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Pflegeversicherung: „Die Vermittler haben ein Umsetzungsproblem“

8.11.2022 – Eine Diskussionsrunde zum Thema „Pflege und Pflegeversicherung“ zeigte auf, dass gerade dieser Produktbereich der Realität hinterherhinkt. Kaum eine Sparte findet so wenige Lösungen auf die Anforderungen der Kunden. Und das, obwohl die Notwendigkeit einer Absicherung nicht bezweifelt wird.

Die Brisanz des Themas ist bekannt: 2021 bekamen hierzulande rund 4,88 Millionen Pflegebedürftige Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Dies geht aus veröffentlichten Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) hervor. Die Daten entsprechen einem Anstieg von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr (VersicherungsJournal 25.7.2022).

Die Kosten für die Versorgung werden laut der Axa Konzern AG häufig immer noch unterschätzt. Aktuell zahlen Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen im ersten Jahr im Pflegeheim im Schnitt 2.245 Euro pro Monat selbst (13.10.2022).

Zum Vergleich: Der Verband der Ersatzkassen e.V. (VDEK) beziffert den durchschnittlichen Eigenanteil der Pflegebedürftigen für die Heimbetreuung auf durchschnittlich 2.133 Euro monatlich (14.3.2022).

Pflege und Pflegeversicherung

Trotz der bekannten demografischen Entwicklung, steigender Kosten für Wohnen und Betreuung sowie des Risikos der eigenen Pflegebedürftigkeit im Alter findet das Thema in der öffentlichen Diskussion oder im Versicherungsvertrieb kaum statt. Man kann auch sagen, knapp drei Jahre Coronakrise haben diesen Lebensabschnitt aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt.

Auf der diesjährigen DKM bespielte eine Gesprächssrunde das Thema „Pflege und Pflegeversicherung in Deutschland“. Teilnehmer auf dem Podium waren:

Die Diskussion moderierte Carsten Harlozynski, Dozent und Moderator im Finanz- & Versicherungsbereich.

Düstere Aussichten

Zum Hintergrund: Die Aussichten hinsichtlich der Kosten der Absicherung sind düster. In der privaten Pflege-Pflichtversicherung (PPV) seien Tarife für Angestellte und Selbstständige von drohenden Kostensteigerungen betroffen, so die Prognosen des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband).

Zwar sei die letzte Beitragserhöhung drei Jahre her, heißt es beim Verband. Allerdings könne die prozentuale Steigerung zum 1. Januar im Schnitt um die 40 Prozent betragen und auf 104 Euro pro Monat steigen (24.10.2022).

Die Vermittler haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.

Rainer M. Jacobus, Vorstandsvorsitzender der Ideal

So warnte auch Idealchef Jacobus zum Auftakt der Gesprächsrunde vor dramatischen Entwicklungen: „Die Beitragserhöhungen beim Pflegetagegeld werden richtig hoch ausfallen.“

Rainer M. Jacobus (Bild: Ideal)
Rainer M. Jacobus (Bild: Ideal)

Die Ideal ist in diesem Feld allerdings deutlich weniger engagiert als die Allianz. Die Berliner sind stärker im Bereich der Pflegerente unterwegs. In der Lebensversicherung spielt diese Produktvariante aber nur eine untergeordnete Rolle (5.9.2022).

Dem Versicherungsvertrieb seien die Warnzeichen in der Pflege bekannt. „Die Vermittler haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, so Jacobus.

Finanzierungproblem wenig offensichtlich

Als besonders schwierig bezeichnete Eder von Capco „das Wohnthema“. Denn hier stelle sich die Frage, wie die Unterbringung von pflegebedürftigen Personen finanziert werde und wer für diese Lücke aufkomme.

Allianz-Manager Bahr sagte, dass es trotz umlagenfinanzierter Sicherungssysteme „nicht ohne private Vorsorge geht“. Allerdings stehe das Thema auch deshalb nicht im öffentlichen Fokus, „weil in der Pflege die finanziellen Mittel bisher noch nicht gekürzt wurden“. Obwohl die Einnahmen längst nicht mehr die Ausgaben deckten.

Wegen dieser finanziellen Schieflage müsse die Absicherung des Pflegerisikos stärker in die betriebliche Vorsorge implementiert werden. In diesem Punkt waren sich Eder und Jacobus einig.

„Man sollte sich nur davor hüten, wieder ein bürokratisches Monster mit fünf Durchführungswegen zu schaffen, wie in der betrieblichen Altersvorsorge“, merkte der Ideal-Vorstandschef an.

Die heutigen Produkte passen nicht mehr zur Lebenswirklichkeit.

Das echte Leben und die Versicherungspraxis kommen nicht zusammen

Ein Versicherungsmakler aus dem Publikum sprach dann noch ein Thema aus der Praxis an: „Die heutigen Produkte passen nicht mehr zur Lebenswirklichkeit. Die meisten Menschen haben für die eigene Vorsorge wie Berufsunfähigkeit, Rente und Pflege nur ein begrenztes Budget. Warum können Versicherer oder Assekuradeure die Produkte nicht dynamisch aufeinander abstimmen?“

Nur dann hätten Kunden überhaupt die Möglichkeit, ihre zur Verfügung stehenden Beiträge intelligent zur Absicherung der diversen Lebensrisiken zu nutzen. Diesem Vorschlag erteilten die Versicherungsvorstände für die nahe Zukunft eine Absage.

Jacobus nannte das Szenario „aktuariell nicht umsetzbar“. Allianz-Manager Bahr zeigte sich überzeugt, dass „in fünf bis zehn Jahren innovative Produkte auf den Markt kommen“. Aktuell sei es einfach zu teuer, die angesprochenen Risiken in einem Produkt zu kombinieren.

Leserbriefe zum Artikel:

Henrico Sobczak - Der eine zeigt auf den anderen. mehr ...

Helmut Brunner - Durch weltfremde Versicherungspraxis die Hände gebunden. mehr ...

Michael Buko - Immer wieder die gleichen Antworten von Kunden. mehr ...

 
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