Sind die düsteren Zeiten in Leben vorbei?

23.7.2019 – Die Zinszusatzreserve ist Ende 2018 insgesamt auf rund 65 Milliarden Euro angestiegen. Im vergangenen Jahr musste die Branche dieser dank der neuen Korridormethode „nur“ sechs Milliarden Euro zuführen. Für 2019 rechnet Assekurata im „Marktausblick zur Versicherungswirtschaft 2019/2020“ mit weiteren neun Milliarden Euro. Dennoch fällt der Ausblick für die Lebensversicherer erstmals seit langem wieder positiv aus. Die Analysten erwarten ein um zehn Prozent höheres APE-Neugeschäft.

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Im vergangenen Jahr haben die deutschen Lebensversicherer der Zinszusatzreserve (ZZR) nur noch rund sechs Milliarden Euro zugeführt. Dies schätzt die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH in ihrem am Montag veröffentlichten „Marktausblick zur Versicherungswirtschaft 2019/2020“. Darin zeichnen die Analysten ein aktuelles Bild über Situation und Stimmung unter anderem in der Lebensversicherung.

In den drei Jahren zuvor hatte die Branche die ZZR mit jeweils einem zweistelligen Milliardenbetrag dotiert. Hintergrund für die deutliche Verminderung ist die Einführung der sogenannten Korridormethode bei der Berechnung der Zuführung (VersicherungsJournal 19.9.2018).

Im vergangenen Herbst hatten die Marktbeobachter mit der neuen Methodik noch eine Dotierung von sieben bis acht Milliarden Euro prognostiziert (20.9.2018).

Rund 65 Milliarden Euro

Insgesamt beläuft sich die ZZR damit auf knapp 65 Milliarden Euro, so das Analysehaus. „Damit haben die Lebensversicherer rechnerisch fast das Vierfache ihres bilanziellen Eigenkapitals (rund 16 Milliarden Euro) als Zinsvorsorge nachreserviert“, heißt es in dem Marktausblick.

Auch wenn das Eigenkapital im bestehenden Rechtsrahmen nicht unmittelbar zur Finanzierung der Zinszusatzreserve vorgesehen sei, „belegt diese Relation, in welchem Umfang die ZZR die langfristige Erfüllbarkeit der Garantieversprechen untermauert und dadurch die bilanzielle Widerstandsfähigkeit der Anbieter nachhaltig stärkt“, wird herausgestellt.

Umfangreiche Auflösung von Bewertungsreserven

Um die 65 Milliarden Euro zurückzustellen, waren laut dem Ratinghaus „umfangreiche“ Bewertungsreserven-Auflösungen nötig. Dazu seien zwischen 2011 und 2018 große Teilbestände an festverzinslichen Kapitalanlagen veräußert worden.

Das entsprechende Umschlagsvolumen beziffern die Analysten auf etwa 350 Milliarden Euro „und damit auf knapp ein Drittel der gesamten Kapitalanlagen beziehungsweise mehr als das Fünffache des eigentlichen ZZR-Bestands. Allein die dafür angefallenen Transaktionskosten dürften sich auf gut eine halbe Milliarde Euro belaufen haben“, rechnen die Marktbeobachter vor.

Finanzierung der Zinszusatzreserve (Bild: Assekurata)
„Marktausblick zur Versicherungswirtschaft 2019/2020“ (Bild: Assekurata)

Da sich der durchschnittliche Wiederanlagezins in den Jahren 2011 bis 2018 nur auf einem Niveau zwischen 1,5 und 2,0 Prozent bewegt habe, sei die laufende Durchschnittsverzinsung aus den Kapitalanlagen marktweit deutlich gesunken. Diese hat sich im Betrachtungszeitraum um etwa einen Prozentpunkt auf „nahe der Drei-Prozent-Marke“ vermindert, so die Analysten.

2019 etwa neun Milliarden Euro ZZR-Zuführung

Trotz der Entlastung durch die neue Berechnungsmethodik rechnet Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata, für das laufende Jahr mit netto neun Milliarden Euro ZZR-Zuführung. Der Aufbau der Reserve werde in den darauffolgenden Jahren allerdings deutlich flacher und gleichmäßiger über die Zeit erfolgen, erläutert der Analyst.

