21.9.2026 – Der von Honorarberater Thomas Beutler initiierte Red-Flag-Award wird in diesem Jahr von einer auf vier Mitglieder erweiterten Jury vergeben. Er geht wieder an Anbieter von Finanzprodukten, die nach Ansicht des Gremiums Kunden mit ihrer Werbung hinters Licht führen. Laut einem im Vorjahr „ausgezeichneten“ Versicherungsmakler wird die Vermittlung von Lebensversicherungen gegen Provision dabei zu einseitig bewertet.
Mehrere Verbraucherschützer vergeben zum dritten Mal ihren Red-Flag-Award, mit dem sie „besonders irreführende, schädliche oder geldvernichtende Finanzinformationen“ anprangern.
Konkret geht es dabei nach Angaben der Veranstalter beispielsweise um „Inhalte, die unvorteilhafte Produkte oder Strategien empfehlen oder zu riskanten, unüberlegten Entscheidungen verleiten“. Per „Wolf-im-Schafspelz-Effekt“ würden demnach „Vertriebsinteressen als Finanzbildung getarnt“.
Als Warnsignal gelte unter anderem das Versprechen hoher Renditen bei nur geringem Risiko. Außerdem sollten teure Crashkurse, die komplexe Finanzprodukte wie Optionen oder Derivate binnen weniger Wochen auf Profi-Niveau vermitteln wollen, mit Vorsicht betrachtet werden.
Jury wählt Kandidaten für Schmähpreis aus

- Bianca Boss (Bild: BdV)
Welche aktuell beworbenen Geschäftsmodelle kritisch zu sehen sind, können Verbraucher unter anderem über ein Online-Formular mit Begründung vorschlagen. Aus allen Einsendungen entsteht eine sogenannte Longlist, die von der Jury zu einer Shortlist mit sieben Kandidaten gekürzt wird.
Nur unter diesen vorgefilterten Anbietern sollen die diesjährigen Träger des Negativpreises ausgewählt werden. Vertreter der Vermittlerbranche sucht man in der Jury vergebens.
Stattdessen besteht das Gremium weiterhin aus Bianca Boss, Vorständin beim Bund der Versicherten e.V. (BdV), Sandra Klug, Abteilungsleiterin Geld und Versicherungen beim Verbraucherzentrale Hamburg e.V. und Professor Dr. Hartmut Walz. Der Ökonom ist selbst als Finanzautor tätig (VersicherungsJournal 12.3.2026).
Initiator ist auch als Honorarberater tätig
Als viertes Jurymitglied ist seit diesem Jahr Julia Leonhardt dabei. Die Redakteurin im Ressort Finanzen und Immobilien der Wirtschaftswoche-Redaktion beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Geldanlage und Anlageprodukten aus Sicht von Privatanlegern.
„Ich habe schon vieles gesehen – und bin trotzdem immer wieder überrascht, welche riskanten und verantwortungslosen Inhalte und Strategien beworben werden“, wird sie vom BdV zitiert.
Mit ihr bekomme die Jury „den geschulten journalistischen Blick auf Finanzprodukte und ihre Versprechen“, erklärt Thomas Beutler. Der Initiator und Organisator des seit 2024 jährlich verliehenen Schmähpreises ist auch Geschäftsführer der als Honorarberater zu Versicherungen, Finanzanlagen und Immobiliendarlehen registrierten IIW - Investiert in Wissen GmbH.
Zwei Versicherungsmakler Vorjahressieger
Bei der vorherigen Online-Preisverleihung (23.1.2026) folgten hinter dem erstplatzierten Anbieter „Kettner Edelmetalle“ zwei als Versicherungsmakler registrierte Firmen mit identischer Geschäftsanschrift in Kiel: die Investforwomen GmbH und die Invest4Kids GmbH.
Bei beiden Anbietern kritisieren die Jurymitglieder, dass sie mit einer kostenfreien Beratung werben, obwohl sie für die Vermittlung Provision erhalten. Außerdem bewerten sie „Rechenbeispiele, Steuerdarstellungen und Produktvergleiche als inhaltlich fehleranfällig oder verzerrend“.
