherung AG Verminderungen im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen.

Weitere Studiendetails

Der Map-Report Nummer 902 „Solvabilität im Vergleich 2008 bis 2017“ enthält Übersichten zu den Bedeckungsquoten von 83 Lebens- und 36 privaten Krankenversicherern.

Welche Schlüsse Vermittler aus den neuen Quoten ziehen können, hat Map-Report-Chefredakteur Klages in einem Interview erläutert (VersicherungsJournal 29.6.2017). Weitere Hintergrund-Informationen zu der Untersuchung sind auf dieser Internetseite zu finden.

Die Studie ist lieferbar als PDF-Datei für Unternehmen oder als gedrucktes Heft (Preise je ab 363 Euro, inklusive Mehrwertsteuer) sowie im rabattierten Jahresabonnement. Bestellt werden kann unter diesem Link. Die Konditionen für das Jahresabonnement sind auf dieser Internetseite einzusehen.

 
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