WERBUNG

Reformstau könnte sich bei der betrieblichen Altersvorsorge entladen

29.4.2021 – Die Altersvorsorge und insbesondere das deutsche Rentenversicherungssystem standen am ersten Tag der Jahrestagung der Deutschen Aktuarvereinigung und der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik im Fokus. Einig waren sich die rentenpolitischen Sprecher der Grünen und der CDU nur an einigen Punkten wie der Förderung der Geringverdiener in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) sowie die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters.

Das deutsche Rentenversicherungssystem ist nach Einschätzung der Aktuare zumindest stark reformbedürftig.

Bei der virtuellen Jahrestagung der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) und der Deutschen Gesellschaft für Versicherungs- und Finanzmathematik e.V. (DGVFM) meinten über 90 Prozent, dass das System „stark“ oder „sehr stark“ reformiert werden müssen. An der Umfrage beteiligten sich 655 der über 1.100 Zuschauer.

Einfache, klare Ansagen und Angebote in der bAV notwendig

Peter Weiß (Sreenshot. Lier)
Peter Weiß (Sreenshot. Lier)

Der rentenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Weiß, sagte, dass man in der bAV nicht allzu viel ändern solle, sondern vor allem „einfache und klare Ansagen notwendig sind, damit die Arbeitgeber und Beschäftigten mitmachen“.

Man müsse aber die Kleinverdiener stärker – möglicherweise über eine zusätzliche Förderung – mitnehmen. Er könne sich vorstellen, die Geringverdiener-Förderung für die Arbeitgeber verpflichtend zu machen. Für die Wahl zur nächsten Legislaturperiode hat sich Weiß altersbedingt nicht mehr aufstellen lassen.

„Bei der bAV müssen wir in der nächsten Wahlperiode weiterkommen“, fordert auch Markus Kurth, rentenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Da das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz die bAV-Beteiligung von Geringverdienern – außerhalb des Finanzsektors – nicht wesentlich erhöht habe, will er ein Angebots-Obligatorium. „Den Beschäftigten muss etwas geboten werden“, so Kurth.

Standardprodukt spart Provision

Eingesparte Arbeitsgeberbeiträge in der bAV müssten voll an die Beschäftigten weitergegeben werden. Am besten wäre seiner Einschätzung nach ein Standardprodukt.

Kleine Betriebe böten oft nur die Direktversicherung. Das sei wegen der Abschlusskosten aber unattraktiv. Denn Beschäftigte in diesen Firmengrößen wechselten durchschnittlich alle fünf Jahre den Arbeitgeber und damit unter Umständen auch die Direktversicherungs-Verträge.

Für sinnvoll hält Kurth zudem einen öffentlich-rechtlichen Bürgerfonds als Vehikel für die bAV. Über die Abschaffung von Garantien könne man reden, sofern sie ein freiwilliger Teil der Altersvorsorge sei und nicht wie bei Riester Teile der gesetzlichen Renten ersetzten.

Zudem müsse man sich das damit verbundene Risiko auch leisten können. Eine Heraufsetzung des Renteneintrittsalters setze mehr und bessere Möglichkeiten voraus, altersgerecht zu arbeiten. Zudem müsse hier differenziert bei den einzelnen Beschäftigtengruppen vorgegangen werden.

Maßnahmen-Mix gegen Belastungen des demografischen Wandels

Markus Kurth (Sreenshot. Lier)
Markus Kurth (Sreenshot. Lier)

Kurth spricht sich für einen Mix aus verschiedenen Maßnahmen zur Reform des Systems aus: Eine höhere Beteiligung von Frauen am Arbeitsleben, mehr Zuwanderung von qualifizierten Arbeitnehmern, einen höheren Steuerzuschuss, aber auch eine Steigerung des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rente auf 22 bis 24 Prozent.

Diese Maßnahmen hält er geeignet, um die Belastungen aus dem demografischen Wandel in den nächsten 24 Jahren entsprechend aufzufangen und umzusteuern.

„Der Name Riester muss weg“

„Die Riester-Förderung hat ihr Image versaut“, so Weiß. „Der Name muss weg.“ Riester solle eine Zusagenrente sein, bei der es Zuschüsse, auch für Kinder, geben solle.

Als eines der größten Reformvorhaben bezeichnete er die Abschaffung der Bruttobeitragsgarantie bei Riester. Er plädiert für Wahlmöglichkeiten zwischen 80 und 100 Prozent. Sinnvoll sei es zudem, das Arbeiten über die Regelarbeitsgrenze hinweg zu erleichtern. „Die Hinzuverdienstgrenze des Flexirentengesetzes müssen weg!“, so Weiss.

Statt Abschläge für Jahre des vorgezogenen Ruhestandes wünscht er sich Rentenzuschläge bei späteren Renteneintritt.