Die als „Marktführer für Kinderinvestments“ aufgetretene Invest4Kids hatte zuvor bereits der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg e.V. abgemahnt (8.8.2025). Denn hinter der beworbenen „modernen ETF-Strategie“ steht laut Stiftung Warentest unter anderem die fondsgebundene Rentenversicherung „ALfonds FR10“ der Alten Leipziger Lebensversicherung a.G.
Sinkendes Rentenniveau und Vorsorgelücken

- Bogdan Jakuschenko (Bild: Invest4Kids)
Auf Anfrage des VersicherungsJournals erklärte Invest4Kids-Geschäftsführer Bogdan Jakuschenko, er weise die pauschale Darstellung „problematischer Vermarktungspraktiken“ zurück. Denn die Kritiker berücksichtigten zu wenig, dass es unterschiedliche Wissensstände der Verbraucher gibt.
Aus den Beratungsgesprächen mit Eltern kenne man ihre Sorgen und wisse „sehr genau, welche Lösungen in der Lebensrealität von Familien tatsächlich funktionieren“. Hieran orientiere man sich in der Kommunikation. „Eine übertriebene Emotionalisierung findet dabei nicht statt.“
Hierzu gibt er zu bedenken: „Herausforderungen wie sinkendes Rentenniveau oder Vorsorgelücken sind gesellschaftlich breit diskutiert.“ Diese Entwicklungen wolle man einordnen und entsprechende Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. „Dabei setzen wir nicht auf Verunsicherung oder Panikmache.”
Geringes Vorwissen vieler Verbraucher
Außerdem verwehrt sich Jakuschenko gegen den Vorwurf, die Finanz- und Vorsorgethemen in den sozialen Medien zu vereinfacht darzustellen. Er lege Wert darauf, die Inhalte seiner zumeist jungen Zielgruppe mit teilweise geringen Vorkenntnissen zunächst verständlich und praxisnah aufzubereiten.
„Wenn man komplexe steuerliche oder strukturelle Fragen verständlich erklärt, ohne jede Ausnahme und jedes Detail auszudifferenzieren, wird das schnell als ‚verkürzt‘ oder ‚problematisch‘ gewertet, obwohl genau das notwendig ist, um Familien überhaupt erst einen Zugang zu ermöglichen.“
Für ihn steht daher fest: „Eine verkürzte Darstellung dient der Verständlichkeit, nicht der Irreführung.“ Erst auf dieser Grundlage könne das individuelle Absicherungsbedürfnis des jeweiligen Kunden im persönlichen Beratungsgespräch mit Blick auf seine Lebenssituation erörtert werden.
Depot und Versicherung als Alternativen
„In der Beratung betrachten wir stets verschiedene Wege des Vermögensaufbaus“, so Jakuschenko weiter. „Welche Lösung, ob Depot oder Versicherung, am Ende gewählt wird, hängt von Zielen, Zeithorizont, Flexibilitätswunsch und persönlicher Situation der Familie ab.“
Diese Differenzierung nach unterschiedlichen Ausgangslagen der Verbraucher werde in der Jurywertung nicht abgebildet, kritisiert er. Stattdessen werde alles auf die Frage reduziert, ob erstens auch eine Lebensversicherung empfohlen wird und zweitens hierfür eine Provision fließt.
„Wie im deutschen Versicherungs- und Finanzvertrieb üblich, erhalten wir bei erfolgreicher Vermittlung eine Provision vom Produktanbieter.“ Diese Information werde den Kunden offen zugänglich gemacht.
Beratungshonorare für Familien zu teuer
„Unser Hinweis auf eine kostenfreie Beratung bezieht sich auf die Tatsache, dass für Kunden keine direkten Beratungshonorare anfallen“, reagiert Jakuschenko auf einen Kritikpunkt der Jury.
„Transparenz ist uns wichtig. Wir weisen klar darauf hin, dass wir kein Beratungshonorar erheben.“ Diesen niedrigschwelligen Zugang zu Finanzberatung schätzen demnach insbesondere junge Familien. Denn sie könnten so ohne finanzielles Risiko eine fundierte Einschätzung erhalten.
„Reine Honorarmodelle sind für viele junge Familien mit kleinen Sparraten in der Praxis oft schwer umsetzbar“, beobachtet er. Invest4Kids berate auch Haushalte mit geringem Budget professionell.