Dies führt er „maßgeblich […] auf das langsame Absinken des Referenzzinses zurück […], der sich in den 2020er Jahren erst allmählich der 1,25-Prozent-Tarifgeneration annähert, die unter Beibehaltung der bisherigen Methodik schon 2021 nachreservierungs-pflichtig geworden wäre.“

Bis 2024 wird die Branche im Basis-Szenario nach Berechnung von Assekurata eine ZZR von rund 100 Milliarden Euro aufbauen. Nach alter Methodik waren die Marktbeobachter von etwa 150 Milliarden Euro ausgegangen (18.7.2018).

Während einige Anbieter […] ihren (hohen) ZZR-Bedarf bereits weitgehend ausfinanziert haben […], werden andere noch über viele Jahre der ZZR zusätzliche Mittel zuführen müssen.

Assekurata „Marktausblick zur Versicherungswirtschaft 2019/2020“

Große Unterschiede

Erst ab 2025 erwarten die Analysten per Saldo einen branchenweiten Abbau der Zinszusatzreserve. Auf Ebene der einzelnen Gesellschaften sehen sie allerdings große bestandsindividuelle Unterschiede.

„Während einige Anbieter, insbesondere solche mit hohen Beständen der älteren Rechnungszinsgeneration 3,50 Prozent und 4,00 Prozent, ihren (hohen) ZZR-Bedarf bereits weitgehend ausfinanziert haben und alsbald in die Auflösungsphase eintreten, werden andere noch über viele Jahre der ZZR zusätzliche Mittel zuführen müssen“, heißt es in dem Ausblick.

Dies betreffe vor allem solche Lebensversicherer, die nach der Jahrtausendwende große Neugeschäftsvolumina bei Rentenversicherungen mit Garantiezins ab 3,25 Prozent abwärts vereinnahmen konnten.

Diese zögen im Niedrigzinsumfeld einen beträchtlichen ZZR-Aufbau nach sich, da methodisch in der einzelvertraglichen 15-Jahres-Perspektive jedes Jahr eine weitere „Jahresscheibe“ hinzukomme.

Überschussbeteiligung: Spreizung wird wieder zunehmen

In der Folge erwarten die Marktbeobachter, dass die Spreizung beim Rohüberschuss wie auch bei der Überschussbeteiligung wieder zunehmen wird. Letzteres gilt den Angaben zufolge „insbesondere dann, wenn die frei werdenden ZZR-Mittel über die Vorgaben der MindZV in großen Teilen an die Kunden ausgeschüttet respektive der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) zugeführt werden“.

Dieser Verschiebeeffekt dürfte sich nach Einschätzung von Assekurata marktweit erst in etwa zehn Jahren gelegt haben, „sofern schlussendlich alle Rohüberschüsse per Saldo von ZZR-Auflösungen profitieren, wobei dies wiederum maßgeblich von den Zins- und Bestandsentwicklungen in den kommenden Jahren abhängt“, wird herausgestellt.

Positiver Ausblick

Alles in allem fällt der Ausblick von Assekurata für die Lebensversicherung positiv aus – wenn auch nur leicht. „Die ZZR-Methodenänderung schafft die für einige Anbieter dringend notwendige handelsbilanzielle Stabilität und gibt der gesamten Branche mehr Planungssicherheit“, schreiben die Analysten.

Für das laufende Jahr erwarten die Marktbeobachter Zuwächse sowohl bei den laufenden als auch bei den Einmalbeiträgen. Das APE-Neugeschäft dürfte laut Assekurata noch einmal um rund zehn Prozent höher ausfallen als 2018, als es bereits um über vier Prozent bergauf gegangen war.

„Hierbei bergen die drohenden Provisionseinschnitte gewisse Einmal- beziehungsweise Vorzieheffekte, da sich Vermittler im Jahresverlauf verstärkt auf Lebensversicherungs-Produkte fokussieren werden, um einem etwaigen Provisionsdeckel zeitlich zuvorzukommen“, so der Hintergrund.

Der „Marktausblick zur Versicherungswirtschaft 2019/2020“ beschreibt auf 75 Seiten die Lage in der Lebensversicherung, der privaten Krankenversicherung sowie in der Schaden-/ Unfallversicherung. Die Untersuchung kann für brutto 1.249,50 Euro auf den Assekurata-Seiten unter diesem Link gekauft werden.

 
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