Schneidemann: Reform des Rentensystems erlaubt keinen Aufschub

Dr. Herbert Schneidemann, der neue DAV-Vorstandsvorsitzende (VersicherungsJournal 28.4.2021), äußerte sich besorgt darüber, dass aufgrund der Coronapandemie die künftige Architektur des deutschen Rentensystems auf der politischen Agenda extrem nach unten priorisiert wurde.

„Hier wurde die Pausentaste gedrückt, obwohl diese besonders gesellschaftsrelevante und konfliktreiche Fragestellung keinen Aufschub erlaubt. Und die Probleme unseres dreisäuligen Vorsorgesystems wurden durch die Corona bedingten Verwerfungen am Kapital- und Arbeitsmarkt noch einmal verschärft“, sagte Schneidemann, im Hauptberuf Chef der Versicherungsgruppe Die Bayerische.

Er appellierte an alle Beteiligten, die Diskussion um ein robustes Rentensystem nicht wahlkampfbedingt ideologisch, sondern faktenbasiert und methodisch zu führen, damit auch die künftigen Generationen eine Chance auf eine verlässliche Altersvorsorge haben.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Aktuar · Altersvorsorge · App · Betriebliche Altersversorgung · BRSG · Coronavirus · Direktversicherung · Marktforschung · Provision · Rente · Riester
 
WERBUNG
WERBUNG
„Amazon steigt ins Versicherungsgeschäft ein.”

Bei dieser Schlagzeile bekommen viele Vermittler Schnappatmung. Denn für sie heißt das: Ich verliere Kunden und Bestand. Wie sich das leicht vermeiden lässt, zeigt die aktuelle Podcast-Folge.

Zusätzlich profitieren Sie von unserem neuen, konzentrierten Podcast-Konzept: In jeder Folge wird nun ein einziges Schwerpunktthema mit all seinen Facetten ausführlich besprochen.

Zu den einzelnen Ausgaben gelangen Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
WERBUNG
Inserieren im Anzeigenmarkt

Das VersicherungsJournal ist eines der meistgelesenen Medien in der Branche, siehe Mediadaten.

So finden Sie zielsicher Ihre neuen Mitarbeiter, Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Nutzen Sie die schnelle und direkte Zielgruppenansprache zu günstigen Konditionen. Gesuche werden kostenlos veröffentlicht.

Erteilen Sie hier Ihren Anzeigenauftrag für Angebote und Verschiedenes oder Gesuche, oder lassen sich persönlich beraten!

Beachten Sie auch die Seite Aktuelles für Stellenanbieter.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

WERBUNG
Einmaleins des Wettbewerbsrechts

WettbewerbsrechtEs gibt viele rechtliche Fallstricke, über die ein Vermittler bei seinen Werbeaktionen stolpern kann. Ein Praktikerhandbuch zeigt, wie diese zu vermeiden sind.

Interessiert? Dann klicken Sie hier!

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
25.9.2019 – Beim Pressegespräch brachte der Vermittlerverband heikle Fragen zur Sprache. Dazu gehörten die drohende Begrenzung der Vergütungen, nicht (mehr) rechtskonforme Bonifikationen, die wirtschaftliche Lage der Vermittler, drohende Kosten bei der Weiterbildung und ein Streit mit Check24. (Bild: Meyer) mehr ...
 
2.2.2021 – Die aktuelle Trägerbefragung des Arbeitsministeriums zeigt einen Zuwachs von Hunderttausenden Versicherten und deutliche Trends bei den Durchführungswegen. Außerdem beleuchtet der Bericht, welche Rolle die Riester-Förderung in der bAV spielt. (Bild: Pixabay, CC0) mehr ...
 
11.11.2020 – Wie geht es mit den Vorhaben der Koalition voran? Zwei Staatssekretäre aus dem BMAS und BMF gaben auf der Handelsblatt-Konferenz zur betrieblichen Altersvorsorge einen Ausblick, auch zum Höchstrechnungszinssatz in der Lebensversicherung. (Bild: Brüss) mehr ...
 
6.10.2020 – Der Lebensversicherer kündigt für die nächsten Monate zahlreiche Produktneuerungen an. Die Pensionskasse stellt das Neugeschäft ab 2022 ein, wird aber nicht verkauft. (Bild: Thomas Bernhardt) mehr ...
 
9.6.2020 – 2019 war die bAV eigentlich auf einem guten Weg, wie eine Umfrage der Generali im Mittelstand zeigt. In der Coronakrise geht es jetzt vor allem um Bestandserhalt. (Bild: Generali) mehr ...
 
7.9.2018 – Welche Sparten bei Maklern und Mehrfachvertretern zuletzt die größten Ladenhüter waren und welche wie geschnitten Brot liefen, wurde in einer aktuellen Untersuchung ermittelt. (Bild: Wichert) mehr ...
WERBUNG