So bringen Cyber-Angriffe deutsche Unternehmen zum Stillstand

16.9.2026 – Fast jedes dritte deutsche Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern war in den letzten zwölf Monaten von mindestens einem erfolgreichen Cyberangriff betroffen, so das Ergebnis des aktuellen Cyber Readiness Reports. Finanzbetrug steht dabei an erster Stelle: Kriminelle nutzen das Vertrauen von Mitarbeitern aus, um Überweisungen auszulösen.

Die Hiscox SA, Niederlassung für Deutschland, hat ihren „Cyber Readiness Report 2026“ (PDF, 1,52 MB) vorgestellt. Er soll ein aktuelles Bild davon zeigen, wie oft Unternehmen von Cyber-Angriffen betroffen sind, wie sie sich dagegen wappnen – und wo aktuell die größten Risiken liegen.

So wurden die Ergebnisse ermittelt

Im Auftrag von Hiscox befragte Wakefield Research hierfür im Zeitraum vom 5. bis 17. Juni insgesamt 6.800 Fachleute, die in ihren Unternehmen für Cybersicherheit zuständig sind. Die Befragten stammen aus zehn Ländern. Dabei beschränkte sich die Untersuchung auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit weniger als 250 Beschäftigten.

In Deutschland wurden insgesamt 1.000 Personen befragt. Dies waren Cyber-Security-Fachexperten sowie Entscheider, die für die Cyber-Security-Strategie ihres Unternehmens verantwortlich sind.

Fast jedes dritte deutsche Unternehmen betroffen

Die Ergebnisse für Deutschland zeigen, dass Cyberangriffe für viele Unternehmen längst zum Geschäftsalltag gehören. Fast ein Drittel (31 Prozent) der Verantwortlichen berichtete, dass ihre Firma in den vergangenen zwölf Monaten von mindestens einem erfolgreichen Cyberangriff betroffen gewesen sei. Insgesamt waren dies 314 Unternehmen.

Von den betroffenen Unternehmen sah wiederum jedes dritte (33 Prozent) seine Zahlungsfähigkeit oder Existenz durch den Angriff erheblich gefährdet. Hinzu kommen lange Ausfallzeiten. Im Schnitt standen die Unternehmen nach einem Cyberangriff 41,7 Stunden still – also mehr als fünf Arbeitstage – und konnten in dieser Zeit keine Waren produzieren oder Dienstleistungen erbringen.

39 Prozent der betroffenen Unternehmen berichteten zudem von Strafzahlungen. Denkbar sind etwa Bußgelder nach Datenschutzverstößen oder finanzielle Folgen, wenn ein Unternehmen infolge des Angriffs vertragliche Verpflichtungen nicht einhalten kann.

Größere KMU sind stärker betroffen

Wie stark Unternehmen von erfolgreichen Angriffen betroffen sind, hängt auch von ihrer Größe ab. Von den deutschen Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern berichteten 28 Prozent von einem erfolgreichen Cyberangriff. Bei Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten waren es dagegen 52 Prozent.

Auch die Zahl der Angriffe unterscheidet sich deutlich: Betroffene Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern verzeichneten im Schnitt 3,1 erfolgreiche Attacken, kleinere Firmen kamen auf rund 1,1.

Welche Cyberangriffe besonders häufig zum Erfolg führen

Bei erfolgreichen Angriffen berichteten 45 Prozent der betroffenen Unternehmen von Finanzbetrug durch sogenannte Payment Diversion. Gemeint ist damit die gezielte Umleitung eigentlich legitimer Zahlungen auf Konten der Täter.

Beispiele dafür sind gefälschte E-Mails eines Lieferanten mit der Aufforderung, eine offene Rechnung künftig auf ein neues Konto zu überweisen. Denkbar ist auch eine Nachricht, die scheinbar vom Geschäftsführer stammt und eine dringende Überweisung anweist. Oder Täter schleusen sich in einen bestehenden E-Mail-Verkehr ein und ändern darin die Kontodaten für eine bereits fällige Zahlung.

Für solche Angriffe sei nicht unbedingt ein technisch aufwendiger Einbruch in das Unternehmensnetz erforderlich, berichtet Hiscox. Teilweise genüge es, Mitarbeiter durch geschickte Täuschung zu einer Überweisung zu bewegen.

DDoS-Attacken und Missbrauch eigener Ressourcen

Auf Rang zwei platzieren sich mit 42 Prozent sogenannte DDoS-Attacken. Dabei überlasten die Angreifer einen Server oder eine Internetseite gezielt mit einer großen Zahl von Anfragen, so dass die betroffenen Dienste für Nutzer nicht oder nur noch eingeschränkt erreichbar sind. Mitarbeiter können dann unter Umständen auch auf extern betriebene Anwendungen oder Cloud-Dienste nicht zugreifen.

Es folgen der Missbrauch von IT-Ressourcen (40 Prozent), etwa indem Angreifer fremde Rechner oder Server für eigene Zwecke nutzen, der Verlust unverschlüsselter Daten (35 Prozent) und verschlüsselter Daten (28 Prozent) sowie Ransomware- und Erpressungsfälle (27 Prozent).

Hinter dem Datenverlust können beispielsweise der Abfluss von Kundendaten, Patenten und Geschäftsgeheimnissen oder anderen vertraulichen Informationen stehen.

Arten erfolgreicher Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen (Bild: Wenig)

63 Prozent der Unternehmen haben eine Cyberversicherung

Über einen Versicherungsschutz gegen Cyberrisiken verfügen aktuell 63 Prozent der deutschen Unternehmen, so ein weiteres Ergebnis des Reports. 39 Prozent haben eine vollumfängliche eigenständige Cyberversicherung abgeschlossen, weitere 32 Prozent decken Cybergefahren über Zusatzbausteine einer anderen Gewerbeversicherung ab.

Cyber-Sicherheit wird in deutschen KMU zunehmend zur Managementaufgabe. Nach einem erfolgreichen Angriff koppeln 41 Prozent der Unternehmen die Vergütung ihrer Führungskräfte an Cyber-Sicherheitsziele.

Gleichzeitig stärken die meisten Unternehmen ihre Abwehr: 97 Prozent haben entsprechende Maßnahmen ergriffen. Am häufigsten setzen sie dabei auf aktualisierte Sicherheitstrainings (65 Prozent), zusätzliches Personal (59 Prozent) und neue oder zusätzliche Software (55 Prozent).

Beim Budget bleibt allerdings häufig wenig Spielraum. 58 Prozent der Unternehmen geben jährlich weniger als rund 8.700 Euro (10.000 US-Dollar) für Cybersicherheit aus, zwölf Prozent investieren dafür gar nichts. Der Anspruch, sich besser gegen Cyberangriffe zu schützen, trifft damit vielerorts auf begrenzte finanzielle Mittel.

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